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Fernando Po.
Auch die östlich von Zsabel gelegene Nervion-Bai bietet guten Anker-
grund, entbehrt aber des Schutzes gegen Osten und wird daher nicht benutzt.
An dem ganzen Küstensaum dieser Ankerplätze kann man ohne Schwierig-
keit mit Schiffsbooten landen, was kaum jemals an einem Punkt der Festland-
küste möglich ist. In der /sabel-Bucht befindet sich eine bequeme eiserne
Landungsbrücke, allerdings in sehr baufälligem Zustande. Weitere solche
Landungsbrücken würden sich ohne Weiteres herstellen lassen.
Ein Nachtheil des Hafens ist, dafs er überall von hohen Ufern umgeben
ist, vor denen sich nur im mittleren Theil ein schmaler Strand befindet, welcher
von den Lagerplätzen einiger Kaufleute fast gänzlich in Beschlag genommen
ist. Ein hervorragender Fleck dieses Strandes ist als spanisches Marine-
Etablissement reservirt, jedoch befindet sich nur ein kleiner Schuppen dort, in
welchem ein Boot reparirt wurde. Vor diesem Platz hat man das Wrack eines
eisernen Schiffes auf den Grund festgelegt, und im Schutz desselben ist Gelegen-
heit, zu landen und einige Boote aufzuschleppen.
Aufser den Ankerplätzen der Nordseite der Insel wird noch die Carlos-
Bai an der Westküste in den Segelanweisungen lobend hervorgehoben. Dieselbe
ist aber, wie der Augenschein ergab, weniger geschützt gegen die Dünung, und
das Landen ist äufserst beschwerlich. Ihr Hauptvorzug scheint in der leichten
Zugänglichkeit für Segelschiffe zu bestehen. Außerdem würde noch für die
Carlos-Bai hervorzuheben sein, dafs hier Berglehnen bis zum Wasser herab-
gehen und die ganze Bucht offener und Iluftiger ist als die von sabel.
Die klimatischen und Gesundheitsverhältnisse von Fernando Po
sind analog denjenigen der benachbarten Küstenstriche. Eine Tabelle über die
beobachteten Mitteltemperaturen der einzelnen Monate findet sich im „South
Atlantic Directory“ von Findlay, 1883, S. 681. Die Angaben des angeführten
Werkes, speciell über Clarence, Seite 683—686, haben sich als durchaus zuver-
lässig erwiesen. Spanische Berichte geben diese Tabelle ebenfalls mit dem
Zusatz, dafs mehrjährige neuere Beobachtungen dieselbe .bestätigt hätten. Es
scheinen daher keine besseren Daten vorhanden zu sein. S, M. Kr. „Möwe“
befand sich gerade in der kühlsten Jahreszeit hier, und das Klima war ein sehr
angenehmes. Regen fiel reichlich, aber anscheinend weniger, als am Kamerun-
Gebirge; der Pik von Fernando Po war Anfang September fast täglich gegen
Abend frei von Wolken, während der Kamerun-Berg nahezu beständig von
Wolken umlagert ist. Dies ist auch für die Ansegelung der Insel von be-
sonderem Werth. Fieber scheint nicht seltener zu sein als an anderen Theilen
der westafrikanischen Küste. Das hier stationirte spanische Kanonenboot
„Ligera“ mit 80 bis 100 Mann Besatzung (nach zwei verschiedenen Angaben),
seit vier Monaten in Dienst, hatte in dieser Zeit 40 bis 50 Fieberfälle, davon
zur Zeit acht in Behandlung. An Bord der „Möwe“ kam hier kein neuer
Erkrankungsfall vor. Die spanische Besatzung verkehrte viel an Land, während
diesseits Beurlaubungen nicht stattfanden.
Nach den eingezogenen Erkundigungen sind die Gesundheitsverhältnisse
auf der ganzen Insel nicht besser und nicht schlechter als in Westafrika über-
haupt, d. h. kein Europäer bleibt dauernd vom Fieber verschont, aber die
Mehrzahl überwindet es leicht. Auch die englischen Missionäre auf einer
460 m hoch gelegenen Station gaben an, dort Fieber zu haben, jedoch läfst
sich kein Schlufs ziehen, ob das Fieber in jenen höheren Bergregionen selbst
wirklich acquirirt ist.
Wasser ist in der Zsabel-Bai selbst in vorzüglicher Qualität und sehr
leicht zu haben. In der südwestlichen Ecke der Bai hat das hohe Land einen
Einschnitt, dort sprudelt reichlich Wasser hervor, so dafs man in einiger Höhe
einen Schlauch einlegen und das Wasser in die Boote leiten konnte, während
der Platz weiter unten zum Waschen benutzt wurde. Auch bei den anderen
Ankerplätzen sind reichlich Wasserläufe zur Verfügung, welche in der trockenen
Jahreszeit nicht versiegen sollen. An frischem Proviant ist die Zufuhr zwar
gering, aber immer noch reichlicher wie in Kamerun und den übrigen von der
„Möwe“ besuchten Küstenpunkten. Fleisch für die Schiffsverpflegung war nicht
zu erlangen, in der Carlos-Bai waren zwar reichlich Ziegen vorhanden, aber
der nach hiesigen Begriffen billige Preis überstieg doch namhaft den nach dem
Schiffsverpflegungs - Reglement gestatteten Maximalsatz. Yams sind gut und