Nordenskjöld’sche Expedition nach Grönland 1883.
hervor, während weiter nördlich die Verhältnisse mehr den weiter vom Lande
entfernteren gleichen. Dies beweisen zur Genüge die auf der Grönland-Expedition
im August längs der Westküste ausgeführten Salzgehaltbestimmungen.
N.Br
60°— 63°
63 — 65
65 — 67
67 — 68
68 — 71
11— 3
Salzgehalt Zahl der
Procent Beobachtungen
3,1328
3,2027
3,2920
3,3250
3,2970
3.9390
Es erscheint hiernach also das Wasser in der Nähe des Polarstroms
salzarm, und je weiter entfernt von demselben, desto salzreicher. Der Salz-
gehalt schien in ca 67°—68° N-Br sein Maximum erreicht zu haben und dann
nordwärts in die Baffins-Bai hinein wieder geringer zu werden.
Wenn man annimmt, dafs der Polarstrom Ost-Grönlands die Temperatur
und den Salzgehalt in der angegebenen Weise beeinflulst, müssen auch die Ver-
änderungen, welchen derselbe in den verschiedenen Jahreszeiten unterworfen
ist, entsprechende an der Westküste hervorrufen. Wenn also der Polarstrom
im Frühjahr und Sommer grofse Eismengen nach Süd-Grönland bringt, so muls
das warme und koncentrirte Wasser im Davis-Sund dünner und kälter werden.
Wenn umgekehrt der Polarstrom im Herbst und Winter abnimmt und an der
Südküste Grönlands kein Treibeis erscheint, mul der Arm des Golfstromes,
den Petermann annimmt, voll zum Ausdruck kommen. Während des Spät-
herbstes und Winters sollte man deshalb an der Westküste Grönlands wärmeres
und salzhaltigeres Wasser finden.
In verschiedenen Fjorden, wie Julianehaab, Arsuk und Waigat,
wurden auch über einander liegende Wasserchichten verschiedener Temperatur
yefunden. Zwischen zwei warmen Schichten an der Oberfläche und dem Grunde
liegt eine kalte, wie aus folgender Tabelle klar wird.
Julianehaab safe 5 2
50° 49.1 N-Br Tiefe in Meter 0 5 15 30 75 125 225
46° 020“ W-Lg | Temperatur °C +9,2 +33 00 —02 —05 —03 +06
[n der Mitte des ı Tiefe in Meter 0 10 25 50 75 12% 300 560
Arsukfjord
bei Ivigtut | Temperatur °C +78 +20 +10 +01 00 —04 +14 +18
- NE Be | Tiefe in Meter 0 75 2165 3860 550 640@®
51° 37,1‘ W-Lg | Temperatur °C +50 —03 —08 +09 +13 +15
Von einem Maximum an der Oberfläche fällt die Temperatur zuerst
achnell, dann langsam, bis sie in einer mittleren Tiefe ihr Minimum erreicht,
ım dann wieder zuerst schnell, dann langsam nach dem Grunde hin zu einem
zweiten Maximum anzuwachsen, Die Zunahme des Salzgehalts mit der Tiefe
erzeugt trotz des Wechsels der Temperatur ein nach unten zunehmendes speci-
fsches Gewicht, wie folgende Messungen zeigen.
Tiefe in Meter 0 75 150 300 550
Temperatur °C +73 0,0 — 0,4 +14 +17
Salzgehalt in Proc. 1,910 3,284 8,322 3,401 8,411
Spec. Gew. £ 1.01500 1.026835 1.026683 102718 1.027238
Professor Mohn hat für die norwegischen Fjorde, wo ähnliche Verhält-
nisse vorliegen (Annalen 1881, S. 581), die Erklärung gegeben, dafs das Maximum
an der Oberfläche der Sommerwärme, das folgende Minimum der Winterkälte
und das untere Maximum den Einflüssen des vorhergehenden Sommers zuzu-
schreiben ist. Bei den grönländischen Fjorden pafst dies nicht ganz, es kommt
hier noch als wesentlicher Faktor das Inlandseis hinzu. Dies wirkt bei vielen
Fjorden durch seine Gletscher, bei allen aber durch seine Eisberge das ganze
Jahr hindurch. Diese grofsen oft einige hundert Meter tiefen Kismassen müssen