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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Neuere Forschungen über Westindische Orkane. 
wendung kommen, wenn er schon in das Gebiet der starken oder stürmischen 
Winde hineingerathen ist und es häufig schon zu spät ist. 
Der cirröse Schleier, von dem wir schon als vor den Federwolken (be- 
sonders in grofsen Cyklonen) erscheinend gesprochen haben, bleibt auch während 
deren Existenz fortbestehen, ja derselbe ist auch in Lücken der Rogenwolken 
näher zum Orkancentrum und sogar in diesem ‚selbst ‚stets zu sehen. Die Höfe 
um die Sonne, den Mond und selbst die Sterne erster Größe, welche er erzeugt, 
nehmen bei seiner allmählichen Verdichtung zuerst an Intensität zu, um bei 
weiterem Wachsthum seiner Dicke zu verschwinden: doch bleibt der Ort der 
Sonne stets erkennbar, Das Auftreten von Höfen nach klarem Wetter 
ist vom Seemanne sehr zu beachten als Zeichen der nahen Nachbarschaft 
schlechten Weiters, ; 
Mit dem Eintritt dieser Trübung ändert sich auch im Uebrigen der 
Charakter der Witterung sehr wesentlich. Es tritt, bei sinkendem' Barometer, 
eine feuchtschwüle Luft ein, welche im schroffen Gegensatze steht zum erfrischen- 
den Wetter der vorhergehenden Anticyklone; der Schweiß verdunstet ‚nicht, 
sondern wird zur Plage, und eine allgemeine Ermattung bemächtigt sich des 
Körpers; auf den Antillen ist diese Phase Allen gut bekannt, und sind die 
Klagen über das äufserst drückende Wetter alsdann allgemein. 
Das Gebiet des Orkans selbst ist von ferne erkennbar als Wolkenwand, 
die zuerst, auf dem Meere gesehen, täuschend einer fernen Küste ähnlich sieht, 
dann mehr und mehr sich über den Horizont erhebt, ohne sich von ihm zu 
trennen, und dabei auch im Orkan selbst, nachdem die Regenwolken den ganzen 
Himmel bedeckt haben, nach der Richtung, wo das Centrum liegt, am schwärzesten 
bleibt, bis beim Eintritt der centralen Windstille der Himmel im Zenit theil- 
weise aufklart und ein Ring dicker Wolken den Beobachter umgiebt. Ein 
aufmerksamer Beobachter vermag unter günstigen Umständen die Wolkenbank 
eines nahe vorbeiziehenden Orkans längere Zeit hindurch zu. beobachten, wie 
z. B. der Beobachter von Zrinidad auf Cuba die Wolkenmasse des Orkans vom 
Oktober 1876 durch fünf Tage (vom 15. bis 20.) verfolgen konnte, wie sich 
dieselbe von S durch W nach N verschob, während der gegenüberliegende 
Theil des Himmels im Anfang und zum Schlufs theilweise heiter, am 16. zum 
18. aber von einer minder schweren Wolkendecke bedeckt war. 
Während die Wolkenbank sich ‚höher schiebt, löst sich ihr bis dahin 
scheinbar kompakter Rand in einzelne Regenwolken, welche, indem dieselben 
rasch durch den Zenit eilen, Sprühregen, Regenschauer und Böen bringen, deren 
Stärke mehr und mehr zunimmt, während auch in den Zwischenzeiten der Wind 
auffrischt. Der Regen ist zwar eins der allgemeinsten Phänomene bei den 
Orkanen, doch tritt er in verschiedenen Formen auf, im äufseren Theile oft für 
ganze Stunden nur in Form eines feinen und dichten Nebelregens (span. garüa) 
mit seltenen Schauern darin, dann in häufigen Schauern mit Böen von zu- 
nehmender Stärke, mit immer finstereren und tiefer hängenden Wolken, endlich 
in der Nähe des Centrums fallen aus tief herabreichenden Wolken Regenströme 
wie in zusammenhängenden Massen, welche auf dem Lande, namentlich wenn 
der Orkan langsam fortschreitet, Ueberschwemmungen erzeugen. Das Regen- 
gebiet erstreckt sich auf der Vorderseite weiter vom Centrum als auf der 
Rückseite. 
Die stürmischen Winde im Orkan haben stets einen böigen Charakter. 
In den Böen zeigt sowohl das Barometer, als die Windfahne rasche Schwankungen, 
leiztere zuweilen ganze Umdrehungen, gewöhnlich aber nur ein Ausschiefsen 
nach rechts um mehrere Striche. Die Böen sind aufs engste mit den Regen- 
schauern verknüpft; die Richtung der regnenden Wolke kann häufig als ab- 
weichend von der Richtung des Unterwindes vor und nach der Böe beobachtet 
werden und weicht von dieser dann nach rechts ab, also in demselben Sinne, 
wie die Richtung des Windes in den Böen; der Zug der Regenwolke und die 
Richtung des begleitenden Windstofses stehen beide beinahe senkrecht zum 
Gradienten, während der Unterwind zwischen den Böen durchschnittlich nur 
etwa einen halben rechten Winkel mit der. Richtung des Gradienten resp. dem 
Radius des Wirbels bildet. Dafs die Richtung der Böen in diesem Sinne von 
der herrschenden unteren Strömung abweicht, davon möge als Beispiel der 
Umstand aufgeführt werden, dals eine Windfahne vom Observatorium zu Havana 
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