Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Januar 1885. 295
Fahrt an 2 Tagen durch ganz leichte unbeständige Briese unterbrochen. Aus
dieser entwickelte sich am 22. September in 35,3° N-Br und 19,5° W-Lg der
NE-Passat. Mit dem Einsetzen desselben schienen die Schwierigkeiten der
Reise überwunden zu sein, Nachdem die Bark jedoch bis zum 2, Oktober nach
24,7° N-Br in 38° W-Lg vorgerückt war,. ging der Passat in leichte unbeständige
Briese über. Auf diese folgte bald Windstille und später ein frischer südwest-
licher Wind. Dabei war das Wetter regnerisch, und sehr häufig traten gewitter-
hafte Erscheinungen auf, Nachdem diese ungewöhnlichen Verhältnisse 16 Tage
lang angehalten hatten, und man bei ihnen bis nach 23,1° N-Br in 56,7° W-Lg
vorgerückt war, gelang es wieder, Passat anzutreffen. Derselbe wehte dann für
mehrere Tage recht kräftig und hielt an, bis die Bark sich am 22. Oktober in
der Nähe von 27,5°N-Br und 68,5°W-Lg befand. Der frische Wind veränderte
sich dort nach SE und nahm darauf rasch bis zum ganz leisen Zuge ab. Am
24, Oktober wurde man wieder durch kräftigen NE-Wind, der das Schiff ganz
bis zum Bestimmungshafen begleitete, begünstigt. Am 27. Oktober, 45 Tage
später als der Kanal verlassen worden war, erreichte „Godefroy“ Wilmington.
Während der Fahrt über den Ocean war: 40° N-Br in 15,2° W-Lg am
17. September, 30° N-Br in 26,6° W-Lg am 26. September, 30° W-Lg in
27,5° N-Br am 28. September, 50° W-Lg in 22,7° N-Br am 14. Oktober, 60° W-Lg
in 24° N-Br am 19. Oktober und 70° W-Lg in 28,5° N-Br am 23. Oktober ge-
schnitten worden. Das von Fiume nach Philadelphia bestimmte Vegesacker
Vollschiff „Amelia“, welches die Strafßse von Gibraltar am 8, September ver-
lassen hatte, und welches seine Reise über den Ocean ebenfalls durch
das Passatgebiet zurücklegte, hatte dort zwar nur einen schwachen, aber doch
keinen gestörten Passat angetroffen. Dasselbe erreichte den Delaware-Flufs am
17. Oktober, nach 39tägiger Reise. Dagegen beobachtete das auf einer Reise
nach New-Orleans begriffene Bremer Vollschiff „Friedrich“ jene Passatstörung
auch. Hier stellte sie sich am 5. Oktober in der Nähe von 19,5° N-Br und
43,4° W-Lg ein und hielt, während an jedem Tage über gewitterhafte Er-
scheinungen berichtet wird, bis zum 13. Oktober in 19,8° N-Br und 50° W-Lg
an, Der unweit. dieses Punktes wieder einsetzende Passat war jedoch nur
schwach und wehte aus südöstlicher Richtung. Von der Linie herkommende
Schiffe, die damals den Durchstecher durch das Passatgebiet machten, blieben,
wenn sie 20° N-Br östlich von 30° W-Lg schnitten, von der Störung befreit,
während westlicher stehende Mitsegler sie fanden. Das Bremer Vollschiff
„Rajah“, welches 20° N-Br in 30,1° W-Lg am 16. Oktober und 30° N-Br in
34,3° W-Lg am 22. Oktober kreuzte, traf bis 35,5° N-Br hin keinen anderen als
Ostwind an. Dagegen endete bei der Hamburger Bark „Ksmeralda“, als die-
selbe sich am 8. Oktober in 16,8° N-Br und 30,2° W-Lg befand, der bis dahin
wehende frische Passat, und es trat Windstille und leiser östlicher Zug an dessen
Stelle. Von diesem Schiffe, welches 20° N-Br in 34,1° W-Lg am 14. Oktober
bei schwachem östlichem Winde überschritt, wurde der frische NE-Passat am
17. Oktober in etwa 23° N-Br und 34,2° W-Lg wieder angetroffen. Dasselbe
segelte bei demselben bis zum 20, Oktober nach 30° N-Br in 35° W-Lg. Dieses
Schiff fand frischen Ostwind bis über 40° N-Br hinaus. Während „Godefroy“
seine Reise ausführte, war auch das Bremer vom Mittelmeer nach Philadelphia
bestimmte Vollschiff „7. W. Wendt“ auf einer solchen begriffen. Dasselbe durch-
segelte am 26. September die Strafse von G7braltar. Im offenen Ocean verfolgte
es bei dem dort angetroffenen frischen Ostwinde, nach der Regel verfahrend,
den günstigen Wind zunächst auf dem kürzesten Wege möglichst auszunutzen,
einen Westkurs. Und da, als ınan auf demselben weiter nach Westen hin vor-
rückte, die Winde vorherrschend günstig blieben, vollendete der „J. W. Wendt“
seine‘ ganze Reise über den Ocean, ohne südlich von 30° N-Br zu gehen.
Derselbe erreichte am 25, Oktober, nach nur 29tägiger Reise von Gibraltar
aus, den Delaware-Fluß. Am Mittage des 11. Oktober befand sich „Godeffroy“
in 22,4° N-Br und 47° W-Lg und beobachtete dort Wind aus W (2); „Kajah“
stand gleichzeitig in 12,3° N-Br und 25,3° W-Lg und verfolgte dort bei NE-Wind
Stärke 4 einen nordwestlichen Kurs; die zur selben Zeit in 17,8° N-Br und
31,1° W-Lg stehende „Esmeralda“ wurde durch leichten Zug aus NE (1) zurück-
gehalten, während der „J. W. Wendt“ in 36,4° N-Br und 47,9° W-Lg durch
stürmischen NNE-Wind in Stärke 8 begünstigt wurde.