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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gezeiten- u. Strömungsbeobachtungen in der Chinesischen u, Japanischen See. 267 
Als „Albatrofs“ am Nachmittage bei einsetzendem südwestlichen Winde Anker 
lichtete, kam der Anker, welcher auf 30m niedergefiert war, schon mit 45m 
los. Bei dem weiteren Iuseedampfen fand sich nichts Bemerkenswerthes mehr, 
sondern Alles wurde der aufgenommenen Karte entsprechend vorgefunden, 
Gezeiten- und Strömungsbeobachtungen in der Chinesischen und 
Japanischen See. 
Zusammengestellt durch den Navigat,-Offizier S. M. S. „Stosch“, Kapt.-Lieut. Wodrig. 
Hongkong. Ein Theil des aus dem Canton-Flusse auslaufenden Ebb- 
stromes. nimmt seinen Lauf durch die enge Strafe nördlich der Insel Hongkong 
nach Osten; indessen läuft der Strom auf der Rhede von Victoria der Richtung 
des Ufers folgend zuerst nach ESE und dann allmählich umbiegend nach ENE, 
In entsprechender Weise läuft auch die Fluth, durch die Lyemoon-Passage ein- 
dringend, zunächst im östlichen Theil der Rhede von Victoria in westsüdwest- 
licher Richtung, dann aber im weiteren Verlaufe nach WNW. 
S. M. S. „Stosch“ lag im Winter 1883/84 mit kurzen Unterbrechungen 
im östlichen Theil der Rhede ziemlich nahe unter Land etwa in den Peilungen 
Flaggstock auf Fort Kellet . . . E'% N, 
Schornstein an der Praya .'. . S*%E, 
St-B.-Anker als Fluthanker nach Osten, B-B.-Anker als Ebbanker nach Westen, 
und dieser Ankerplatz erwies sich als sehr günstig insofern, als das Schiff fast 
ohne Ausnahme beim Kentern des Stromes. mit dem Kopf durch Norden 
schwaite, so dafs die Ketten auch bei einem ohne Mooringsschäkel liegenden 
Schiffe fast immer klar geblieben sein würden, während andere, weiter entfernt 
vom Lande oder weiter westlich liegende Schiffe ganz unregelmäfsig, bald durch 
Nord, bald durch Süd schwaiten. Der bezeichnete Ankerplatz scheint also, 
wenigstens für die Zeit des NE-Monsuns, ganz besonders empfehlenswerth zu 
sein, wenn man ohne Mooringsschäkel zu liegen beabsichtigt, da die Fluth 
gerade an dieser Stelle beständig in der Richtung WSW, die Ebbe aber in der 
Richtung ESE einzusetzen scheint. - 
_Beise von Hongkong nach Amoy. Dieselbe wurde vom 1. bis 4. April 
ausgeführt, die während der Reise gemachten Beobachtungen ergiebt Tabelle 1. 
Dio Versetzung war bei den sehr frischen nordöstlichen Winden an den 
beiden ersten Tagen fast die gleiche und sehr bedeutend, ja sie erreichte den 
in den Segelanweisungen und Karten angegebenen Höchstbetrag und wurde erst 
nach dem Passiren der Lamock-Inseln bei abnehmendem Winde geringer, - 
Die Beobachtungen über die Lufttemperatur und die Temperatur, sowie 
das specifische Gewicht des Wassers an der Oberfläche enthält Tabelle 2, 
Die aufsergewöhnlich niedrige Temperatur des Wassers am 4. April 
Mittags scheint die Folge ununterbrochenen heftigen Regens gewesen zu sein, 
dessen Temperatur nach mehrmaligen Messungen 14,0° bis 14,2° betrug. 
Amoy. Nach Aussage der Lotsen soll der Strom sowohl an der Nord- 
wie auch an der Südseite der Insel Kulang-Sew, in der ersten Zeit nach dem 
Kentern quer zur Richtung des Fahrwassers setzen, weshalb es rathsam erscheint, 
besonders an der Südseite von Kulang-seu, vor welcher eine ausgedehnte Bank 
liegt, sich beim Ein- und Auslaufen an der Amoy-Seite 'des Hafens zu halten. 
Uebrigens sind die Gezeiten sehr unregelmäfsig, und es kann, besonders wenn 
der Wind längere Zeit nördlich ist und im Lande starke Regengüsse gefallen 
sind, vorkommen, dafs der Fluthstrom 24 Stunden lang gar nicht bemerk- 
lich wird. 
Die Ebbe hat südlich von Kulang-seu im freien Fahrwasser die Richtung 
ESE, ihre gröfste Geschwindigkeit wurde am 6, April Nachmittags 2 Sm 
NzW!4W von Ting-seu-Feuerthurm, wo das Schiff des Nebels wegen zu Anker 
lag, zu 2,5 Kn bestimmt,
	        
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