A}
Loma Loma, Viti-Gruppe,
Bemerkungen über Loma Loma in der Viti-Gruppe.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Von Kapt. F. Sontag, Führer der deutschen Bark „Pedraza“, erhielt
die Seewarte nachstehenden Bericht:
„Am 6. November 1883 ankerten wir um 9 Uhr Abends, von Levuka
kommend, im Hafen von Loma Loma, um hier den Rest unserer Ladung ein-
zunehmen. Wegen Mangels an Arbeitsleuten verstrichen 16 Tage, bevor wir
mit dem Laden beginnen konnten, weshalb erst am 26. November die Reise
nach Lissabon, für Order, angetreten wurde. Wie es heifst, sollen die Schiffe
in Zukunft direkt von Apita nach Loma Loma beordert werden und nicht, wie
es bislang gebräuchlich gewesen ist, erst Levuka anlaufen. Aus diesem Grunde
dürften einige Bemerkungen über die Verhältnisse in Loma Loma für Kapitäne,
die zum ersten Male diesen Hafen besuchen, von Interesse sein.
Der Hafen von Loma Loma ist einer der besten auf den Südeee-Inseln,
jedoch bietet die Einsegelung, wie ein Blick auf die Karte zeigt, einige
Schwierigkeit, weshalb es rathsam für die Schiffe ist, einen Lotsen zu nehmen.
Ein dort ansässiger Halbweilser, Namens Tom Robertson, ist als Lotse sehr
zu empfehlen. Derselbe ist, so lange man geistige Getränke fern vom ihm hält,
zuverlässig. Freilich hat der Kapitän das Manövriren seines Schiffes stets
selber zu überwachen, indem der Lotse lediglich das Fahrwasser bezeichnet.
Für das Einsegeln in die Lagune der Exploring Islands ist, namentlich mit
Rücksicht auf den Wind, die Tongan- Passage vorzuziehen, welche etwa 9 Sm
vom Ankerplatz in Loma Loma entfernt ist.
Vor der Tongan-Passage angekommen, bringe man die Passage zwischen
der grofsen Insel Vanua Mbalavu und der Insel Avea offen und steuere NW,
bis man die Untiefen, welche auf diesem Kurse an der B-B.-Seite liegen, passirt
bat. Von hier ab ist der Kurs zunächst NWzW*/,W, gerade auf die niedrigste
Stelle der Insel Vanua Mbalavuw zu, bis die Klippen, welche NNO von der
Insel Munia liegen, passirt sind. Auf dieser Strecke halte man einen scharfen
Ausguck von der Marsraa, wegen einer kleinen Untiefe, die man auf diesem
Kurse in unmittelbarer Nähe zu passiren hat. Von den genannten Klippen
steuere man W'!'/4S auf eine weiße Stelle der Insel Loma Loma, bis man auf
der B-B.-Seite zwei andere Klippen erreicht hat. Von hier ab bringt ein
W!/zN-Kurs nach dem Ankerplatz am Nordende der Insel Loma Loma. Auch
an dem Südende dieser Insel ist ein Ankerplatz. In dem inneren Hafen von
Loma Loma, auf dem Ankerplatz zwischen dieser Insel und der Insel Vanua
Mbalavu, liegt ein Schiff auf 10,8 bis 14,4m (6 bis 8 Fad.) Tiefe und gut
haltendem Grunde gegen jeden Wind geschützt.
Weil Loma Loma bis jetzt kein Einklarirungshafen ist, mufls man ent-
weder einen Zollbeamten von Levuka mitnehmen oder daselbst sämmtlichen
Proviant verzollen. In dem ersten Falle bleibt der Beamte während des ganzen
Aufenthaltes des Schiffes in Loma Loma an Bord. Derselbe erhält vom Schiff
zufßser Beköstigung täglich 10 sh. Schiffe, die beabsichtigen, nach Loma Loma
zu segeln, haben sich vorher mit den nöthigen Bedarfsartikeln, auch Wasser,
zu versehen, weil dort so gut wie nichts, nicht einmal Kartoffeln oder Yams,
zu haben ist. Der Güte des Herrn Hennings, welcher der angesehenste
Kaufmann in Loma Loma und Besitzer vieler Plantagen und Inseln ist, hat man
es zu verdanken, gelegentlich Schaffleisch zum Preise von 9—10 d. pro !h kg
zu erhalten. Frisches Rindfleisch ist nicht zu bekommen.
Vor dem westlichen Eingange der Nanuku- Passage ist in meiner Karte,
auf 16° 53’ S-Br und 79° 32‘ W-Lg, eine Klippe als sehr gefährlich eingetragen,
Dieselbe scheint nicht vorhanden zu sein, da ich selber auf dieser Stelle gekreuzt
habe, ohne die Klippe entdecken zu können. Auch die hiesigen Küstenfahrer
bestreiten die Existenz derselben.!)
Alle Kompafsrichtungen sind mifsweisend.“
1) Die englische Admiralitätskarte No. 2691 bringt diese Angabe nicht mehr, während sie
in der Karte von Imray & Son von 1875 enthalten ist.