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Ellice-, Gilbert-, Marshall- und Carolinen-Inseln.
unbekannt. Der NE-Passat weht ziemlich frisch und stetig von Anfang Oktober
bis Ende Mai. Der SW-Monsun herrscht während der Monate Juni, Juli und
August vor, wird aber häufßg durch östliche Winde von kurzer Dauer unter-
brochen, Das Klima ist auflserordentlich angenehm. Wenn auch Orkane nicht
vorkommen, so treten doch gegen Ende des SW-Monsuns, im August und Sep-
tember, sehr heftige SW-Winde auf.
6. Palao- (Pelew- oder Palau-) In.!) Korror-Hafen. Wenn ein
Schiff die Channel-Spitze und das Riff nordöstlich desselben passirt, halte os
sich an der östlichen Seite des Kanals, weil es hier das tiefste Wasser findet
and das Riff steil abfällt, Bei halber Fluth war die niedrigste gefundene
Wassertiefe 9,5m. Die 4 Kblg NOzN von Channel-Spitze gelegene Untiefe
kann bei Springzeit-Niedrigwasser nicht über 5,5m Wasser haben. Gezeiten.
In dem engen Theil des Kanals, SO von Channel-Spitze, setzen die Gezeiten-
strömungen direkt durch denselben und erreichen aufserhalb desselben eine
beträchtliche Stärke. Die Ebbe lief 5 Tage nach Neumond, 3 Sm die Stunde;
nordöstlich von Channel-Spitze setzen die Strömungen quer über den Kanal.
Passage von Korror nach Molegojok. Die „Kspiegle“ passirte innerhalb
des Riffs nördlich von Korror-J. und ankerte den Dörfern Ackashar und Molegojok
gegenüber, welche ungefähr 15 Sm von dem Einfahrtskanal im Korror-Hafen
entfernt sind. Molegojok ist leicht an einer langen Steinmole zu erkennen, die
beinahe bis zum Riffrande reicht. Ackashar?®?) liegt ca 1'/a Sm südlich von
Molegojok. Die Riffe sind sehr unvollkommen bekannt und machen mit den
zahlreichen, theilweise sehr kleinen Korallenbänken innerhalb derselben die Navi-
girung stellenweise sehr schwierig und einen scharfen Ausguck absolut noth-
wendig. Bei Ackashar ist eine schmale und schwierige Passage durch das Riff.
Die auf 7° 29‘ N-Br, östlich von Baobeltaob-I., auf dem Riff verzeichnete Insel
existirt nicht. Eil Malk. Das östlich von dieser Insel liegende Riff erstreckt
sich beinahe 2 Sm östlicher, als auf der Karte angegeben; sein äufserster Aus-
Jäufer liegt SzO von Uruktapel Bluff. An Proviant lefern die Inseln Yams,
Schweine und Ziegen.
Neuere Forschungen über Westindische Orkane.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Durch mehrere kleinere Aufsätze in den früheren Jahrgängen der Annalen
(insbesondere 1877 und 1878) sind die Leser in Keuntnifs gehalten von den
wenigen Beiträgen, welche zur Erforschung der westindischen Orkane in neuerer
Zeit geliefert worden sind und die gröfstentheils aus den Vereinigten Staaten
von Nord-Amerika hervorgingen; im Jahre 1877 ist indessen in Havana ein
Werk vom Jesuitenpater B. Vines über diese Orkane überhaupt und jene der
Jahre 1875 und 186 insbesondere erschienen, welches Werk in Europa fast
ganz unbekannt geblieben und wichtig genug ist, um eine Wiedergabe seines
Hauptinhaltes in dieser, den Interessen des Seewesens gewidmeten Zeitschrift
zu verdienen.) Wir wollen dabei außer dem allgemein meteorologisch Inter-
essanten auch die Schlufsfolgerungen mittheilen, welche der Verfasser für die
praktische Navigation daraus ziehen zu können glaubt, ohne dafs die Seewarte
dieselben in allen Punkten zu vertreten bereit wäre.
Die Untersuchung der tropischen und ganz besonders der westindischen
Orkane hat in den Jahren 1828 bis 1860 die bedeutendsten Meteorologen be-
schäftigt und den Grund gelegt zu unseren jetzigen Anschauungen über die
Natur der Stürme und sogar der Luftbewegungen überhaupt. Nachdem dieselbe
1) Findlay’s „North Pacitice Ocean Directory“, 1870 S, 770; Rosser-Imray’s „North
Pacific Pilot“, Part II, 1870 S. 175.
2) Viele dieser Namen sind auf der Br. Adm.-Karte nicht angegeben,
3) P. Benito Vines S, J.: Apuntes relativosa los huracanes de los Antillas en -setiembre
vy octubre de 1875 y 1876.