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Kleine hydrographische Notizen.
4. Strom an der Nordküste von Südamerika. Der Kommandant
S. M. S. „Nymphe“, Kapt. z. See Reiche, berichtet, dafs der westliche Strom
an der Nordküste von Südamerika nach den eigenen Erfahrungen sowie nach
der Mittheilung eines an der dortigen Küste viel verkehrenden Kauffahrtei-
Kapitäns nicht nur, wie es auch in den Segelanweisungen angegeben ist, zeit-
weise ausfällt, sondern bis auf 15 Sm Entfernung von der Küste überhaupt nie
vorhanden ist.
5. Seebeben an der Küste von Peru. An Bord S. M. 8. „Prinz
Adalbert“ wurden nach dem Berichte des Kommandanten, Kapt. z. S. Mensing I,
auf der Rhede von Ancon am 10. Februar er. um 1* 30° a. m. zwei kurz auf
einander folgende ca 10 Sekunden lang dauernde Erdstöfse verspürt, welche
das Schiff in sehr merkliche Erschütterungen versetzten. Dieselben schienen
in der Richtung SW—NO fortzuschreiten. Im Wasser machte sich zuerst
ein Geräusch wie des unter Wasser abgelassenen und an die Oberfläche ent-
weichenden Dampfes bemerkbar, welches bald in ein donnerartig rollendes
Gepolter, ähnlich dem Ton reifsenden Flufs- oder Stromeises, überging. Auf
See wurden durch das Naturereignifs keinerlei und am Lande nur unbedeutende
Schädigungen verursacht.
5. (D.S.) Flaschenpost. a) Durch Vermittelung des U. SS. Post office
in Port Orange, Volusia County, Florida und des Kaiserlich Deutschen Konsulats
in Savannah ist der Seewarte ein Flaschenpostzettel- zugegangen, welcher am
18. November 1883 von der Deutschen Bark „Suaheli“, Kapt. Fröhling, in
0° 40‘ N-Br und 21° 40‘ W-Lg ausgesetzt und am 4. Februar 1885, also
444 Tage später, in der Nähe der Rettungsstation bei Fort Laundersdale an
der Florida-Strafse, in etwa 26° 10‘ N-Br und 80,5‘ W-Lg, von dem Herrn
A, F, Quimby aufgefunden wurde, Auf der Loxodrome liegt der Endpunkt
dieser Flaschentrift von dem Anfangspunkte derselben rw. NWzW°/A4W
etwa 3740 Sm entfernt. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dafs anstatt diesen
Weg einzuhalten, welcher durch den Providence-Kanal nach Westen und dann
quer durch den stärksten Golfstrom führt, die Flasche zunächst mit dem
Aequatorialstrom nach WzN bis WNW nördlich von Trinidad ins Karaibische
Meer getrieben, dann südlich von Jamaica und an Kap San Antonio vorüber
in den Golf von Mexico gefolgt und schliefslich mit dem Golfstrom die Florida-
Strafse herunter an die Stelle der Auffindung gelangt ist. Unter letzterer
Voraussetzung würde die in 444 Tagen zurückgelegte Trift etwa 4550 Sm
betragen, was eine mittlere tägliche Versetzung von 10'/4 Sm ausmacht,
b) Durch Vermittelung der Herren H. Mulder Brothers in Vigo ist
der Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von der deutschen
Bark „Suaheli“, Kapt. Fr. Jacobs, auf der Reise von Hamburg nach Zanzibar
am 9. Dezember 1884 auf 44° 2‘ N-Br und 13° 16‘ W-Lg über Bord geworfen
und am 8. April 1885 von dem Herrn Masso in Bueuw an der Pontevedra-Bai
(Westküste von Spanien) bei der genannten Stadt, auf etwa 42° 19‘ N-Br und
8° 45' W-Lg aufgefunden wurde.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 120 Tagen
223 Sm nach S0Oz0!'40 zurückgelegt.
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Diesem Hefte ist eine von der Deutschen Seewarte herausgegebene
Karten-Skizze des Treibeises bei Neufundland während der Zeit vom 10, März
bis Ende April 1885 beigefügt.
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn.
Königliche Hofbuchhandlung.
Kochstralse 68— 70.