Neger-Königreiche Coba und Kabitai, Sangareah-Bai ete.
Reis bildet einen Haupt-Nahrungszweig und wird, allerdings nicht genügend, im
Lande gezogen. Baumwolle, Tabak und Kaffee haben wir wild wachsend
gefunden.
An den Mündungen der gröfseren Flüsse und soweit in denselben Ebbe
and Fluth bemerklich, wird gewifs jeder Europäer arg vom Fieber belästigt
werden. Im Lande selbst halte ich jedoch den Aufenthalt für gesund. Jeden-
falls wird man im Nothfall resp. zur Erholung nach den Höhen ausweichen
und sich in reiner Luft bewegen können.
Die Bevölkerung gehört zum Susu-Stamm, ist gutmüthig und nicht allzu
faul, wie ich nach Beobachtung unserer Hängematten-Träger, im Jatia-Flufs
fischender Weiber etc. schliefsen möchte.
Die Religion ist die muhamedanische.
Das Königreich Coba ist durchaus flach und macht den Eindruck eines
großen Palmenhaines, soweit ich durch den Anblick der Küste von See aus
und durch Spaziergänge in der Nähe von Taboria zu einem Urtheil be-
rechtigt bin.
Die Oelpalmen fand ich hier in der That sehr viel zahlreicher vertreten,
wie in Kabitati. Bei der Landungsstelle in Taboria lag eines der gröfsten, aus
einem Stamm bearbeiteten Kanoes, welches ich je gesehen habe, es war 11m
lang, 1,4m breit und 1,32m tief. Die mit Schiefsscharten versehene Festung
des Königs, die in Lehm ausgeführten Verzierungen an einzelnen Hütten, die
Thatsache, dafs jeder Mann mit Gewehr und Säbel, sowie mit guter Kleidung
versehen, dürften zu dem Schlufs führen, dafs das hiesige Volk, welches nicht
dem Susu-, sondern dem Bagas-Stamm angehört, hervorragend kriegerische
Neigungen hat und reich ist.
Ueber das auf die Navigation an der Küste und auf den Flüssen Bezüg-
liche berichtet Kapt.-Lieut, du Bois:!)
Das Auffinden eines guten Ankerplatzes, der neben der erforderlichen
Sicherheit möglichst nahe der Küste liegen sollte, hatte seine Schwierigkeiten,
da einmal die über diesen Theil der Küste bestehenden Karten und Segel-
anweisungen älteren Datums sind und dadurch an Zuverlässigkeit verloren
haben, zweitens an guten Peilobjekten nur die beiden gröfsten Inseln der Los-
Gruppe vorhanden waren. Das Festland konnte nur in so unsicheren Umrissen
ausgemacht werden, dafs es zu Peilungen nicht benutzt werden konnte. Die
beiden hohen Berge Sumba und Kakulimah waren, obwohl der Horizont klar
erschien, nicht zu sehen. Für die Navigirung an diesem Theil der Küste
standen zu Gebote:
1. Die Brit. Adm.-Karte: West coast of Africa. Sheet VII. (Tit. VI,
No. 102. -
Memoir de the North Atlantic by Findlay, 1879. (B. VI, 1.)
North Atlantic Directory by Rosser & Imray, 1869. (B. VI, 2.)
DU, S. Hydrographic Office No. 46. The West coast of Africa. Part I.
B. VL9L1
Die ieferangaben der Karte scheinen im Allgemeinen richtig zu sein,
aur in einzelnen Fällen weichen sie von der Wirklichkeit ab; dies trifft auch
für die geographische Lage einzelner Küstenpunkte zu. Auf beides wird weiter
unten zurückgekommen werden,
Von den Segelanweisungen schenken die ad 2 und 3 der Sangareah-Bai,
um deren Besuch es sich für S. M. S. „Ariadne“ handelte, nur eine so flüchtige
Betrachtung, dafs für die Ansteuerung des Landes und die spätere Kinsegelung
m die Bai mit der Pinnafs nur die ad 4 benutzt worden ist. Diese ist recht
ausführlich und gewährt einen schätzenswerthen Anhalt für die Navigirung in
dieser Gegend. Soweit während des Aufenthalts S. M. S. „Ariadne“ hier ent-
gegenstehende Beobachtungen gemacht worden sind, sind dieselben weiter
unten zusammengestellt worden. Weitere Vermessungen waren durch die be-
3onderen Aufgaben des Schiffes und die weıte Entfernung des Ankerplatzes von
der Küste ausgeschlossen. .
Vollkommen bestätigt wurden die Angaben der Segelanweisung bezüglich
der Sichtbarkeit der beiden Gebirgaszüge Sumba und Kakulimah gefunden.. So-
1) „West Coast of Afrika“, Part. I, Washington 1873, S. 187 u, £:; Findlay’s „Nortb”
Atlantic Ocean“, 1879, S. 634; „Afrika Pilot“, 1880, S. 185.