Gewitter- und Hagelbildung,
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ihrer fortdauernden Rotation die Gestalt einer Kugel an, welche langsam nach
unten hin sinkt, dabei an ihrer Oberfläche noch negative Elektricität sammelt
und so mit einer sehr starken doppelten Ladung den Boden erreicht, Durch
ihre dünne isolirende Schicht hindurch findet eine langsame Wiedervereinigung
der beiden Fluida statt, welche ihr das Ansehen einer leuchtenden Kugel ver-
leiht,, die dem Monde ähnlich sieht und damit öfters verglichen worden ist.
Die geringste Aenderung ihrer innern Dichtigkeit bestimmt das Steigen oder
Sinken derselben. Ein Zusammentreffen mit einem festen Körper veranlafst
Funkenbildung. Leitende Körper beeinflussen sie nicht, weil ihre beiden ent-
gegengesetzten Elektricitäten sich nahe das Gleichgewicht halten (sie scheint
dem geringsten Luftzuge zu folgen). Da sich. auf der Oberfläche einer solchen
Kugel Wassertheilchen in Dampfform befinden, die bei einer raschen Vereinigung
der beiden Elektrieitäten plötzlich verdampfen, so tritt in einem solchen Falle
eine heftige Detonation mit starken mechanischen Wirkungen ein. Ein sulcher
Kugelblitz läfst sich am besten mit einer Leydener Flasche vergleichen. Kugel-
blitze treten bei vollständigen Gewittern auf, aber man sieht sie sich auch von
Tromben lostrennen, wenn es weder blitzt noch dunnert oder wenn das Gewitter
vollständig aufgehört hat. Prof. Faye führt zum Beweise dessen mehrere
interessante Beispiele an, auf die ich verweise. Ich beschränke mich hier nur
auf ein typisches Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit.!). Die norwegische
Bark „Loveid“ gerieth am 18. Oktober 1884 unter 39° 49’ N-Br und 69,5° W-Lg
in eine merkwürdige Böe. Bei schönem klarem Wetter und leichter Briese aus
NW erschienen plötzlich nach allen Richtungen sich bewegende Wolkenmassen
von höchst drohendem Aussehen. Fast unmittelbar darauf befand sich das
Schiff in einer heftigen Böe mit Regen, während der Wind in kurzer Zeit die
ganze Windrose durchlief, Inmitten dieser atmosphärischen Störung, die ungefähr
eine Stunde dauerte, wurde ein einzelner Donnerschlag gehört und gleichzeitig
wurde die Voroberbramstänge vom Blitze getroffen, der den Mast entlang bis
zur Fockraa lief und diese fast ganz zerstörte, Der Blitz, der einer Feuer-
kugel ähnlich sah, bewegte sich dann über die Quersaling und platzte endlich
mit einem lauten Krach, wobei die Funken über das Schiff stoben. Das Baro-
meter war von 30,00 auf 28,60 Zoll engl., also um 35,6 mm, gefallen, stieg
aber auch ebenso rasch, und das Wetter wurde unmittelbar darauf wieder schön,
Dieses Beispiel ist sehr lehrreich, Wir haben hier eine entschiedene
Wirbelbewegung vor uns; das starke Fallen des Barometers um 35,6mm inner-
halb so kurzer Zeit und die rasche Drehung des Windes bei vorher und nachher
heiterem und schönem Wetter läfst keine andere Erklärung zu. Dann sehen
wir hinter einander Donner und Blitz resp. Kugelblitz auftreten, und dies weist
auf den inneren Zusammenhang aller dieser Erscheinungen hin,
Wilhelmshaven, Anfang Februar 1885.
Plätze an der Westküste Afrika’s zwischen Loanda und dem: Congo.
(Nach dem Bericht S. M. Kr. „Möwe“, Korv.-Kapt. Hoffmann.)
1. Ambriz.?) Von Süden kommend, sieht man die weifßsen Häuser von
Ambriz, sobald man sich querab von der kleinen Mazula-Bai befindet. Von
Ambriz Head gewahrt man nichts, die Landzunge mit dem Leuchtthurm ist
niedrig und grün. Von Norden dagegen ist: der steile weiße Abhang von
Ambriz Head sehr charakteristisch, wie denn allgemein die Orte an dieser
Küste von Nord leichter kenntlich sind als von Süd. Ambriz ist eine schlechte
Rhede; je weiter man von der Küste abliegt, je besser, da die Dünung.in
tieferem Wasser abnimmt; wegen des vorherrschenden Südstromes liegt man
gewöhnlich quer zur Dünung.
ı) Natore, Bd. 31, No. 788, 1884.
%) „Africa Pilot“, Part II, 1884, S. 123,
Ann. Ad. Hydr. etc, 1885. Haft IV.