Vafel zur Verbesserung der Länge oder des Stundenwinkels, 283
Da diese Tafeln immerhin nicht so häufig gebraucht werden. und daher
weniger nothwendig sind, so sollen sie nur in gröberen Zügen für die Breiten
von 5 zu 5 Grad und die Azimuthe mit denselben Zwischenräumen und inner-
halb der Grenzen, für welche die betreffenden Bestimmungen hauptsächlich zur
Ausführung kommen, hinzugefügt werden. In einzelnen vorkommenden Fällen
Jäfst sich die Korrektion auch mit Hülfe der eben angeführten Differentialformeln
berechnen.
Im zweiten Falle, um die durch eine Aenderung des Stundenwinkels
hervorgerufene Breitenänderung zu erhalten, läfst sich auch die erste ausführ-
licher berechnete Tafel benutzen; bezeichnet man nämlich die in der Tafel
enthaltene Korrektion DE mit c, so ist dt =— c.dp, also dp = x dt; man
erhält demnach die Breitenänderung de in Bogenminuten, indem man den
reciproken Werth der in der Tafel für das bestimmte Azimuth und Breite an-
gegebenen Korrektion mit der Aenderung des Stundenwinkels (in Bogenminuten)
multiplicirt.
Aus dem Vorzeichen des Differentialquotienten von t nach h folgt für
die Anwendungsregel, dafs eine Veränderung der Höhe stets eine entgegen-
gesetzte des Stundenwinkels zur Folge hat, d. h. wird die Höhe größer, so
wird der Stundenwinkel kleiner, und umgekehrt. Die Regel läfst sich für die
Längenberechnung auch so fassen:
Bei steigendem Gestirn (östlichem Stundenwinkel, bei der Sonne Vor-
mittags) giebt eine gröfsere Höhe eine Ööstlichere Länge, eine kleinere Höhe
eine westlichere Länge. Bei fallendem Gestirn (westlichem Stundenwinkel, bei
der Sonne Nachmittags) giebt eine gröfsere Höhe eine westlichere Länge, eine
kleinere Höhe eine östlichere Länge. Die graphische Darstellung durch Skizzirung
der Höhenlinie und Richtungslinie des Gestirns oder auch nur der letzteren
ersetzt auch hier die Regel, indem eine positive Höhenänderung die Höhenlinie
resp. die Länge dem Gestirn zurückt, eine negative Höhenänderung vom Gestirn
entfernt. Dieselbe graphische Methode ist auch bei Anwendung der Korrektion
der dritten Tafel zu empfehlen.
Orkanartiger Sturm im Indischen Ocean vom 11. bis 13. Dezember 1883.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) ;
Die deutschen Schiffe „George“, Kapt. B. Schwarting, „Alice Rickmers“,
Kapt. W. Reents, und „Urania“, Kapt, J. Früchtenicht, — erstere beiden
auf der Reise von Cardiff nach Singapore, letzteres Schiff von Liverpool nach
Rangoon bestimmt — wurden im Dezember 1883 in der Nähe von 15° S-Br
und 90° O-Lg von einem schweren Sturm betroffen, dessen Verlauf durch die
in den nachstehenden Tabellen enthaltenen meteorologischen Beobachtungen und
die sich denselben anschliefsenden Bemerkungen veranschaulicht wird.
Die von den Kapitänen angestellten Ablesungen der Barometer und
Thermometer sind für die Fehler der Instrumente berichtigt und der Barometer-
stand auf 0° Temperatur reduecirt.