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Kleine hydrographische Notizen.
4. Ueber das Klima von Camerun berichtet Herr Dr. Pauli (Peter-
mann’s Mittheilungen, 1885, I): Man unterscheidet zwei Jahreszeiten, die kühle
oder Regenzeit, welche sich von Mitte Juni bis Ausgang September erstreckt,
und die heiße oder trockene Zeit. Die Regenzeit wird in der Regel durch
Gewitter eingeführt und ausgeleitet, denen Tornados im März und April voran-
gehen, sowie Ende Oktober und November folgen. Diese Tornados, schwere
Regenböen, zeichnen sich vor den Gewittern durch das Fehlen von Donner und
Blitz aus, kommen gewöhnlich aus SO bis NO mit der Tendenz, nach Westen,
dem Meere hin, zu ziehen. Uebrigens sind in der Regenzeit durchaus keine
sonnigen und trockenen Tage ausgeschlossen, indessen vergehen selten 3 Tage
ohne intensiveren tropischen Regen. Die gröfste Hitze in der trockenen Zeit
wird im Januar und Februar erreicht. Die durchschnittliche Temperatur
während der Regenzeit betrug im Jahre 1884 im August 25,9° C. mit einem
mittleren Barometerstande von 765,2 mm. Im September war die Minimal-
temperatur 22,3° C., das Maximum 28,5° C. Das Barometer schwankte zwischen
764,6 und 767,5mm. Zur Zeit der gröfsten Hitze werden Dunst- und Nebel-
bildungen gleich unserem Höhenrauch beobachtet, welche von den Engländern
smokes genannt werden. Kaum eine halbe Stunde (?) weit vermag man dann
zu sehen. Durch ständige Luftbewegung wird in Camerun die heifse Jahreszeit
nicht so unangenehm empfunden, indem gewöhnlich von Mitternacht bis Vor-
mittags früh ein frischer Landwind aus SE weht, der dann von einer flotten
Seebriese aus SW abgelöst wird.
5. Seebeben im Nordatlantice. Nach der vom Hydrographischen Amt
zu Washington herausgegebenen Pilot Chart of the North Atlantic Ocean für
Februar d. J. gingen folgende Berichte über beobachtete Seebeben bei dem-
selben ein:
Die Brit. Bark „Helen Isabel“, Kapt. Olsen, beobachtete auf der Reise
von Cadiz nach St. John am 18, Dezember 1884 in 38° 51‘ N-Br und 29° 55‘ W-Lg
ein heftiges 15 Minuten währendes Seebeben. Das Wetter war dabei still
and schön.
Die Russische Bark „Viga“, Kapt. Lundin, spürte um 3* a. m. den
22. Dezember 1884 in 40° 31‘ N-Br u. 16° 10‘ W-Lg verschiedene leichte Er-
schütterungen. Das Wetter war still.
Der Brit. Dampfer „Bulgarian“, Kapt. Perry, lief am 29. Dezember 1884
in 49° N-Br und 34° 30‘ W-Lg bei ruhiger See und mäfsigem südwestlichem
Winde durch eine ausgedehnte Kabbelung. Das Wasser kochte und zischte,
die Oberfläche erhob sich ungefähr 0,7m (2 Fufs) über die des umgebenden
Meeres. Die Stelle schien, sich nach NO erstreckend, ca 6 Sm lang und 5 Sm
breit zu sein.
6. Flaschenpost. a) Von S. M. S. „Leipzig“, Kommandant Kapt, z. See
Herbig, wurde auf der Reise von Valparaiso nach Honolulu am 22. März 1882
um 2* 30” p.m., in 10° 26‘ 6“ S-Br und 119° 3‘ 36“ W-Lg, eine Flasche mit
einem für solche Zwecke gebräuchlichen Zettel über Bord geworfen. Diese
Flasche ist am 8. Juli 1884 um 7° 30” a. m. von einem Eingeborenen der Insel
Rairoa oder Deans am Strande gefunden und durch einen daselbst ansäfsigen
Franzosen Namens Gournac an das Kaiserlich Deutsche Konsulat zu Papeete,
Gesellschafts-Insel, abgegeben worden.‘ Der Fundort ist angegeben zu 15° 9‘ S-Br
und 147° 24‘ W-Lg.
Danach hat diese Flasche in ca 15'/2z Monaten, wenn solche nicht schon
längere Zeit am Strande gelegen hat, einen Weg von ungefähr 1682 Sm in der
Richtung rw. S 80° 19’ W zurückgelegt, mithin ca 3,6 Sm pro Tag.
b) (D. S.) Durch Vermittelung des Deutschen Konsulats in Apia ist der
Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von der deutschen Bark
„Bernhard Carl“, Kapt. E. Niemann, auf der Reise von Apia (Samoa-Inseln)
nach Jaluit (Marshall-Inseln) am 17. Juli 1884 auf 7° 16‘ S-Br und 175° 16‘ W-Lg
äber Bord geworfen und am 16. September 1884 bei der Insel Nukulaelae
(Ellis-Gruppe) auf 9° 22‘ S-Br und 179° 54‘ O-Lg durch den Herrn Julius
Schwencke in der Brandung treibend aufgefunden wurde.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 61 Tagen
313 Sm nach SWzW’/AW zurückgelegt.