Neger-Königreiche Coba und Kabitai, Sangareah-Bai ete.
323
and liefs die Dampfpinnafs und das Brandungsboot unter Aufsicht ihrer Be-
satzungen bei der Gustavs-Faktorei zurück,
Der Brameya mündet in zwei Armen in die See, welche die Insel
Konebomby bilden. Der nördliche Lauf kommt für die Schiffahrt, auch für Boote,
nicht in Betracht. Der südliche tiefe Arm nimmt, wie gesagt, kurz vor der
Mündung den Dubreeka auf. ;
Aufser diesen beiden Armen ®xistiren ‚aber noch verschiedene recht
breite Wasserläufe, hier Creeks genannt, welche eine ganze Anzahl in den
Karten nicht angegebeuer Inseln bilden, deren südlichste Bora-Banky ge-
nannt wird.
‚Dort, wo die beiden Hauptarme, welche das Fluflsdelta bilden, sich
trennen, bildet der Brameya eine seeartige Erweiterung, welche wir gegen
10 Uhr Vormittags erreichten. Hier bei der kleinen Insel Kakunzu liegt die
einzige gefährliche Passage im Flufs, gebildet durch eine Reihe von Felsblöcken,
deren Lage Kapt. Röhrdans genau kannte, Während die Ufer bisher nur von
Mangroven (nicht etwa Gebüsch, sondern hohe Stämme) umsäumt erschienen,
kamen jetzt in dem eigentlichen Flufslauf auch Oelpalmen und andere Baum-
arten — ein Zeichen des höheren, nicht regelmäfsig durch die Fluth über-
schwemmten Landes — vom Dampfer aus in Sicht. Gelegentlich hatte man
die schönste Aussicht auf die Sumba-Berge. Im Flufs selbst wimmelte es von
Alligatoren, welche jedoch so scheu waren, dafs es auch späterhin, als bei
Niedrigwasser an der Sonnenseite viele derselben im Uferschlick liegend und
vollständig frei gesehen wurden, unsern Jägern nicht gelang, auf nähere Ent-
fernungen wie 300m zu Schufs zu kommen.
. Um 11 Uhr ankerten wir für !/ Stunde vor einer noch auf Kabztai-Gebiet
gelegenen englischen Faktorei. Um 1* 30” wurde der Ankerplatz etwas unter-
halb des Dorfes Brameya erreicht. Weiter hinauf kam der „Susu“ nicht, wegen
der Felsen und Wasserfälle des Stromes. Oberhalb der letzteren soll wenig-
stens für die üblichen Zrader-Boote der Brameya noch eine weite Strecke
schiffbar sein,
Nach halbstündiger Bootsfahrt und ebenso langem Marsch auf 20 bis
30 Fuß hohem, felsigem Ufer erreichten wir das von mächtigen Baumwoll- und
Mango-Bäumen eingeschlossene, weitläufig gebaute Dorf des Königs Mange-
Willi von Brameya, wo ich die Ehre hatte, von dem König empfangen
zu werden.
Am nächsten Tage früh 4 Uhr wurde die Rückfahrt angetreten, jedoch
nicht mit dem Dampfer nach Dubreceka zurück, sondern mit einer Gig durch
einen Creek im Delta des Brameya und auf dem Jatia-Flufs in das Innere des
Landes Kabitai. Das Boot war mit 18 Mann schwer geladen. Die Ruderer
waren nicht Kroo-Neger, sondern schwächliche Bagas-Leute aus Dubreeka. Wir
kamen nur langsam vorwärts, besonders im Jatia-Flufs, wo der Strom bei
starker Ebbe mindestens mit 3 Kn entgegen setzte. Um 2 Uhr Nachmittags
erreichten wir in dem bedeutend schmaler gewordenen Fluß, welcher hier mit
grofsen Felsblöcken übersäet war, eine enge Passage zwischen zwei mächtigen
Schlickinseln, in welcher wir fest geriethen. Jatia war auf 2 Sm in Sicht, aber
weder das Dorf, noch eins der Ufer erschien des Schlicks wegen erreichbar;
Proviant hatten wir 80 gut wie gar nicht im Boot, .da uns die Tour als viel
kürzer geschildert war und ich von dem Dampfer nicht noch mehr Gefällig-
keiten annehmen mochte; die Hitze war enorm. Meine Vierjährigen konnten
nicht unter dem kleinen Sonnensegel untergebracht werden, und ist es nur den
vorzüglichen Mannschafts-Tropenhüten, welche wir alle bei diesen Expeditionen
trugen, zu verdanken, dafs Niemand krank geworden ist,
Nach zweieinhalbstündigem Warten erschienen endlich einige Träger mit
Hängematten, welche wir durch abgesandte Neger im Dorf bestellt hatten. Der
mich begleitende Deutsche, Herr Baur, und ich wurden dann, in Hängematten
liegend, im Flufsbett entlang getragen, und sanken bisweilen die Träger so tief
ein, dafs unsere Rücken den Schlick streiften. Oflüziere und Mannschaften
blieben im Boot zurück, um mit steigendem Wasser zu folgen. Wir landeten
beim Dorf Bonia und befanden uns nach kurzem Marsch in Jatia, wo uns vor
der grofsen Hütte des Königs Alchaly-Bangali die deutsche Flagge begrüfste.
Die Aufnahme von Seiten des Königs war sehr herzlich. Man hatte uns