accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gewitter- und Hagelbildung. 
bewegung erforderlich, die übrigens Prof. Luvini auch durchaus nicht leugnet, 
im Gegentheil zur Erklärung heranzieht. 
Nur in einem Punkte kann ich Herrn Luvini nicht zustimmen. Er denkt 
sich den Kern eines Hagelkorns durch plötzliches Gefrieren eines Wasser- 
tropfens entstanden; der Kern besteht aber wohl ausnahmslos aus an einander 
gefrorenen Eisnadeln, die sich höchstwahrscheinlich durch die Wirbelbewegung 
mit einander vereinigt haben und die möglicherweise aus der Höhe stammen 
oder durch das Eindringen der kalten Luft der Höhe in die wasserdampfhaltige 
Schicht sich erst gebildet haben, Um diesen Kern schlagen sich infolge weiteren 
Herumwirbelns bedeutende Wassermengen nieder und das Gefrieren dieses Nieder- 
schlags wird sehr begünstigt einerseits dadurch, dafs das Hagelkorn durch seinen 
elektrischen Zustand und rasche Bewegung auf seiner Oberfläche eine starke Ab- 
kühlung erleidet, andererseits dadurch, dafs die mit ihm in Berührung kommenden 
Wassertröpfchen sich ebenfalls in dem Zustande elektrisch beschleunigter Ver- 
dampfung befinden, also dem Gefrierpunkte nahe sind und bei der Berührung 
sofort erstarren. In dieser Weise aufgefafst trägt, wie ich glaube, der Satz 
Luvini’s wesentlich zur Erklärung der Hagelbildung bei. Beide Momente 
aber, elektrisch beschleunigte Verdampfung und Wirbelbewegung zusammen 
lassen die Hauptschwierigkeit in der Bildungsweise des Hagels verschwinden. 
Die so häufig beobachtete starke Abplattung (man hat öfters vollkommen 
linsenförmige Scheiben gefunden) der Hagelkörner und ihre merkwürdige 
Schichtung erfordern unbedingt zu ihrer Erklärung eine kräftige Wirbelbewegung. 
Uebrigens hat schon Zöllner!) die durch KElektrisirung beschleunigte Ver- 
dampfung und die damit verbundene rasche Abkühlung als Ursache der Hagel- 
bildung aufgestellt, indem er an dem angeführten Orte sagt: „Es geht hieraus 
die Möglichkeit hervor, dafs in den höheren Regionen unserer Atmosphäre dieser 
Prozefs einer elektrisch hinreichend beschleunigten Verdampfung auch ein 
Gefrieren der Tropfen erzeugen kann. Auf diese Weise erkläre ich mir das 
Entstehen des Hagels bei Gewittern, zu dessen begleitenden Erscheinungen in 
der überwiegenden Mehrzahl der Fälle elektrische Phänomene gehören.“ Auch 
macht Zöllner bereits auf die durch das Spektrum bewiesene Anwesenheit 
einer beträchtlich größeren Anzahl von reflektirenden und absorbirenden Wasser- 
tröpfchen und die feinere Vertheilung derselben in den Gewitterwolken, gegen- 
über den gewöhnlichen Wolken, aufmerksam und schreibt diese feinere Ver- 
theilung dem elektrisch beschleunigten Verdampfungsprozefs zu. In Betreff des 
Grundgedankens darf also Zöllner die Priorität beanspruchen, * 
Zum Schlusse will ich noch einige Bemerkungen über Kugelblitze folgen 
lassen. Prof. Faye hat in seiner schon erwähnten Abhandlung?) eine Erklärung 
dieser bis jetzt noch vollständig räthselhaft gebliebenen Erscheinung gegeben, 
die mir sehr beachtenswerth erscheint, weil sie eben möglichst einfach ist. Die 
Tromben stellen ungeheure Konduktoren dar, die die Elektricität der Höhe 
nach der Tiefe führen. Deshalb mufs sich an der unteren Spitze der Wirbel 
eine beträchtliche Spannung zeigen, wie dies bei allen in eine Spitze endigenden 
Konduktoren der Fall ist. Rund um die Spitze der Trombe befinden sich nebel- 
artige Massen, im Centrum derselben wasserdampfhaltige Luft. In der zwischen- 
liegenden Schicht (die Wände des Wirbels) ist die Luft kalt, trocken und 
dichter als die feuchte Luft im Innern. Diese Annahme von Schichten ungleicher 
Dichtigkeit steht wenigstens mit der Wirkung der Centrifugalkraft nicht in 
Widerspruch. Die Wolkenhülle an der Spitze wird durch die untere Laftschicht 
negativ geladen, während im Innern .der Trombe, so lange dieselbe bestehen 
bleibt, auch die Kommunikation mit der positiven Elektriceität der höheren 
Schichten andauert. Die beiden entgegengesetzten Elektricitäten an der Spitze 
der Trombe können sich also dort stark anhäufen, und da eine langsame Wieder- 
vereinigung derselben durch die isolirende Luftschicht stattfinden mufs, so 
erscheint diese Spitze leuchtend. Da aber der Zuflufs der positiven Elektricität 
der Höhe andauert, so kann ihre Spannung in Verbindung mit der aulser- 
ordentlich raschen Drehung an der Spitze eine Lostrennung dieser äufsersten 
Spitze von der Trombe bewirken. Diese losgetrennte Masse nimmt infolge 
194 
1) Wissenschaftliche Abhandlungen, Bd, II, Seite 173. 
ZH Sur les orages et sur Ja formation de la gröle, Annuaire pour 1877
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.