Neger-Königreiche Coba und Kabitai, Sangareah-Bai ete.
Kakulimah-Berges ein grofses Negerdorf liegen sollte. Um 3* 30” kam an
St. B. ein europäisch gebautes Boot in Sicht, welches, vor frischer Seebriese
segelnd, nicht eingeholt werden konnte, dem ich aber folgte in den Dubreecka
hinein, und östlich um die Copperah-Insel herum, bis wir gegen 5 Uhr Abends
zu unserer freudigen Ueberraschung eine gröfsere europäische Niederlassung
auf dem linken Ufer erblickten. Wir passirten zwei französische Faktoreien,
sodann eine dritte mit der englischen Flagge, vor welcher auch ein altes Kauf-
Fahrteischiff als Hulk lag. Neben der letzten getrennt liegenden Wohnung ging
die deutsche Flagge auf. Wir ankerten nach achtstündiger Fahrt vor der
Gustavs-Faktorei des Herrn Colin, wie sich herausstellte, und wurden von
dessen dortigem Vertreter, Herrn Starck, begrüfst. Die Offiziere und Mann-
schaften, welche ich mit mir führte, in Summa 30 Köpfe, wurden an Land
untergebracht, Die Dampfpinnafßs blieb für die Nacht unter Bewachung im
Strom zu Anker, Die Ruderboote liefls ich au der Landungsbrücke trocken fallen,
Am '30. Dezember Vormittags 8: 30” fuhr ich, nunmehr mit einem
Lotsen versehen, mit allen Booten an Bord.
In Rücksicht auf das schon bedeutend gefallene Wasser wählten wir
dieses Mal den längeren Dubreeka-Arın, welcher westlich um die Insel Copperah
führt und ganz klar und tief sein soll, während der östliche Arm grofse Steine
enthält.
In dem vereinigten Lauf der beiden Ströme resp. im Sangareah uns
zunächst auf 400 bis 600 m vom linken Ufer haltend, steuerten wir von Creek-
Spitze ab schräg hinüber auf Alligator-Spitze zu. Letzterer auf 2 bis 3 Sm
nahe gekommen, wollte der Lotse direkt Kurs auf das Schiff in See hinaus
halten. Bald aber entdeckten wir, dafs dort, wo wir gestern 4m gelothet
hatten, Brandung stand. Der Lotse liefs nun mit südwestlichem Kurs auf die
Los-Inseln steuern, welche zweifellos bei südwestlicher Dünung der Mündung
bedeutenden Schutz gewähren. Nachdem 3 bis 4 Meilen zurückgelegt, also
atwa von der Mitte der Mündung aus und in tieferem ruhigen Wasser, wurde
Kurs WNW!/2W in See hinausgesteuert. Nach einer Stunde kam das Schiff in
Sicht. Um 2* 30”, also (dieses Mal) nach sechsstündiger Fahrt, waren
wir an Bord.
Am 31. Dezember früh 2* 30” unternahm ich mit der Dampfpinnafs,
welche dieses Mal jedoch nur das Brandungsboot schleppte, die zweite Kx-
pedition. Letzteres war mit Kohlen und Proviant geladen.
Beim Licht des Vollmonds und nach den bisherigen Erfahrungen über
Richtung der Fluth etc: den Kompafskurs 0OSO steuernd, gelang es uns auch,
in der Nacht die Mitte der Mündung und mit demselben Kurs auch Creek-Spitze
glücklich zu treffen. Bei Tagesanbruch erreichten wir Copperah und um 7 Uhr
die Faktorei. Wenn ich annehme, dafs die Dampfpinnafßs mit dem Brandungs-
boot im Schlepp 5!/2a Ku und die Fluth 1'/2 Kn im Durchschnitt machte, so
haben wir in den 4! Stunden etwa 30 Sm zurückgelegt, welche, da wir den
denkbar kürzesten Weg machten, der Entfernung der Ansiedlung Dubreeka vom
Ankerplatz des Schiffes entsprechen dürften.
Die englische Faktorei in Dubreeka, dem grofsen Liverpool - Hause
Randale & Fischer gehörig, steht ebenso, wie die übrigen zahlreichen Fak-
toreien an der Küste und in den Flüssen durch zwei kleine Dampfer, „Susu“
und „Futah“ mit Sierra Leone in Verbindung. Der Vertreter der Faktorei in
Dubreeka ist ein Deutscher Namens Ohse, der Führer des ca 100 Tons grofsen
Dampfers „Susu“ ist ein Kapt. Röhrdans, ebenfalls ein Deutscher. Beide
Herren stellten mir für den nächsten Tag, den 1. Januar, für eine Fahrt den
Brameya-Flufs hinauf den Dampfer sowohl wie ihre Dienste zur Verfügung.
Kapt. Röhrdans hat den Brameya-Flufs bis zur Hauptstadt des gleichnamigen
Landes im Herbst vorigen Jahres ausgelothet und hierdurch dem Verkehr für
Seedampfer bis zu 4,55 m Tiefgang eröffnet. Mit seinem Dampfer „Susu“,
welcher 2,5 m tief geht, hat er die Fahrt hinauf bereits dreimal gemacht, Er
gebraucht mit dem 7 Kun laufenden Schiff von der Dubreeka Niederlassung bis
zum Ankerplatz in Brameya, welcher 2 Sm unterhalb des Dorfes liegt, gewöhn-
lich 7 Stunden.
Die Einladung annehmend, schiffte ich mich am 1. Januar Morgens
6 Uhr mit 3 Offizieren, 1 Obermatrosen und 6 Vierjährigen auf der „Susu“ ein
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