Neuere Forschungen über Westindische Orkane.
wendung kommen, wenn er schon in das Gebiet der starken oder stürmischen
Winde hineingerathen ist und es häufig schon zu spät ist.
Der cirröse Schleier, von dem wir schon als vor den Federwolken (be-
sonders in grofsen Cyklonen) erscheinend gesprochen haben, bleibt auch während
deren Existenz fortbestehen, ja derselbe ist auch in Lücken der Rogenwolken
näher zum Orkancentrum und sogar in diesem ‚selbst ‚stets zu sehen. Die Höfe
um die Sonne, den Mond und selbst die Sterne erster Größe, welche er erzeugt,
nehmen bei seiner allmählichen Verdichtung zuerst an Intensität zu, um bei
weiterem Wachsthum seiner Dicke zu verschwinden: doch bleibt der Ort der
Sonne stets erkennbar, Das Auftreten von Höfen nach klarem Wetter
ist vom Seemanne sehr zu beachten als Zeichen der nahen Nachbarschaft
schlechten Weiters, ;
Mit dem Eintritt dieser Trübung ändert sich auch im Uebrigen der
Charakter der Witterung sehr wesentlich. Es tritt, bei sinkendem' Barometer,
eine feuchtschwüle Luft ein, welche im schroffen Gegensatze steht zum erfrischen-
den Wetter der vorhergehenden Anticyklone; der Schweiß verdunstet ‚nicht,
sondern wird zur Plage, und eine allgemeine Ermattung bemächtigt sich des
Körpers; auf den Antillen ist diese Phase Allen gut bekannt, und sind die
Klagen über das äufserst drückende Wetter alsdann allgemein.
Das Gebiet des Orkans selbst ist von ferne erkennbar als Wolkenwand,
die zuerst, auf dem Meere gesehen, täuschend einer fernen Küste ähnlich sieht,
dann mehr und mehr sich über den Horizont erhebt, ohne sich von ihm zu
trennen, und dabei auch im Orkan selbst, nachdem die Regenwolken den ganzen
Himmel bedeckt haben, nach der Richtung, wo das Centrum liegt, am schwärzesten
bleibt, bis beim Eintritt der centralen Windstille der Himmel im Zenit theil-
weise aufklart und ein Ring dicker Wolken den Beobachter umgiebt. Ein
aufmerksamer Beobachter vermag unter günstigen Umständen die Wolkenbank
eines nahe vorbeiziehenden Orkans längere Zeit hindurch zu. beobachten, wie
z. B. der Beobachter von Zrinidad auf Cuba die Wolkenmasse des Orkans vom
Oktober 1876 durch fünf Tage (vom 15. bis 20.) verfolgen konnte, wie sich
dieselbe von S durch W nach N verschob, während der gegenüberliegende
Theil des Himmels im Anfang und zum Schlufs theilweise heiter, am 16. zum
18. aber von einer minder schweren Wolkendecke bedeckt war.
Während die Wolkenbank sich ‚höher schiebt, löst sich ihr bis dahin
scheinbar kompakter Rand in einzelne Regenwolken, welche, indem dieselben
rasch durch den Zenit eilen, Sprühregen, Regenschauer und Böen bringen, deren
Stärke mehr und mehr zunimmt, während auch in den Zwischenzeiten der Wind
auffrischt. Der Regen ist zwar eins der allgemeinsten Phänomene bei den
Orkanen, doch tritt er in verschiedenen Formen auf, im äufseren Theile oft für
ganze Stunden nur in Form eines feinen und dichten Nebelregens (span. garüa)
mit seltenen Schauern darin, dann in häufigen Schauern mit Böen von zu-
nehmender Stärke, mit immer finstereren und tiefer hängenden Wolken, endlich
in der Nähe des Centrums fallen aus tief herabreichenden Wolken Regenströme
wie in zusammenhängenden Massen, welche auf dem Lande, namentlich wenn
der Orkan langsam fortschreitet, Ueberschwemmungen erzeugen. Das Regen-
gebiet erstreckt sich auf der Vorderseite weiter vom Centrum als auf der
Rückseite.
Die stürmischen Winde im Orkan haben stets einen böigen Charakter.
In den Böen zeigt sowohl das Barometer, als die Windfahne rasche Schwankungen,
leiztere zuweilen ganze Umdrehungen, gewöhnlich aber nur ein Ausschiefsen
nach rechts um mehrere Striche. Die Böen sind aufs engste mit den Regen-
schauern verknüpft; die Richtung der regnenden Wolke kann häufig als ab-
weichend von der Richtung des Unterwindes vor und nach der Böe beobachtet
werden und weicht von dieser dann nach rechts ab, also in demselben Sinne,
wie die Richtung des Windes in den Böen; der Zug der Regenwolke und die
Richtung des begleitenden Windstofses stehen beide beinahe senkrecht zum
Gradienten, während der Unterwind zwischen den Böen durchschnittlich nur
etwa einen halben rechten Winkel mit der. Richtung des Gradienten resp. dem
Radius des Wirbels bildet. Dafs die Richtung der Böen in diesem Sinne von
der herrschenden unteren Strömung abweicht, davon möge als Beispiel der
Umstand aufgeführt werden, dals eine Windfahne vom Observatorium zu Havana
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