Gezeiten- u. Strömungsbeobachtungen in der Chinesischen u. Japanischen See.
Reise von Amoy nach Shanghai. Auf dieser Reise, welche vom
9. bis 12, April 1884 ausgeführt wurde, sind bei flauen Winden aus den beiden
östlichen Quadranten nur geringo Versetzungen beobachtet.
Die Resultate der Beobachtungen sind in den Tabellen 3 und 4 enthalten.
Nachdem am 11. April 3* Nachmittags die Hieshan-Inseln an B.B. ganz
in der Nähe passirt waren, wurde Kurs auf die Insel Video genommen; dieser
Kurs führte 6 Sm östlich frei von dem Tongting-Felsen, nichtsdestoweniger
kam letzterer um 9'% Uhr Abends fast recht voraus in Sicht, woraus ersichtlich,
dafs der Fluthstrom das Schiff seit 6 Uhr Abends, wo die letzte zuverlässige
Peilung genommen worden war und die wirkliche Position des Schiffes noch
mit der gegifsten übereinstimmte, etwa 6 Sm, d. h. mit einer Geschwindigkeit
von ca 1,7 Kn in westlicher Richtung auf die Kanäle des Chusan-Archipels zu
gesetzt hatte. Es ist daher anzurathen, besonders bei unsichtigem Wetter sich
in größerer Entfernung vom Lande zu halten, um nicht diesem auflandigen
Strom ausgesetzt zu sein.
Shanghai. Die Angaben über die Gezeitenverhältnisse im Yang-tse und
bei der inneren Woosung-Barre sind ausschließlich der großen Bereitwilligkeit
des Coast-Inspektors in Shanghai, Mr. Bisbec, zu verdanken.
Nach Aussage des genannten Herrn werden die Beobachtungen über
diesen Gegenstand, mit deren Zusammenstellung er erst in den letzten Tagen
des September fertig geworden ist, voraussichtlich im nächsten Jahre in einer
für das Bedürfnifs des seefahrenden Publikums geeigneten Form als Anhang
zu der „List of the chinese lighthouses, buoys and beacons“ erscheinen, welche
jetzt jährlich von der Kaiserlichen Seezollbehörde herausgegeben wird.
Die Gezeiten im Südeingange zum Yang-tse. Die {folgenden
Angaben über die Gezeiten in der Nähe des Tung-sha-Feuerschiffes sind aus
Beobachtungen hergeleitet, welche der Führer jenes Feuerschiffes während
eines Zeitraums von fünf Monaten (1. Mai bis 30. September) angestellt hat. ,
Es ist Hochwasser bei Voll- und Neumond (High water full and change)
beim Tung-sha-Feuerschiff um 12 Uhr; die gröfste Höhe der Springfluth beträgt
4,9m (16 Fufs engl.) und der gröfste beobachtete Höhenunterschied zwischen
zwei auf einander folgenden Gezeiten betrug 4,3 m (14‘°). Die Höhe der Nipp-
fAuth beträgt 3,4 m (11°) und der durchschnittliche Höhenunterschied zwischen
Ebbe und Fluth zur Nippzeit 2,4 m (8). Der geringste beobachtete Unterschied
zwischen zwei auf einander folgenden Gezeiten war 1,8 m.
Die Gezeitenströmungen in der Mündung des Yang-tse sind einer Drehung
unterworfen; indessen die Richtung des Stromes in einem bestimmten Zeitpunkte
der Gezeitenperiode ist, abgesehen vom letzten Viertel der Fluth oder Ebbe,
wie die Tabelle 5 zeigt, aufserordentlich wechselnd, ohne dalßs besondere Wind-
oder Wetterverhältnisse als Ursache hierfür ersichtlich wären.
Die Ebbe läuft am stärksten in der 5. und 6. Stunde, ihre gröfßste beob-
achtete Geschwindigkeit war zur Springzeit 5 Kn, zur Nippzeit 3'/4 Kn.
Die Fluth läuft am stärksten während der 3. und 4, Stunde, ihre gröfsto
beobachtete Geschwindigkeit war zur Springzeit 3 Kn, zur Nippzeit 2 Kn.
Zwischen Tung-sha-Feuerschiff und Woosung sind die Gezeitenströmungen
in der schiffbaren Rinne bedeutend stärker, weil 'das Wasser hier durch die
Bänke mehr eingeengt ist.
Wenn der Wind frisch aus südlicher Richtung weht, so setzt die Ebbo
in der Nähe des Feuerschiffes und auch noch eine beträchtliche Strecke östlich
von demselben, viel länger in einer nördlich von Ost gelegenen Richtung als
sonst; Ta frischen nördlichen Winden hingegen ist das Kntgegengesetzte
der Fall.
Das Wasser fällt durchschnittlich sowohl zur Springzeit wie zur Nippzeit
7 Stunden lang und steigt 5 Stunden lang.
Es sei noch bemerkt, dafs diese neuesten Beobachtungen, wie sie in
Tabelle 5 enthalten sind, nicht ganz mit den älteren Angaben übereinstimmen,
welche im „China and Japan Directory“ von Findlay, 1878 S. 1111 und im
„China Sea Directory“, 1874 S. 352 aufgeführt sind.
. Die Gezeiten bei der inneren Woosung-Barre. Die folgenden
Angaben über die Gezeitenverhältnisse bei Woosung sind gröfstentheils den
Berichten des dortigen Hafenamts für die 5 Jahre 1879 bis 1883 entnommen.
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