Reisebericht der deutschen Bark „Karl“.
steil abfällt, zeigte nach dem Aräometer bei 28° C, 1,0160 Salzgehalt, Nach
dem Mittagsbesteck ergiebt sich die Position des Schiffes in der Bucht zu
6° 36‘ S-Br und 147° 531‘ O-Lg.‘ Diese Bucht wurde Langemak-Bucht ge-
nannt. Nach dem Verlassen derselben wurde noch dicht unter Land laufend
Kap Cretin angesteuert uud dessen Beschreibung in Findlay’s „South Pacific
Directory“, pag. 824, ziemlich mit der Wirklichkeit. übereinstimmend gefunden;
es liegen aber nicht drei, sondern sechs Inseln dicht unter der Küste,
205
Aus dem Reisebericht des Kapt. E. Kraeft, Führer der
deutschen Bark „Karl“.
(Mittheilung. von der Deutschen Seewarte,) 7
I. Reise von 80° 0-Lg im Indischen Ocean durch die Allas-Strafse
zur Djilolo-Passage. _
_ Während einer Reise von Antwerpen nach Tientsin trafen wir auf dem
Wege: zum SE-Passat im Indischen Ocean ziemlich günstige NW- und SW-Winde
an. Die polare Grenze des SE-Passats wurde am 9. November 1882 in ungefähr
29,4° S-Br und 109,5° O-Lg angetroffen, nachdem. wir. noch am Tage vorher
einen NW-Sturm, von heftigen Böen begleitet, gehabt hatten. Um 4" p. m. des
letztgenannten Tages. schofs der Wind in einer Böe (Stärke 10—11) aus auf
SW und wehte aus ‚dieser Richtung mit der. Stärke 8—9 bis 8 Uhr Morgens,
worauf er bei steigendem Barometer abflaute und langsam südlich drehte. ‘ Der
niedrigste Luftdruck während dieses Sturmes von 753,0mm (red.) wurde am 8. No-
vember um 6* a, m, beobachtet, worauf, nachdem der Wind am folgenden Tage
die Drehung bis. SE fortgesetzt hatte, der höchste Luftdruck gleich 769,8 mm (red.)
beobachtet wurde. Kräftiger Passat führte darauf .die Bark bis 22° S-Br in
111,5° O-Lg, wo derselbe: abflaute und mich glauben machte, dafs seine
äquatoriale: Grenze bereits erreicht .sei. Allein der Passat, mitunter etwas
östlich laufend, hielt sich‘ noch längere Zeit und führte uns am 19, November
in Sicht der Insel Sumbava, . .
Es war meine Absicht, durch die Ombay- Passage zu segeln, allein da wir
in den letzten 24 Stunden einen starken Weststrom beobachtet hatten und der
Wind zur Zeit leicht aus östlicher Richtung wehte, so entschlofs ich mich, um
keine Zeit mit unnöthigem Kreuzen zu verlieren, eine der westlicheren Durch-
fahrten zu nehmen. Die Sapy-Strafse war ebenfalls nicht mehr zu -beholen, und
da in der Segelanweisung von Findlay die Allas-Stra/fse den anderen vorgezogen
wird, entschied. ich mich für letztere. Am 19. und 20. November segelten wir
Jängs der Südküste, der Insel Sumbava in einem Abstande von 15—20 Sm nach
Westen.” Während der Nacht war das Wetter schön, nur- blitzte es fortwährend
am ganzen Horizont, besonders. im SW. * Die Westströmung trat sehr ungleich-
mäfsig in ihrer Stärke auf .und schwankte zwischen 2,5 und 5 Sm die Stunde.
In 2—3 Sm Abstand südwestlich vom. Tafelberg gerieth .das Schiff in. sehr
starke Stromkabbelung, so dafs es mit 5. Kn: Fahrt nicht zu steuern war, Am
Abend des 20. November aukerte „Karl“ um 8 Uhr auf der Rhede von Peeyow
in 31m (17 Fad.) Tiefe über weichem Muddgrund. Die geographische Lage
des Ankerplatzes war 8° 43‘ S-Br und 116° 35,5‘ O-Lg. Die Reisedauer vom
Kanal ab betrug 113 Tage, und auf dem östlich von 80° O-Lg. liegenden Reise-
abschnitt wurde 40° S-Br in 87,2° O-Lg am 1. November, 30° S-Br in 108,8° 0-Lg
am 9. November, 20° S-Br in 112,6° O.Lg am 13. November und 10° S-Br in
118,2° O-Lg am 18. November geschnitten, We .
Am 21. November machten wir den Versuch, Trinkwasser von dem etwa
3 Sm nördlich von unserm Ankerplatz mündenden Flüfschen zu holen, eine
Arbeit, die nur bei halber Fluth ausführbar ist. Läugs der Küste zieht sich
in einem Abstande von: 1—2 Kabllg. ein Korallenriff hin, ‚auf welchem'auch bei
sonst ruhigem Wasser eine Brandung steht. Das Boot müfste daher aufserhalb