Reisebericht der deutschen Bark „Karl“,
907
Bei ganz leichten westlichen Winden, unterbrochen von Windstillen,
jedoch fortwährend von einer günstigen nach O bis NO setzenden Strömung
begleitet, wurde die Sunda-See durchsegelt und am 30. November die Südküste
von Celebes gesichtet. Am Abend desselben Tages passirten wir bei lebhaftem
Westwinde und starker Ostströmung die Salayer-Strafse. Auch fernerhin wurde
die Fahrt von günstigen östlichen Strömungen gefördert, und am 2. und 3. De-
zember segelten wir durch die Boeton-Passage. .
In der. Molukken-See wurden auch nur ganz leichte Westwinde, von
häufigen Böen aus NW unterbrochen, angetroffen, die uns am 6. Dezember in
Sicht der Insel Boero brachten. Diese Westwinde, von einer mehr oder weniger
starken Ostströmung unterstützt, führten das Schiff durch die Pitts- und die
Djilolo- Passage in 129° O-Lg zur Linie. u ;
Eine Reihe von Lothungen, die wir in der Molukken-See angestellt haben,
und deren Bekanntwerden gewifs einigen Werth haben wird, lasse ich hier
folgen:
No.
der S-Br |
othg.!
i y 9 45
a | 40.29
a | 214
° 58
o 45’
| > 32‘
> 29’
>12
SR
10 | 20 5
1 17
O-Lg
123° 40°
123° 48
123° 58’
124° 10°
124° 18’
124° 34
124° 51’
195° 10°
125° 22
125° 36°
125° 48'
"Tiefe in
m | Fad.
162 ; 90
198 | 110 ©
144 80 |
99 1 #5.
108 E0
108 MM
195 5
2 26)
26 ] 120
159 | 105
162 90
Beschaffenheit des Bodens
Grobe Steine und Sand
Grobe Steine, Sand und Mudd
Grobe Steine und Sand
Steine und Sand
Steine und Sand
Steine und Sand
Steine und Sand
Steine und Sand
Grobe Steine und Sand
Grobe Steine und Sand
Grobe Steine und Sand
Die vorstehenden Lothungen sind zuverlässig, weil das Schiff bei der
Anstellung derselben seinen Ort wenig veränderte. Spätere Versuche in der
Pitts-Passage waren ohne Resultate, weil mit 360m (200 Fad.) Leine der
Meeresgrund nicht erreicht wurde.
NM. Ankerplatz bei der Insel Kikik. Djilolo-Passage.
Am Abend des 9. Dezember geriethen wir 10 Sm WzS von der Insel
Kikik in Windstille, während der Strom mit einer Geschwindigkeit von 2—3 Kn
in der Stunde nach ONO setzte und das Schiff schnell auf die genannte Insel
zu trieb. Die Nacht war ziemlich sichtig. Um Mitternacht standen wir nur
noch 3 Sm von der Insel entfernt, welche jetzt SOzO peilte. Es wurde fort-
während gelothet, jedoch mit 162m (90 Pa} Leine kein Grund erreicht. Von
hier schien der Strom mehr längs der Küste von Kikik-Insel recht auf Toppers-
hoedye zu setzen, welche Insel deutlich zu sehen war. Um 1'/a* a.m. den
10. Dezember, als die Insel Kıkik 3—4 Sm entfernt SWzS peilte, wurde eine
Tiefe von 52,2m (29 Fad.) gelothet, kurz darauf 45m (25 Fad.). Diese Tiefe
behielten wir bis gegen 3'/a* a. m., zu welcher Zeit Toppers-hoedye, 2,5 Sm
entfernt, NO peilte und eine lebhafte SW-Briese durchkam, die uns bald aus
der Nähe der Inseln brachte und schon um 8* a. m. Libobo Point passiren liels.
Mit der durchgekommenen Briese war gleichzeitig der ENE-Strom verschwunden
und ein 3 Sm nach Nord setzender an seine Stelle getreten. .
Aus meinen angeführten Beobachtungen geht also hervor, dafs sich eine
Bank von der Insel Kikık nach Toppers-hoedye hinüber erstreckt, welche viel-
leicht noch weiter bis zu der Insel Pisang reicht. Die bei den verschiedenen
Lothungen zu Tage geförderten Grundproben waren grober schwarzer Sand
und Schlick. In einer Entfernung von $ Sm Ost von der Südspitze der Insel
Ga0y, wo auf meiner Karte ebenfalls kein Grund angegeben ist, lag eine nor-
wegische Bark vor Anker, die uns durch Signale mittheilte, dafs dio Wasser-
tiefe 36m (20 Fad.) betrage. Kaum 1 Sm östlich von der Bark fanden wir
mit unserer Leine keinen Grund.