294 Eingänge von meteorologischen Journalen etc, Januar 1885,
Winde blieben nun für längere Zeit vorherrschend. Ein abermaliges Drehen
des Windes nach NE und weiter durch W und S erfolgte erst, als „Christine“
sich am 6. September in der Nähe von 29,2° S-Br und 44,8° O-Lg befand. Die
Richtung der ferner angetroffenen Winde war ebenfalls meistens eine günstige,
nur war deren Stärke zu häufig eine unerwünscht geringe. Nicht selten wurde
sogar Stille angetroffen, Durchstehende Westwinde beobachtete man selbst in
ler Nähe der Südspitze Afrika’s nicht. Auch durch nennenswerthe Stürme
wurde die Fahrt nicht erschwert. Die ungünstigsten Verhältnisse wurden an-
zetroffen, nachdem man am 24. September die Länge der Kapstadt erreicht
natte. Am 28, September, 19 Tage später als derselbe Parallel im Indischen
Ocean verlassen worden war, überschritt „Christine“ 30° S-Br in 13,2° O-Lg.
Auf der zwischen Sunda-Straßse und Südspitze Afrika’s liegenden Strecke hatte
das Schiff 10° S-Br in 96,5° O-Lg am 14. August, 20° S-Br in 74,5° O-Lg am
23. August, 30° S-Br in 40° O-Lg am 9. September, 90° O-Lg in 13° S-Br am
17. August, 60° O-Lg in 23,3° S-Br am 30. August und 30° O-Lg in 32,8° S-Br
am 15, September gekreuzt. Die von Soerabaja nach Liverpool bestimmte eiserne
Hamburger Bark „Moltke“, welche die Sunda-Stralse am 3. August verlassen
hatte, erreichte 30° S-Br in 13° O-Lg am 27. September.
Der von 30,8° S-Br ab wehende SE-Wind, bei dem „Christine“ wieder
nördlich von 30° S-Br gelangte, war schon der Passat. Derselbe wehte an-
fänglich in befriedigender Stärke, verlor dieselbe aber, nachdem 23° S-Br über-
zschritten worden war. Den von diesem Parallele ab noch vorliegenden Theil
des Weges zur Linie mufste das Schiff fast ganz bei schwachem Winde zurück-
jegen. Am 19. Oktober, 21 Tage später als 30° S-Br verlassen worden war,
zing „Christine“ in 23,1° W-Lg von der südlichen zur nördlichen Halbkugel
äber. 20° S-Br hatte man in 0,3° W-Lg am 5. Oktober und 10°S-Br in 13° W-Lg
am 13. Oktober geschnitten, Der in seiner Segelfähigkeit wahrscheinlich stark
beeinträchtigte „Moltke“ erreichte nördliche Breite in 24° W-Lg erst am
22. Oktober.
In recht günstiger Weise erfolgte für „Christine“ der Uebergang des
Schiffes vom Gebiete des SE- in das des NE-Passats. Nachdem man bei dem
ersteren Winde bis zum 22, Oktober nach 5,2° N-Br in 24,8° W-Lg vorgerückt
war, nahm derselbe bis zur leichten Briese ab, ohne jedoch in Mallung über-
zugehen. Indem der schwache Wind dann nach wenigen Wachen wieder kräftiger
wurde und sich nach E und NE veränderte, entstand aus ihm unmittelbar der
Passat. Im Gebiete desselben wurde auf der zwischen 8,5° und 14° N-Br
jegenden Strecke die gröfste Windstärke beobachtet. Nördlich von der letzteren
Breite fand man für längere Zeit nur einen recht schwachen Passat, während
derselbe zwischen 21° und 28° N-Br wieder kräftiger wehte. Die polare
Passatgrenze schien am 5. November in der Nähe von 30° N-Br und 35,5° W-Lg
zu liegen. Als dort der flaue Wind in Stille überging, hatte der Luftdruck
einen höchsten Stand von 770,0mm erreicht. Auf dem letzten Theil der Reise
natte „Christine“ später auch noch lange gegen östliche Winde zu kämpfen.
Es stellten sich dort zwar wiederholt westliche Winde ein, doch waren dieselben
in jedem Falle nur von kurzer Dauer. Nur dem Umstande, dafs der Ostwind
meistens aus dem südöstlichen Viertel wehte, war es zu verdanken, daß sich
ein einigermafsen befriedigender Fortgang erzielen liefs. Am 28. November,
109 Tage später als die Sunda-Strafse verlassen worden war, ankerte „Christine“
auf der Rhede von Queenstown, Im Nordatlantischen Ocean hatte man 40 Tage
zugebracht und dort: 10° N-Br in 26,5° W-Lgy am 24. Oktober, 20° N-Br in
32° W-Lg am 31. Oktober, 30° N-Br in 35,6° W-Lg am 5. November und
10° N-Br in 34,2° W-Lg am 13. November gekreuzt. Der Mitsegler „Moltke“
erreichte den St. Georg's-Kanal am 7. Dezember.
6. Reise der Rostocker Bark „Godeffroy‘“, Kapt. C. Sinnig.
Am 12. September 1884 befand sich die auf einer Reise von Stettin nach
Wilmington begriffene Bark „Godeffroy“ in der Nähe von Lizard. Der an diesem
Tage wehende frische Ostwind führte dieselbe rasch in den Ocean hinaus. Dort
wurde Kurs für das Passatgebiet gesteuert und auf demselben auch, da die
angetroffenen Winde zunächst meist günstig blieben, ein ziemlich befriedigender
Fortgang erzielt. Nachdem 36° N-Br überschritten worden war, wurde die