Kleine hydrographische Notizen.
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2, (D. S.) Neu entdecktes Riff vor dem südlichen Eingange
der Karimata-Strafse. Das deutsche Schiff „Stephan“, Kapt. A. Trompeiter,
lief auf der Reise von Saigon nach Bremen um 6* a. m. den 26. Mai 1884, als es
sich nach der Loggrechnung auf 3° 7‘ S-Br und 109° 17‘ O-Lg, in der Nähe des
südlichen Einganges zur Karimata-Strafse befand, auf ein Riff. Kapt. A, Trom-
petter berichtet darüber des Weiteren, wie folgt: „Bei Tagesanbruch, während
wir bei leichtem bis mäfsigem SE-Passat mit einer Fahrt von 5 Kn auf B-B.-Halsen
bei dem Winde segelten, fühlten wir plötzlich einen leichten Stofs, und gleich-
zeitig gerieth das Schiff fest. Eben vorher war der Ausguckmann auf die Vor-
Obermarsraa beordert worden. Die Seo war ruhig. Wir holten sofort die
Segel back, setzten die Boote ‚aus und fanden, dafs das Schiff auf einem Riff
festgerathen sei, Die Wassertiefe betrug beim Vorsteven 3,3m (11 Fofs), bei
den Fockrüsten auf der einen Seite 12,6m (7 Fad.) und auf der anderen
9,0m (5 Fad.), Etwas weiter voraus war die Wassertiefe nur 2,7m (9 Fufs).
Achteraus nahm die Wassertiefe rasch zu, so dafs sie am Heck bereits 30,6 m
{17 Fad.) betrug. Das Schiff war also in einen: kurzen schmalen Kanal hinein
gelaufen. An der St-B.-Seite lagen mehrere grofse Steine, über die sich dio
See brach, als das Wasser fiel und der Wind auffrischte, Wir brachten den
grofsen Wurfanker mit einer guten Leine nach hinten aus und liefsen ihn etwa
90m (300 Fufs) vom Schiff entfernt fallen. Der Anker wollte jedoch nicht
halten und kam beim Hieven näher an Bord... Um 9" a.m. begannen wir, um
das Schiff vorne zu lichten, Ladung aus der Vorderluke zu nehmen und nach
hinten zu bringen. Bis 5" p.m. waren ungefähr 700 Säcke Reis umgestaut,
Wir nahmen jetzt die Segel im Vortopp weg und liefsen sie im Grofs- und
Kreuztopp back liegen, um zu bewirken, dafs das Schiff so nahe als möglich
auf demselben Wege, den es gekommen war, wieder zurücktreibe. Dieses trat
denn auch bald- ein, weil das Wasser mittlerweile gestiegen und das Schiff
flott geworden war. Wir liefsen das Schiff vor dem Wurfanker herumschlagen
und schlippten dann die Trosse. Eine Schiffslänge von der Strandungsstelle
liefs das Aussehen der Oberfläche: des Meeres nicht auf das Vorhandensein des
Riffs schließen. Als wir uns eine genügende Strecke von demselben entfernt
hatten, drehten wir das Schiff bei, um die Boote nebst Leine und Wurfanker
an Bord zu nehmen. Dieses geschah um 10 Uhr Abends. Das Schiff erlitt
durch die Strandung keinen Schaden, weil es während der Dauer derselben
ganz ruhig lag.
I Durch das Log fanden wir, dafßs an der Strandungsstelle die Strömung
mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Kn nach NWzW setzte,
Wir hatten am Morgen, Mittag und Abend des Tages vor der Strandung
zuverlässige astronomische Beobachtungen, und der Stand unseres Chronometers
war in den letzten Tagen — zuletzt am vorhergegangenen Nachmittage —
wiederholt durch gute Sonnenhöhen, verbunden mit Landpeilungen, genau be-
stimmt worden. Ich muß deshalb annehmen, ‚dafs das Riff, auf welchem wir
festgeriethen, bis dahin nicht in den Karten verzeichnet gewesen ist. ')
Am nächsten Tage waren wir angestrengt thätig, die Ladung wieder in
den Vorderraum zu stauen, was auch in vollständig trockenem Zustande gelang.“
3. Labrador-Strömung. (Hydrographic Notice, London, No. 3, 1885.)
Nach den Beobachtungen des Kapt. Trott an Bord des Kabelschiffes „Minia“
während des Monats Dezember 1884 setzte der Arktische oder kalte Labrador-
Strom mit ziemlicher Stärke längs der Südkante der grofsen Neufundland-Bank.
In. der mittleren Position von .43° 10‘ N-Br und 49° 30‘ W-Lg setzte er nach
SW mit einer Geschwindigkeit von 2,3 Sm p. h.. Auf der Bank selbst wurde
während dieser Zeit kein Strom gefunden. Oestlich von 48° 45‘ W-Lg wurde eine
Versetzung nach Osten und NO konstatirt; die Aenderung in der Stromrichtung
wurde deutlich angezeigt durch ein Steigen der Wassertemperatur von 2,2° auf 5°C.
1) Diese Annahme kann nur unter der Voraussetzung aufrecht erhalten werden, dafs das
Schiff während der Nacht keine Versetzung gehabt hat, was aber die Angabe über die an der
Strandungsstelle beobachtete Strömung zweifelhaft erscheinen läfst. Eine Versetzung von 24 Sm
nach NWzW1/2W würde das Schiff nach Cirencester Shoal gebracht haben. Auf alle Fälle mahnt
dieser Fall zur Vorsicht. Siehe die Bemerkungen in dem Aufsatz über die Winde und Strömungen
in der Karimata-Strafse auf Seite 463 ff. der „Ann. d. Hydr. ete,“, 1883. In der englischen
Admiralitäts-Karte No. 2160 ist in 3° 7‘ S-Br und 109° 17’ O-Lg kein Riff verzeichnet.