accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

286 Orkanartiger Sturm im Indischen Ocean vom 11. bis 13. Dezember 1883. 
NE lief eine starke Dünung aus SW. Indem „Urania“ einen nördlichen Kurs 
verfolgte, holte der Wind, an Stärke zumehmend, auf SSE, und das Barometer 
begann langsam zu fallen. „Urania“ konnte, ebenso wie „George“, ihren Kurs 
mit einer geringen westlichen Abweichung von demselben ununterbrochen fort- 
setzen, wobei sich der Wind durch S und W nach N veränderte. Um 4a, m. 
den 12. Dezember wehte es auf „Urania“ bereits stürmisch aus SSE, bei einer 
hohen Kreuzaee aus NE und SE. Das Barometer war seit 12% p. m. um 2,5 mm 
gefallen; das Wetter bekam bald ein drohendes Aussehen und Böen traten auf. 
Um 2" p. m. fiel eine schwere Böe (Stärke 10) ein, worauf sich das Wetter 
besserte, während aber erst um 4*p. m. in 17,3° S-Br und 87,9° O-Lg, als der 
Wind seine gröfste Stärke (9) aus SSW erlangte, das Minimum des Luftdrucks 
von 754,8 mm beobachtet wurde. (Am Abend steilte sich eine Schaar ver- 
schiedener Vögel beim Schiff ein.) 
Am 13. Dezember, sowie am Morgen des nächsten Tages war bei vor- 
herrschend mäfsiger NW- bis N-Briese das Wetter vielfach böig und schauıig. 
Am Vormittag des 14. war die Luft sehr sichtig bei loichtem Nordwinde und 
einem Luftdruck von 761 mm. ; 
„Alice Rickmers“ war das südlichste der drei Schiffe. Js befand sich 
nahezu in gleicher Länge mit „George“, aber 1 bis 2° östlicher als „Urania“ 
und 7,4° beziehentlich 1,7° südlicher als diese Schiffe, Um 4” a. m. den 11. 
hatte „Alice Rickmers“ mäfsigen Passatwind aus einer recht östlichen Richtung, 
der im Laufe des Tages sich etwas nach rechts drehte, wobei er indefs nicht 
über ESE hinaus kam. (Am Vormittage des 11. Dezember wurde eine Menge 
fliegender Fische gesehen). Kine hohe Dünung von vorn (aus N), welche seit 
dem Nachmittage beobachtet wurde und die immer mehr zunahm, verursachte 
cin starkes Stampfen des Schiffes. Am Abend kam eine dicke Wolkenbank im 
Norden auf, Fast gleichzeitig, um 4* a, m. den 12. Dezember, wurde der Wind 
anf „Urania“ und „Alice Rickmers“ stürmisch bei stetig fallendem Barometer. 
Es traten leichte Regenböen auf und dicke Luft kam im NO auf und zog nach 
SW. Um 12" m. wurden auf „Alice Rickmers“ die leichten Segel festgemacht, 
um den Verlauf der Witterung abzuwarten. Der Wind begann wieder östlicher 
zu holen, und alle Anzeichen deuteten auf einen Orkan hin, dessen Centrum in 
nordnordöstlicher Richtung von „Alice Rickmers“ lag. Es wurde daher um 
4% p. m. die Fock festgemacht und dann das Schiff mit B-B.-Halsen beigelegt. 
Um dieselbe Zeit, in 19,2° S-Br und 90,4° O-Lg, trat der niedrigste Luftdruck 
von 753,7 mm ein, als der Sturm mit Stärke 9 aus E wehte. (Wie schon be- 
merkt, wurde ebenfalls um 4* p. m. auf „Urania“ der niedrigste Luftdruck 
beobachtet.) Bis um 10* p. m. den 13. Dezember wehte es am Bord von 
„Alice Rickmers“ fast ohne Unterbrechung mit der Stärke 10, wobei der Wind 
seine Richtung allmählich nach NE veränderte, und der Luftdruck langsam 
höher wurde. Während dieser Zeit folgten schwere Böen mit heftigem Regen 
rasch aufeinander und die See lief wild durcheinander, besonders hoch aus ENE. 
In der Nacht vom 12. zum 13. Dezember wurden mehrere Male Blitze beob- 
achtet, und die Luft hatte im Allgemeinen ein drohendes Aussehen. Beim 
Untergange der Sonne hatte der Horizont einen röthlichen Schein, während 
derselbe am Morgen zur Zeit des Sonnenaufgangs gelblich grün gefärbt war. ') 
Nach 10* p. m. den 13. nahm der Wind, nördlich holend, zu einer starken 
Briese ab, so dafs mehr Segel gesetzt werden konnten. Am 14. wurde der 
Wind bei schönem Wetter und steigendem Luftdruck von NE zu einer 
frischen Briese, 
Während des Sturmes trieb „Alice Rickmers“, mit B-B.-Halsen beigedreht, 
bei einer Geschwindigkeit von 2 Sm in der Sturde, recht nach Süden, 
Aus den vorstehenden meteorologischen Beobachtungen und den näheren 
Ausführungen über den Verlauf des Sturms an Bord der drei Schiffe lassen 
sich folgende Schlüsse ziehen: „Um 12 Uhr Mittags den 11. Dezember lag 
das Centrum der Depression in südöstlicher Richtung von „George“ und in 
nordöstlicher von „Urania“, um 4* p. m. den 12. in östlicher Richtung von 
„Urania“ und in nordnordwestlicher von „Alice Rickmers“ und um 8* p. m. den 
1) Die am 11. und 13. beobachtete Färbung des Himmels ist wohl auf die in dieser Zeit 
häufig aufgetretene Dämmerungserscheinung zurückzuführen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.