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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Neger-Königreiche Coba und‘ Kabitai, Sangareah-Bai etc. 
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nahe an das Ufer herantretenden, aufserordentlich zahlreichen Oelpalmen, . Erst 
in der Mündung des etwa 1200 m breiten. Flusses, der, wie sich herausstellte, 
wirklich der südlichste Arm des Rio Ponga ist, fanden wir wieder Schlick und 
Mangroven, Zwei Meilen von der See, an einer scharfen Biegung des Flusses, 
liegt Taboria auf erhöhtem Ufer versteckt in einem Wald von Palmen, welcher 
die ganze Landschaft bedeckt. Hinter dem Dorf erheben. sich die erwähnten 
mächtigen Baumwollbäume, . 
An der Landungsstelle, wo wir um 2 Uhr ausstiegen, begrüfßte uns eine 
grofse Menge Volks; die Männer waren sämmtlich bewaffnet, Der Ausrufer 
oder Sänger des Königs feierte meine Ankunft durch ein laut gesungenes Lied. 
Eine Hütte wurde uns zur Verfügung gestellt, dessen Besitzer mit seinen Frauen 
einfach hatte ausziehen müssen. Um 3* 30" liefs uns der König, welcher in 
einer Art Festung wohnt — denn seine Hütten und die seiner 40 Frauen, die 
Berathungshalle, ein Pulverhäuschen etc. sind- mit einer 4 m hohen dicken 
Lehmmauer umgeben — zu sich bitten. Auch: auf diesem Wege schritt der 
Hofsänger laut rufend vor mir her.‘ 
In der Berathungshalle fanden wir gewifs über 100 bewaffnete Häuptlinge 
und Krieger unserer wartend, Die Thüren wurden geschlossen, und bald darauf 
trat aus dem Innern. der grofsen Hütte der König herein. Er war vollständig 
bekleidet, trug auf dem Kopfe einen Strohhut, in der rechten Hand einen 
Revolver und in der linken einen Sonnenschirm. 
Meine Absicht, Abends an Bord zu fahren, konnte eines Tornados wegen 
nicht ausgeführt werden, und mufsten wir für die Nacht in der uns angewiesenen 
Hütte Unterkunft suchen... Auch hier wurde .der Tag durch einen Tanz in 
unserer Nähe gefeiert. . 
.. Am % Januar Mittags 12 Uhr fuhren wir nach Abschied vom König 
und Austausch von Geschenken mit fallendem Wasser an Bord zurück, wo wir, 
da. die Dampfpinnafs uns aufserhalb der Barre erwartete, um 4* 30” eintrafen. 
. Es bleibt mir nun noch übrig, über Lage, Grenzen, Bewohner uud Pro- 
dukte etc, der erworbenen Gebiete, kurzum über die Bedeutung derselben, das- 
jenige anzuführen, was ich gehört und durch eigene Anschauung zu meiner 
Ansicht gemacht habe. ; . 
Beide Länder haben gemeinsam den Vorzug, dafs sie direkt vom der See 
aus zugänglich. sind, sie beherrschen vor allen Dingen die Mündung des. Brameya- 
Flusses, Sie liegen beide dem ausgedehnten Hochlande, welches die Quellen 
des. Niger sowohl ‚wie: des Senegal enthält und einen bedeutenden Karawanen- 
Verkehr nach der Küste herunter unterhält, erheblich näher. wie irgend eine 
englische oder französische ‚Kolonie. Durch... Kompafs-Peilungen, von der 
Dubreeka-Ansiedelung, sowie vom Boot aus im Sangareah-Flufs in Verbindung 
mit Berechnungen. über bestimmte zurückgelegte Distanzen, glaube ich die Lage 
der wichtigsten Berge, Höhenzüge, Wasserläufe, Dörfer ete. annähernd festge- 
stoi ad ‚dementsprechend in der ‚anliegenden Karte, (Tafel 12) niedergelegt 
zu haben. 
„= Die Grenzen von Coba dürften ungefähr stimmen, die von Kabitai dagegen, 
wenigstens in der Richtung nach Nord und Ost, sind vollkommen unbekannt... 
en Gemäfs vorsichtiger Schätzung bin ich zu dem Resultat. gekommen; dafs 
Coba etwa 12, Kabitai mindestens 30 deutsche Quadratmeilen. grofs ist, Die 
Summe der Einwohner wird 30 bis 40000 betragen, . 
- Im Besonderen möchte ich über. Kabitai bemerken, dafs dieses Gebiet. 
durch: die. Höhenzüge des Kakulimah und Sumba und andere geringere Krhe- 
büungen. den. Charakter eines Gebirgslandes erhält... Die Abhänge sind mit 
Gummibäumen bewachsen: In den Kbenen führten die Karawanenwege, welche 
wir kennen lernten, durch ein sehilfartiges; 4'/a m hohes Gras, ab. und zu unters 
broehen durch Gruppen von Oelpalmen und dem unserer jungen Eiche täuschend 
ähnlich. sehenden Mene-Baum, welcher auch eine Oelfrucht tragem; soll, Die 
Dörfer,. gewöhnlich. an: Wasserläufen. gelegen, welche recht zahlreich aus dem 
Gebirge herunter zu kommen scheinen, sind stets schon von Weitem. durch 
mächtige Baumwoll- und‘ fruchtreiche Mango-Bäume, erkennbar... Bananen, 
Papayafrüchte und: Orangen wurden. überall: gezogen.. 5 ; 
_ Ich bin überzeugt, dafs.sich das Land vorzugsweise zur Anlage--von 
Fläntagen eignet, Zucker, Kaffee, Baumwolle, Tabak würden zweifellos gedeihen.
	        
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