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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

270 Gezeiten- u. Strömungsbeobachtungen in der Chinesischen u, Japanischen See. 
Die Tabelle 8 giebt ferner die Monate an, während welcher die Vor- 
mittagsfluthen resp. die Nachmittagsfluthen die höheren sind. Tabelle 9 endlich 
giebt die durchschnittliche Anzahl von Fluthen, bei welchen man bestimmte 
Wassertiefen bei Hochwasser auf der Barre erwarten kann, von 5,5 m (18’ engl.) 
aufwärts, für jeden Monat des Jahres. 
Während der Springzeiten fängt die Ebbe bei Woosung 1'/a bis 2 Stunden 
nach Hochwasser an zu laufen und während der Nippzeiten 1%. bis 2'/2 Stunden 
nach Hochwasser. Die Fluth fängt während der Springzeiten 20 bis 40 Minuten 
und bei Nippzeiten 1 bis 1!/2 Stunden nach Niedrigwasser an zu laufen. Ebbe 
and Fluthstrom beginnen an beiden Flufsufern eher zu laufen als in der Mitte 
des Flusses. Zur Springzeit fällt das Wasser etwa 8'/4 Stunden und steigt 
4 Stunden, zur Nippzeit fällt es etwa 7!/z Stunden und steigt 4°/4 Stunden. 
Die Gezeiten bei Shanghai. Die Hafenzeit (high water full and 
change) für Shanghai-Zollhaus ist 1* 30”, indessen beeinflufst auch hier der 
Wind in hohem Grade die Zeit des Eintritts von Ebbe und Fluth, indem nord- 
östliche Winde das Wasser in den Woosung-Flufs hineintreiben und eine stärkere 
and länger dauernde Fluth erzeugen, während westliche Winde das Wasser aus 
dem Flussoe heraussaugen. Unter besonderen Verhältnissen kann es vorkommen, 
dafs der Fluthstrom gar nicht fühlbar wird, vielmehr die Schiffe bei Beendigung 
des Ebbstroms nur ganz kurze Zeit auf den Wind, dann aber sofort wieder auf 
neue Ebbe schwingen. An Bord S, M. S. „Stosch“ wurde dieser Fall z. B. am 
14. September 1884 Morgens beobachtet, also am zweiten Tage nach dem letzten 
Viertel des Mondes; übrigens war zu dieser Zeit eine bedeutende atmosphärische 
Störung im Süden von Shanghai signalisirt, welche vielleicht ihre Einwirkung 
auch auf die Gezeiten im Yang-tse und Woosung gehabt hat. Ein ähnlicher 
Fall trat am 28. September Morgens, diesmal also am ersten Tage nach dem 
ersten Viertel des Mondes ein, ein dritter Fall endlich am 29, September, 
Diese Erscheinungen stimmen also mit den bei der inneren Woosung- 
Barre gemachten Beobachtungen überein. 
Reise von Shanghai nach Nagasaki. Nach dem „China & Japan 
Directory“ von Findlay, 1878, S. 102 hat man auf der Fahrt von Shanghai 
nach Nagasaki eine besonders in der Periode des SW-Monsuns sehr beträcht- 
liche nordöstliche Strömung zu gewärtigen, weshalb angerathen wird, von 
Amherst Rock in der Yang-tse-Mündung O0°/A4N zu steuern, welcher Kurs das 
Schiff unter Mitwirkung des gedachten Stromes in die Mitte zwischen Pallas 
Rocks und Ose-Saki (Goto-Inseln) bringen soll. 
S. M. S. „Stosch“ machte die Ueberfahrt Ende Mai 1884 und zwar nach 
Verlassen des Yang-tse bis zum Passiren der Goto-Inseln nur unter Segel, Das 
Stromgebiet des Yang-tse scheint das Schiff erst gegen Mittag des 29. Mai in 
etwa 31° 9‘ N-Br und 124° 24‘ O-Lg verlassen zu haben, denn im Laufe des 
Vormittags sank die Temperatur des Wassers allmählich, während das specifische 
Gewicht bis zu der Höhe stieg, welche dem Wasser im freien Ocean eigen- 
ihümlich ist. Regelmäfsige Versetzungen wurden im weiteren Verlauf der Reise 
nicht konstatirt, so lange das Schiff auf offener Seo war; innerhalb der Goto- 
[nseln machte sich dann am 31. Mai von 10* a. m. bis 3® p. m. ein südöstlicher 
Strom bemerkbar, derselbe setzte nach den stündlich genommenen Peilungen 
SE 0,5Kn p. h., während der Wind NW 2—4 war. Der Besteck-Auszug ist in 
Tabelle 10 enthalten. 
Reise von Nagasaki durch die Binnenlandsseen nach Kobe. 
Dieselbe wurde vom 12. bis 16. Juni 1884 ausgeführt. Nach dem Passiren der 
Spex-Strafse wurde in der Nacht vom 12. zum 13. auf dem Wege nach der 
Simonoseki-Strafse- ein bedeutender nördlicher, also von der Küste absetzender 
Strom beobachtet, der mehrmals bedeutende Kursänderungen nothwendig machte. 
Nach Aussage des Lotsen ist dies eine häufige, aber ohne Regelmäfsigkeit 
wiederkehrende Erscheinung; während der Nacht herrschte anfänglich Stille, 
dann leichter, östlicher Wind Stärke 1—3. 
In der Simonoseki-Strafse wurde gegenüber der Stadt in der Moze-Bucht 
geankert. Dieselbe ist durch eine vorliegende Bank von der Strafse getrennt 
und hat infolge dieser Abgeschlossenheit verhältnilsmäfsig nur wenig Strom, 
selbst wenn in der Simonosecki-Strafse der heftigste Strom läuft; die Bucht ist 
daher als Ankerplatz vorkommenden Falls sehr zu empfehlen.
	        
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