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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gezeiten- u, Strömungsbeobachtungen in der Chinesischen u. Japanischen See. 
Die durchschnittliche Hochwasserzeit bei Voll- und Neumond (High 
water full and change) auf der inneren Woosung-Barre ist 0* 40°, . 
Unter gewöhnlichen Verhältnissen wechselt der durchschnittliche tägliche 
Unterschied in den Hochwasserzeiten wie folgt: 
In den ersten 7 Tagen nach Neumond ist er 40", wächst .am 8. Tage 
auf 50”,.am 10. auf 1* 40”, nimmt dann am 12. Tage auf 50" und vom 12, 
bis zum 22. auf 40" ab, dann wächst er wieder bis zu 1" 40” am 24. und 
nimmt wieder ab bis auf 20" am Tage vor Neumond. 
Die gröfste Unregelmäfsigkeit in dem täglichen Unterschiede tritt am 
1., 2. und 3. Tage nach dem ersten resp. letzten Viertel ein, und bei aufser- 
gowöhnlichen Wetterverhältnissen hat er zuweilen fast 4 Stunden betragen, 
. Die Strömungen werden stark vom Winde beeinflufst, indem bei starkem 
Winde aus NE bis © die Fluth ’oher eintritt, höher steigt und länger läuft als 
gewöhnlich; während bei starkem Winde aus Nord bis NW und West in jeder 
Beziehung das Entgegengesetzte der Fall ist, indem die Ebbe länger läuft und 
das Wasser tiefer fällt. Von März bis Oktober finden die höchsten Fluthen 
bei Vollmond statt, während der übrigen Monate dagegen bei Neumond; eine 
feste Regel aber für den Tag der Mondperiode, an welchem die höchste oder 
die niedrigste Fluth zu erwarten steht, läfst sich nicht angeben. Die höchste 
Fluth tritt oft am dritten Tage nach Vollmond oder Neumond ein, aber häufig 
auch am zweiten, seltener am ersten Tage nach Voll- oder Neumond und zu- 
weilen auch wohl am Tage des Voll- oder Neumondes ‚selbst. Eine gleiche 
Unregelmäfsigkeit zeigt sich auch bei.den niedrigsten Nippfluthen (d. h. bei 
denjenigen, welche die geringste Wassertiefe bei Hochwasser geben) mit Bezug 
auf:das erste resp. letzte Viertel des Mondes, 
Die Woosung-Barre wird, wie Tabelle 6 zeigt, mit ziemlicher Regel- 
mäfßigkeit während bestimmter Monate des Jahres angeschwemmt,. während 
anderer Monate wieder abgespült; . die in jener Tabelle angegebenen Tiefen 
sind von der festen Marke des niedrigsten Niedrigwasserstandes bei 
Springzeit gerechnet. Das folgende Diagramm zeigt, dafs die Barre im 
Allgemeinen ihre geringste Höhe während der Monate Februar, März, April 
und Mai hat und dafs sie durch Mudd-Ablagerung sich erhöht von den ersten 
Tagen. des Mai ab bis zum September, von wo ab die Wegspülung wieder 
beginnt. Es ist jedoch beobachtet worden, dafs, wenn im Frühling und Sommer 
viel Regen in den Gegenden fällt, welche der Hwangpoo- (Woosung-) Flufs 
durchläuft, die Geschwindigkeit des Ebbestroms beträchtlich zunimmt und dann 
eine verhältnilsmäfßig geringere Ablagerung auf der Barre statt hat, während 
das Gegentheil während einer trocknen Zeit ‚eintritt, Die höchsten Spring- 
Authen des Jahres fallen gewöhnlich in den Monat August; die gröfßte und die 
geringste Wassertiefe bei Hochwasser, welche überhaupt beobachtet worden 
sind, betragen 7,64 m resp. 4,0 m. 
Wassertiefe auf der inneren Woosung-Barre bei Niedrigwasser Springzeit für die fünf- 
jährige Periode vom 1. Januar 1879 bis 31, Dezember 1883, reducirt auf den Wasserstand 
des niedrigsten Niedrigwassers, 
Imnni Tauli 
9269 
"Ya 
2,45 
3,50 
2,55 
> 60' 
2,65 
2,70 
2,75 
2,60 
2,85 
290 
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390 
Die Wassertiefe auf der Barro hängt indessen, wie bereits oben gezeigt 
ist, nicht von der Steighöhe der Fluth allein ab, sondern auch von dem Grade 
der Anschwemmung auf der Barre, und ‚es ist daher schwierig, eine allgemeine 
Regel für die zu einer bestimmten Zeit zu erwartende Wassertiefe zu geben: 
die Tabelle 7 kann aber als ein ziemlich richtiger Anhalt betrachtet werden.
	        
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