Neuere Forschungen über Westindische Orkane.
fällt. Dieser Fall bietet kaum eine Gefahr oder Schwierigkeit des Manövers,
so lange sich das Schiff weit von der Küste befindet. cn
Die Schiffe, welche von Süd-Amerika nach dem Hafen von Havana im
August und September segeln, machen am besten ihre Reise im Süden der Insel
herum, indem sie in das Antillen-Meer in der Nähe der Insel TZrinidad hinein-
segeln, und suchen hierauf Länge gut zu machen, ohne viel nördlicher zu gehen,
bis sie ungefähr im Meridian vom Kap San Antonio sind; in diesem Falle
haben sie, wenn beim Durchkreuzen des Antillen-Meeres sich Anzeichen für
einen Orkan im Osten zeigen, sofort südlicher zu gehen, soweit dieses möglich
ist. Vom Ende des Septembers bis Anfang November ist im Gegentheil die
Schiffahrt durchs Antillen-Meer sehr gefährlich, besonders beim Umschiffen des
Kaps San Antonio, während die Reise im Norden der Insel weniger Gefahr
darbietet, als in den vorhergehenden Monaten. . Die Schiffahrt hat sich jetzt
so weit als möglich östlich von den Kleinen Antillen und im Norden von
Porto Rico zu halten, indem man Sorge trägt, zunächst Breite zu gewinnen und
bis zum Parallel von 20° hinaufzugehen, zwischen den Meridianen von 46° bis
56° West von Greenwich.
In Anbetracht des allgemeinen Ganges der Orkane im Oktober haben die
Dampfer, welche in diesem Monat nach Spanien gehen, eine viel weniger ge-
fährliche Fahrt über Porto Rico, als nach Norden hinaus (?).
Diejenigen, welche im Oktober vom Kap San Antonio nach Havana
fahren,. thun gut, wenn sie in der Nähe des Kaps sind, bei Anzeichen eines
Orkans — starkem Nordostwind, tiefem Barometerstand, schlechtem Aussehen
der Luft u. s. w. — nach Yucatan hinüberzulaufen und hier das Wetter ab-
zuwarten, oder weiter nach Westen abzubiegen, wenn die Sachlage os verlangt,
und wenn der Sturm vorüber ist, ihre Reise mit den günstigen Winden der
Rückseite fortzusetzen. Wenn das Fahrzeug bei den ersten Anzeichen des
Orkans sich zwischen dem Kap San Antonio und Havana befindet, so mufs das
erste Bestreben sein, sich von der Küste zu entfernen und von den Strömungen
zu befreien; hat man dieses erreicht und liegt das Sturmcentrum im Südosten,
— wie es das Wahrscheinlichste ist — so muß man mit dem starken Nordost-
wind nach Westsüdwest laufen, und in dem Mafse, als der Sturm nach dem
Nordosten übergeht, mit den Winden der Rückseite seinen Kurs wieder auf-
nehmen. Wenn, nachdem man sich von der Küste entfernt .hat, das Wirbel-
sentrum im Südwesten zu liegen scheint, möge man einige Zeit beigedreht liegen
zur Beobachtung, und wenn dasselbe unverändert in derselben Richtung ver-
bleibt oder sich gegen Südosten verschiebt, halte man sofort ab und lenze mit
dem Winde von St-B. ein; wenn man aber sieht, dafs dasselbe gegen West sich
verschiebt und der Wind sich nach rechts dreht, so suche man bei dem Winde
auf St-B.-Halsen nach Osten zu entkommen. Wie man sieht, ist hier die Lage
unter allen Umständen sehr gefährlich, und deshalb ist diese Fahrt überhaupt
im Monat Oktober soweit als möglich zu vermeiden.“
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