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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

262 Vermessungen S. M. Kr. „Albatrofs“ an der Westküste Patagoniens, 
Bucht wurde vermessen. Ich selbst fuhr in dem Dampfkutter durch die Enge 
in die Binnengewässer, um zu sehen, ob hier eine, wenn auch für Schiffe nicht 
brauchbare Durchfahrt wäre. Nachdem ich mich durch das Anlaufen von drei 
Buchten von dem Gegentheil überzeugt hatte, fuhr ich an Bord und liefs Anker 
lichten. Wir gingen zurück in den nächsten Arm an St-B., die Wasserfall- 
Bai. Es war eine geräumige Bucht, in deren SW-Ecke sich ein mächtiger 
Wasserfall stürzte, mächtiger, wie ich ihn je später in diesen Gewässern ge- 
funden habe. Ankergrund war nicht vorhanden. Solcher wurde zwischen den 
Inseln nördlich der Malvinen-Insel mit 20m Wasser gefunden. Die Untersuchung 
der Umgebung ergab jedoch Klippen im Schwaiungskreis, so daß das Heck 
des verankerten Schiffes noch mit einer Leine an den Bäumen einer Insel be- 
festigt werden mufste. Am 21, Dezember ging es mit Tagesanbruch in einen 
sich nördlich erstreckenden Kanal. An B-B. war bald cine prächtige dreieckige 
Bucht, aber ohne Ankergrund. Später theilte sich das Fahrwasser in mehrere 
Arme, von denen zunächst der westlichste, die Insel-Föhrde, gewählt wurde. 
Sie war eng und gewunden, führte an hohen gletschergekrönten Bergen und an 
einem Archipel kleiner buschbedeckter Inseln vorbei und endete nach ca 3,5 Sm 
in einer Bucht mit Ankergrund. Der nächste Arm wurde Lawinen-Föhrde 
genannt; in dieselbe hatte der vorher schon genannte Gletscher in einer Schlucht 
eine Lawine bis an die Wasserlinie gesendet; sie endete auch in einem weiteren 
Becken, wo gednkert wurde, Von den ca 1500m hohen Bergen herabkommend 
strömte dort an der Westseite ein Fluls ein, welcher an seiner Mündung ein 
vollständiges Watt, zur Zeit trocken, geschaffen hatte. Versuche, mit Booten 
in den Flufs cinzulaufen, scheiterten an der davor liegenden Barre. Der dritte 
und letzte Arm fand auch bald seinen Abschlufs; die durch eine enge Kinfahrt 
mit demselben in Verbindung stehenden Hintergewässer, Parkwasser, waren 
gänzlich geschlossen. Die Gegend war landschaftlich sehr schön; den Abschlufs 
bildete, wie eigentlich in jedem Arm, ein Wasserfall. , 
Am 22. Dezember wurde zuerst eine Abzweigung nach Osten, die Wild- 
schlucht, besucht; eine äufserst enge Einfahrt führte in eine durch absolut 
senkrechte Felsen begrenzte Föhrde, welche zwar höchst romantisch, aber 
geschlossen und zu tief war. Die an der Westseite gegenüber liegende 
Romantische Föhrde stellte, unterstützt durch prachtvolles Wetter, alles 
bisher Gesehene in Bezug auf Schönheit und Romantik in den Schatten; sie 
war sehr schmal, aber tief. Nach 4'% 2 Sm kam wieder eine Enge, die mit 
Steinen besetzt war; das Bassin hinter derselben war geschlossen, Nach Verlassen 
der Föhrde wurde an der Westseite des Brazo del Norte nach Süden hinunter 
gedampft. Die südlich von der /dyllen-Bai liegende Entenföhrde ist 5 Sm 
lang, geschlossen, und hat keinen Ankergrund. Letzterer wurde in der sich 
nach Süden erstreckenden Weihnachtsbucht gefunden und benutzt. Alle 
Kinschnitte an der Westseite der Bucht wurden untersucht, zeigten sich aber 
alle geschlossen. 
Am 25. Dezember wurde an der Ostküste, die bis zuletzt für eine Insel 
gehalten war und deshalb Falsche Insel genannt ist, entlang, zwischen ihr 
and der Malvinen-Insel hindurch und in die Alpenföhrde hinein gedampft, 
deren Arme sich jedoch auch geschlossen erwiesen. Südlich dampfend wurde 
dann zwischen niedrigen Inseln ein Einlauf, „Letzter Versuch“, gefunden, 
woselbst in 40m Wasser geankert ward. Die einzelnen Einschnitte und Buchten 
desselben ergaben nichts Nutzbares. Am südlichsten Ende desselben erstieg 
ich einen Berg, sah die offene See, konnte aber, wenngleich das Land viele 
Binnenseen hatte, keine Kommunikation derselben mit dem Brazo del Norte 
entdecken. Hiermit war die Untersuchung des Brazo del Norte beendet. Kine 
Kommunikation mit einem andern Gewässer nach NO, Nord oder West existirt 
nicht. Die Gewässer waren, aufser in engen Einfahrten oder zwischen niedrigen 
Inseln, durchgängig sehr tief und klippenfrei; das Handloth erhielt während der 
Fahrt nie Grund. Die Küsten bestehen fast durchgängig aus ca 1000m hohen, 
wallartig steil sich erhebenden Uferbergen, im Hintergrunde erheben sich 
ca 1500m hohe einzelne Bergparthien, zum Theil mit ewigem Schnee und 
Gletschern bedeckt. Das Wasser hatte durchgängig einen niedrigen Salzgehalt; 
Strom war nicht zu bemerken, das Wasser stieg höchstens '/am. Das Wetter 
war meist rccht angenehm und still, der Himmel bedeckt. Die Thierwelt war
	        
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