Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Januar 1885,
Ma
N.
10. Reise der Elsflether Bark „Hugo“, Kapt. F. C. Meyerheine.
Die auf einer Reise von Gefle nach Hobsons Bay begriffene Bark „Hugo“
befand sich am 15. November 1883 in der Nähe von Lizard. Dieselbe rückte
von dort aus bei den in nächster Zeit angetroffenen schwachen westlichen und
südwestlichen Winden in langsamer Fahrt nach Süden hin vor. Als sie sich
am 27, November unweit von 37° N-Br in 16,5° W-Lg befand, veränderte sich
der Wind nach S und SSE und nahm bis zur‘ frischen Briese zu. Man segelte
dann längere Zeit mit B-B.-Halsen, und da Kapt. Meyerheine bei dem zur
Zeit herrschenden niedrigen Barometerstande das Dasein einer südlich von ihm
vorhandenen Depression, wie solche nach den Erfahrungen früherer Jahre zu
dieser Zeit und für diesen Meerestheil nicht selten sind, vermuthete, so wurde
ein ausnahmsweise westlicher Kurs gesteuert und immer gut voll nach Westen
hin gehaltev. Infolge dieses Verfahrens befand sich der „Hugo“ am 5. Dezember
in der ungewöhnlich weit westlichen Position von 30,8° N-Br und 29,7° W-Lg.
Hier fand dann auch eine Veränderung des Windes nach W statt, aber da die
Windstärke gleichzeitig eine überaus geringe wurde, konnte aus der günstigen
westlichen Position kein Nutzen gezogen werden. Indem der ganz leise west-
liche Zug sich nach rechts veränderte, entstand aus ihm schliefslich nach
mehreren Tagen der Passat. Die polare Grenze dieses Windes schien am
7. Dezember in geringer Entfernung von 28,6° N-Br und 29° W-Lg zu liegen.
Das dort auf 766,8 mm zeigende Barometer erreichte 2 Tage später einen unweit
von 23,5° N-Br in 29° W-Lg abgelesenen höchsten Stand von 768,3 mm. Der
ganz schwach einsetzende Passat wurde nur langsam stärker, wehte jedoch
später auf der zwischen 26° und 8,5° N-Br liegenden Strecke frisch und
beständig. Derselbe endete, als „Hugo“ sich am 15. Dezember in der Nähe
von 6,2° N-Br und 25,3° W-Lg befand. Um den in diesem Punkto betretenen
Stillengürtel zu überschreiten, waren 3 Tage erforderlich. Nach dieser Zeit
stellte sich in etwa 3,6° N-Br und 25,5° W-Lg der zunächst nur noch sehr
schwach und unbeständig wehende SE-Passat ein, bei dem „Hugo“ bis zum
20. Dezember zu der in 28° W-Lg überschrittenen Linie segelte. Um zu der-
selben vom Kanal her zu gelangen, waren 35 Tage erforderlich gewesen,
Während dieser Zeit hatte man: 40° N-Br in 12,7° W-Lg am 23. November,
30° N-Br in 29,3° W-Lg am 5. Dezember, 20° N-Br in 28,5° W-Lg am 10. De-
zember und 10° N-Br in 26,8° W-Lg am 14. Dezember gekreuzt. Als Kapitän
Meyerheine sich am 3. Dezember in der Nähe von 33° N-Br und 27° W-Lg
befand, äufserte derselbe in seinem Journale sein Bedauern darüber, dafs er in
seiner Erwartung einer südlich von ihm liegenden Depression einen so un-
nöthigen weiten Umweg nach Westen gemacht habe. Diese Klage erscheint,
abgesehen davon, dafs es nicht gerathen erscheint, in einem ähnlichen Falle,
wenn der Standpunkt des Schiffes schon ein gut westlicher und die Stärke des
SE-Windes nur eine mäßige ist, West oder gar noch einen nördlich von West
liegenden Kurs zu steuern, nicht recht begründet. Denn die freilich recht
westlich verlaufende Route der Fahrt des „Hugo“ zum Passatgebiet verlängerte
die Reise des Schiffes zur Linie keinesweges, Die Reisen mehrerer Mitsegler,
welche als grofßse, eiserne, auf der Ausreise begriffene Schiffe dem „Hugo“ an
Schnelligkeit wahrscheinlich wenigstens nicht nachstanden, zeigen dieses, Das
eine derselben, das von Bremen nach Rangoon bestimmte Bremer Vollschiff
„Wega*, welches sich am 15. November bei Lizard befunden hatte, gelangte
zur Linie in 28,5° W-Lg am 19. Dezember. Ein anderes, das auf einer Reise
von Cardiff nach Rangoon begriffene Hamburger Vollschiff „Melpomene“, das
am 17, November 50° N-Br in 6,5° W-Lg überschritten hatte, verliefßs nördliche
Breite in 29,2° W-Lg am 20. Dezember. Am Mittage des 3. Dezember, als
„Hugo“ sich in 33° N-Br und 27,3° W-Lg befand, war der Schiffsort von „ Wega“
in 29,7° N-Br und 25,7° W-Lg und derjenige von „Melpomene“ in 30,4° N-Br
und 26,5° W-Lgy gewesen. Die Bark segelte von diesem Tage bis zum 7, De-
zember zu der von ihr in 28,6° N-Br und 29° W-Lg angetroffenen polaren
Passatgrenze, während „Wega“ dieselbe in 26,3° N-Br und 24,8° W-Lg am
8. Dezember sowie „Melpomene“ in 26,2° N-Br und 27,8° W-Lg cbenfalls am
8. Dezember erreichte. Die zwischen Kanal resp. 50° N-Br und Aequator
liegende Strecke war vom „Hugo“, wie schon erwähnt, in 35, von „Wega“ in