accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gewitter- und Hagelbildung, 
195 
ihrer fortdauernden Rotation die Gestalt einer Kugel an, welche langsam nach 
unten hin sinkt, dabei an ihrer Oberfläche noch negative Elektricität sammelt 
und so mit einer sehr starken doppelten Ladung den Boden erreicht, Durch 
ihre dünne isolirende Schicht hindurch findet eine langsame Wiedervereinigung 
der beiden Fluida statt, welche ihr das Ansehen einer leuchtenden Kugel ver- 
leiht,, die dem Monde ähnlich sieht und damit öfters verglichen worden ist. 
Die geringste Aenderung ihrer innern Dichtigkeit bestimmt das Steigen oder 
Sinken derselben. Ein Zusammentreffen mit einem festen Körper veranlafst 
Funkenbildung. Leitende Körper beeinflussen sie nicht, weil ihre beiden ent- 
gegengesetzten Elektricitäten sich nahe das Gleichgewicht halten (sie scheint 
dem geringsten Luftzuge zu folgen). Da sich. auf der Oberfläche einer solchen 
Kugel Wassertheilchen in Dampfform befinden, die bei einer raschen Vereinigung 
der beiden Elektrieitäten plötzlich verdampfen, so tritt in einem solchen Falle 
eine heftige Detonation mit starken mechanischen Wirkungen ein. Ein sulcher 
Kugelblitz läfst sich am besten mit einer Leydener Flasche vergleichen. Kugel- 
blitze treten bei vollständigen Gewittern auf, aber man sieht sie sich auch von 
Tromben lostrennen, wenn es weder blitzt noch dunnert oder wenn das Gewitter 
vollständig aufgehört hat. Prof. Faye führt zum Beweise dessen mehrere 
interessante Beispiele an, auf die ich verweise. Ich beschränke mich hier nur 
auf ein typisches Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit.!). Die norwegische 
Bark „Loveid“ gerieth am 18. Oktober 1884 unter 39° 49’ N-Br und 69,5° W-Lg 
in eine merkwürdige Böe. Bei schönem klarem Wetter und leichter Briese aus 
NW erschienen plötzlich nach allen Richtungen sich bewegende Wolkenmassen 
von höchst drohendem Aussehen. Fast unmittelbar darauf befand sich das 
Schiff in einer heftigen Böe mit Regen, während der Wind in kurzer Zeit die 
ganze Windrose durchlief, Inmitten dieser atmosphärischen Störung, die ungefähr 
eine Stunde dauerte, wurde ein einzelner Donnerschlag gehört und gleichzeitig 
wurde die Voroberbramstänge vom Blitze getroffen, der den Mast entlang bis 
zur Fockraa lief und diese fast ganz zerstörte, Der Blitz, der einer Feuer- 
kugel ähnlich sah, bewegte sich dann über die Quersaling und platzte endlich 
mit einem lauten Krach, wobei die Funken über das Schiff stoben. Das Baro- 
meter war von 30,00 auf 28,60 Zoll engl., also um 35,6 mm, gefallen, stieg 
aber auch ebenso rasch, und das Wetter wurde unmittelbar darauf wieder schön, 
Dieses Beispiel ist sehr lehrreich, Wir haben hier eine entschiedene 
Wirbelbewegung vor uns; das starke Fallen des Barometers um 35,6mm inner- 
halb so kurzer Zeit und die rasche Drehung des Windes bei vorher und nachher 
heiterem und schönem Wetter läfst keine andere Erklärung zu. Dann sehen 
wir hinter einander Donner und Blitz resp. Kugelblitz auftreten, und dies weist 
auf den inneren Zusammenhang aller dieser Erscheinungen hin, 
Wilhelmshaven, Anfang Februar 1885. 
Plätze an der Westküste Afrika’s zwischen Loanda und dem: Congo. 
(Nach dem Bericht S. M. Kr. „Möwe“, Korv.-Kapt. Hoffmann.) 
1. Ambriz.?) Von Süden kommend, sieht man die weifßsen Häuser von 
Ambriz, sobald man sich querab von der kleinen Mazula-Bai befindet. Von 
Ambriz Head gewahrt man nichts, die Landzunge mit dem Leuchtthurm ist 
niedrig und grün. Von Norden dagegen ist: der steile weiße Abhang von 
Ambriz Head sehr charakteristisch, wie denn allgemein die Orte an dieser 
Küste von Nord leichter kenntlich sind als von Süd. Ambriz ist eine schlechte 
Rhede; je weiter man von der Küste abliegt, je besser, da die Dünung.in 
tieferem Wasser abnimmt; wegen des vorherrschenden Südstromes liegt man 
gewöhnlich quer zur Dünung. 
ı) Natore, Bd. 31, No. 788, 1884. 
%) „Africa Pilot“, Part II, 1884, S. 123, 
Ann. Ad. Hydr. etc, 1885. Haft IV.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.