264 Vermessungen S. M. Kr. „Albatrofs“ an der Westküste Patagoniens.
hinzog. Am Ende der NO-Strecke theilte sich das Fahrwasser in mehrere
Arme; ein sich nach NW erstreckender, der für die Möglichkeit der Weiterfahrt
am wahrscheinlichsten erschien, wurde verfolgt und erwies sich durchgängig
breit, tief und klar. Bei dioser Fahrt wurden bescheidene Ankerplätze in der
Heinrichs-Föhrde und der Kasper-Föhrde gefunden, Im Ausgange des
Kanals wurde die Ocean-Dünung verspürt; der Golf von Pe%as lag offen vor dem-
selben. Zum Ankern wurde die niedrige coupirte Ostseite nördlich von Ursula
abgesucht. Mchrere Buchten waren zu klein oder zu tief; schliefslich wurde in
der Steinbucht ein scheinbar ganz passabler Platz in 24m Sandgrund ge-
funden. Beim Ansegeln derselben wurde ein Stein voraus gemeldet und der-
selbe, weils durch das Wasser schimmernd, eben au St-B. gelassen. Am
i1. Januar ging ich Anker auf und nördlich tiefer zwischen die Inseln, um,
wenn möglich, einen geräumigeren Ankerplatz zu finden. Das Fahrwasser wurde
jedoch bald zu unsicher, nur durch die äufserste Vorsicht konnten einige Steine
vermieden werden; ich kehrte deshalb um. Um den angeführten Stein im Bogen
herumdampfend, wurde noch ein zweiter bemerkt. Im Dampfkutter unternahm
ich sodann eine Rekognosecirungsfahrt durch das Inselgewirr, welche ich ihrer
yrofsen Anzahl wegen in Verbindung mit der scheinbar gröfsten Insel Ursula
die 11000 Jungfrauen nannte, und untersuchte das Fahrwasser zwischen
dem ersten Stein und dem Lande; dasselbe fand sich bis dicht an das Land
hinan tief und klar. Beim Verlassen der Bucht am 13. Januar kam das Schiff
auf einem bisher nicht bemerkten dritten Stein fest, wurde aber bald durch an
Land gebrachte Trossen abgeholt. Jetzt gab ich die Brauchbarkeit dieses
Hafens, dessen Einfahrt mit so viel und vielleicht noch mehr Steinen garnirt
war, auf, Zwischen dem ersten Stein und dem Lande kam ich glatt durch.
Bei der Rückfahrt nach Süden wurde die Mündung des Erhardt-Kanals und
sämmtliche Buchten und Einläufe am Nordwestufer des „Knick’s“ vergeblich
auf Anker- oder Festmacheplätze untersucht. Im Kanal lief ein südöstlicher
Strom von etwa 1,8 Sm p. h.
Nach kurzem Aufenthalt im Molyneux-Sund wurde der Flottenhafen ver-
messen und die nördliche Mündung des Picton-Kanals, welche sich im
Gegensatz zu allen übrigen Gewässern dieser Gegend auffallend flach gezeigt
hatte, ausgelothet. Wenn die Tiefen auch stellenweise, besonders an der Ost-
seite, bis auf 7m herabgingen, so fand sich doch eine Passage, welche nicht
weniger als 10m hatte; dabei waren die Grenzen des sicheren Fahrwassers
stets gut durch Kelp bezeichnet. Weiter nach See dampfend und in nicht
großer Entfernung von verschiedenen Inseln und Felsen vorbeigehend, fanden
sich stets gleichmäfsige oder wenig ändernde Tiefen bei Sandgrund. Nur
nördlich des letzten sichtbaren Brecherfelsens wurde eine Stelle entdeckt, an
welcher es selten, aber sehr heftig brandete — der Störtebecker.
In der Spengler-Bucht, deren Einfahrt durch die freien Stellen im
Kelp sich gut markirte, wurde in 9m Sandgrund geankert. Die Bucht fiel
in ihrem hinteren Theil bei Niedrigwasser vollkommen trocken.
Bei den Bemühungen, einen der Stosch-Kanal-Mündung nahe liegenden
Hafen aufzufinden, zeigte sich die Südostküste der Stubbenkammer-Insel
steil und buchtenlos; eine südöstlich gelegene Inselgruppe wies zu grofse Tiefen
in den Wasserstraßsen auf. Um Stubbenkammer herum dampfend, wurden alle
Buchten der Insel untersucht. Die Einfahrt in das Binnenwasser der Insel war
zu eng und mit Inseln verbarrikadirt, die nächsten Buchten waren zu tief, auch
stand einige Dünung aus Süd in dieselben hinein. Durch den Kalau-Pafs in
die Wilcke-Föhrde dampfend, wurde im linken Arm derselben ein noth-
dürftiger Ankerplatz gefunden, während der rechte Arm derselben viel zu tief
war. Nach karzer Rekognoseirung des Kosmos-Hafens wurde in den gegenüber
liegenden Pawelsz-Sund gelaufen, um zu sehen, ob derselbe sich vielleicht
zur Verkürzung des Weges, zum Abschneiden des Knicks, verwerthen liefse.
Der Sund war schön klar und tief. Seine Richtung zeigte jedoch bald, dafs,
wenn er auch in Kommunikation mit dem Fallos-Kanal stände, er doch nicht
kürzer sein könnte, als der Weg durch den Knick. Er sendet einen Arm nach
SW aus, welcher, vom Mars aus gesehen, den Anschein hatte, als wenn er in
die See mündete.