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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gewitter- und Hagelbildung. 
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Reibung hervorzurufen, wie sie in der hydroelektrischen Maschine stattfindet. 
Ohne Wirbelbewegung würden die elektrischen. Erscheinungen bei Gewittern 
nicht intensiver sein, als überhaupt bei rascher Nebel-, Wolken- und Regen- 
bildung; man würde höchstens eine Art von Wetterleuchten wahrnehmen können, 
Dagegen bin ich mit Herrn Prof, Luvini auch der Ansicht, dafs die 
Cirruswolken sehr wohl auf den elektrischen Zustand der Luft einwirken können. 
Diese Ansicht wird sogar durch die jüngsten Beobachtungen am Kap Horn ‘*) 
durchaus bestätigt. Dort fand Herr Lephay, dafs cumuli einen positiven 
Einflufs ausüben und dafs sehr hoch gehende cirro-cumuli bei ihrem Vorüber- 
gang die positive Spannung der Luft bis auf 400 volts hoben. Cirro-stratus- 
Wolken hatten dagegen auch nicht den geringsten Einflufs auf den Apparat. 
Ferner ergab sich, dafs immer mit dem Auftreten feuchten Windes aus WNW 
bis WSW die Luftelektrieität am stärksten war, während trockene und warme 
Winde die normale positive Spannung der Luft verminderten. Auch diese 
neneren Beobachtungen beweisen die Abhängigkeit der Luftelektricität von dem 
Feuchtigkeitsgehalte der Luft, . 
Jebrigens theilt Prof. Luvini die Blitze in drei Arten oder Klassen ein, 
die sich aber nicht mit den bisher gewöhnlich angenommenen drei Arten (der 
Zickzack-, Flächen- und Kugelblitze) decken. Wenn in dem Raume, wo die 
elektrische Entladung stattfindet, die Spannung ziemlich gleichförmig ist, so, 
entwickelt sich ein Blitzen (Leuchten) ohne erkennbaren Strahl, und er nennt 
diese Entladung eine solche der ersten Art, Ist aber jener Raum ausgedehnter 
und die elektrische Spannung in seinen verschiedenen Theilen ungleich grofs, 
so findet die Vereinigung der geschiedenen Elektricitäten mit gröflserer Energie 
auf der Linie gröfster Spannung statt und man sieht einen Blitzstrahl dieser 
Linie folgen; er nennt diese Entladung einen Blitz der zweiten Art. Die erstere 
Art entspricht dem Reiben eines Katzenfells mit der Hand im Dunkeln, Hier- 
bei findet eine kontinuirliche Trennung und Wiedervereinigung der. beiden 
Elektricitäten statt.wie in der Wolke. Die gewöhnliche in Thätigkeit gesetzte 
Elektrisirmaschine läfst ein Geräusch vernehmen und man sieht im Dunkeln 
Lichtfunken nach allen Richtungen fahren, entsprechend den Blitzen zweiter 
Art.. Die Entladungen zwischen zwei entfernten Theilen derselben Wolke oder 
zwischen zwei verschiedenen Wolken oder zwischen einer Wolke und der Erde 
bilden die Blitze der dritten Art. 
In Betreff der Hagelbildung hat Prof. Luvini®) eine-neue Theorie auf- 
gestellt, die auf dem Fundamentalsatz basirt, dafs ein in der Luft resp. der 
Wolke befindlicher und vom Blitze getroffener Wassertropfen in den sogenannten 
sphäroidalen Zustand übergeht, wobei seine Temperatur, wenn um ihn herum 
sich ein luftleerer Raum bildet, um soviel Grade unter Null sinken kann, dafs 
er fast augenblicklich gefriert. Nun haben Nollet,*) Beccaria*) und Peltier 
gezeigt, dafs Flüssigkeiten, deren Oberfläche elektrisirt wird, schneller ver- 
dampfen und infolge dessen rascher erkalten, als im gewöhnlichen Zustande; 
daraus geht hervor, dafs infolge einer elektrisch beschleunigten Verdampfung 
auch ein Gefrieren eintreten kann. Unter dem Einflufs einer starken elektrischen 
Entladung auf die Wassertropfen findet also eine rasche Verdampfung derselben 
an ihrer Oberfläche statt, so dafs sich rundum eine die Luft verdrängende 
Dampfschicht bildet, während der nicht verdampfte Theil des Tropfens in den 
sphäroidalen Zustand übergeht. Infolge der niedrigen Temperatur ‚der Höhe 
und der Strahlung nimmt die Temperatur der Dampfschicht rasch ab und der 
Tropfen befindet sich zeitweise unter einem verminderten Druck, seine Tempe- 
ratur kann auf diese Weise mehrere Grade unter Null sinken und so bilden 
sich die ersten Eiskerne. Diese können sich noch mit einander vereinigen und 
dadurch entstehen die verschiedenen Formen der Hagelkörner. Es lälst sich 
nicht leugnen, dafs auf diese Weise die Bildung von KEismassen der ver- 
schiedensten Form erklärt werden kann, indessen reicht diese Erklärung doch 
nicht für alle Formen der Hagelkörner aus, dazu ist unbedingt eine Wirbel- 
I) Mission scientifique du Cap Horn. Paris 1884. 
) Luvini, G., Un modo di formazione della grandine (Rivista Scientifico Industriale), 
/ Recherches sur les causes des phenomenes electriques 1749, pag. 315. 
‘) L’’ elettricismo artificiale, Turin 1872, pag. 274.
	        
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