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Reisen S, M.S, „Elisabeth“ und S. M. Knbt. „Hyäne“,
nur 8m gelothet wurden und viele grofse Korallenhaufen, die von Deck gut
gesehen wurden, liegen. Es mufßs daher diese von S. M. S. „Elisabeth“ ein-
geschlagene Route so lange für Schiffe mit 5m Tiefgang und mehr als ganz
ungeeignet bezeichnet werden, als nicht die vorher genannten 5m-Stellen, sowie
die Ecken der Riffe zwischen G{obig-Insel und Lisseno durch Seezeichen kennt-
lich gemacht sind.
Der letzte Theil des Fahrwassers ist tief, nur darf man nicht zu dicht
an die NW-Spitze von Siegel-Insel (Nausen) herangehen, weil auch hier Riffe
weit hinausreichen.
S. M.S. „Elisabeth“ ankerte, ohne Lotsen erhalten zu haben, zwischen
der Insel Nago und der Küste von Neu-Irland an einem sehr guten, geschützten
und hinreichend geräumigen Platze. Weiter nach ANusa hinauf zu gehen,
empfiehlt sich für grofse Schiffe nicht; Kanonenboote liegen der Station gegen-
über, dicht bei der Küste von Neu-Irland, ziemlich gut, doch ist das Landen
bei der Station mit gröfseren Schiffsbooten meistens nicht möglich, weil die
dortigen Riffe bei Niedrigwasser gröfstentheils trocken fallen.
Das Land in. der Umgebung des Ankerplatzes S.M.S. „Elisabeth“ ist
durchweg nur einige Meter über Wasser, meistens fast eben, dabei üppig be-
waldet und sehr fruchtbar. ANwsa ist bewohnt, und an der Küste von Neu-
Irland, den Inseln gegenüber, liegen überall Dörfer und Hütten; Nago dagegen
ist nicht bewohnt, wurde von den Eingeborenen nur in Kanoes besucht, um
Nahrungsmittel von dort zu holen; es hat dabei für Boote den besten Anlege-
platz, gebildet durch hellen Sandstrand, an dessen südlichem Theile gar keine
Riffe liegen. Diese Stelle ist geeignet zum Baden für die Mannschaft. Der
Sand ist zum Scheuern gut zu gebrauchen. Sonst ist es beinahe überall schwer,
mit Schiffsbooten zu landen, nur der Durchfahrt zwischen Nusa und Nusale
gegenüber, an der Küste von Neu-Irland kann man an mehreren Stellen dicht
herankommen, Die Eingeborenen kommen sehr zahlreich an Bord zum Tausch-
handel, sie sind sonst wenig friedliebend und streiten viel unter einander; viele
bei ihnen vorgefundene Menschenschädel bewiesen, dafs sie noch immer ge-
fangene Feinde und Verbrecher verzehren; am Lande waren sie recht zudring-
lich, und kann man deshalb leicht mit ihnen in Streit gerathen.
Der Aufenthalt S. M.S. „Elisabeth“ auf diesem Ankerplatze dauerte bis
zum 14. November; es wurde inzwischen der Hafen und die nach NW in See
führenden Durchfahrten genau ausgelothet, die Ecken und Inseln in der Nähe
durch Winkelmessungen festgelegt; hiernach ist unter Benutzung der älteren
Karte die Skizze auf Tafel 6 hergestellt worden.
Das Wetter war gröfstentheils schön, ab und zu, besonders Nachts, traten
heftige Regengüsse ein. Abends wurde stets, wie überall in hiesiger Gegend,
starkes Wetterleuchten beobachtet; der Wind war leicht, variirte zwischen SE,
NE und NW.
In See stand nordwestliche Dünung, die von Tag zu Tag zunahm und
auf baldiges Einsetzen des NW-Monsuns schließen lief. Das Barometer zeigte
762mm bis 759mm, das Thermometer 30,5° bis 26° C. Der Unterschied zwischen
Hoch- und Niedrigwasser beträgt ungefähr 1m, regelmäfsiger Fluth- und Ebbe-
atrom wurde nicht angetroffen. Der Strom setzte bald nördlich, bald südlich,
war aber sehr schwach, so dafs das Schiff nur bei ganz leichter Briese nicht
auf dem Winde lag.
Am 14. November ging S. M.S. „Elisabeth“ bei halber Fluth durch dio
auf der Karte „Kickstedt-Durchfahrt“ genannte Passage in See; obwohl das
Schiff gerade über dem Riff infolge der Dünung nicht unbedeutend stampfte
und der Grund von Deck deutlich zu sehen war, stiefßs es doch nirgends auf,
and wurde somit diese Durchfahrt praktisch erprobt; es wurde nicht unter 10m
gelothet, da die in der Karte angegebenen Peilungen genau eingehalten werden
konnten. Bei glatter See, also während der SE-Passat vorherrscht, vom Mai
bis Mitte November, ist daher diese Einfahrt für grofse Schiffe vollkommen
sicher und als Zugang zum Aukerplatz S. M.S. „Elisabeth“ allein zu empfehlen.
Während der übrigen Jahreszeit steht hier zu viel Dünung, und ist es dann für
Schiffe mit mehr als 5m Tiefgang überhaupt nicht rathsam, den Hafen zu be-
suchen. Die „Nissel-Durchfahrt“ hat Wasser genug, das Fahrwasser ist aber