Auflösungen für das Zweihöhenproblem.
Aus dieser guten Uebereinstimmung der Resultate, ungeachtet der grofsen
und verschiedentlich angenommenen Fehler des geschätzten Schiffsortes, wird
nun weiter geschlossen, dafs das Problem auch als werthvolle Prüfung des
Chronometers dienen kann, wenn nur die Schiffszeit durch Berücksichtigung der
Veränderung des Meridians nach. der Fahrtrechnung genügend bekannt zu er-
halten gesorgt werde; und wo die Benutzung des Chronometers abgebrochen
wäre, möchte ein Schiff noch sicher nach der neuen Methode navigirt werden
können. (!) Die Frage, wie lange? ist dabei nicht vom Verfasser besprochen,
der wohl etwas übereilt auf dem Wege war, aus der „neuen Methode“ nicht in
die alte, sondern sogar in die vorchronometrische Zeit zu gerathen. ;
9. Die besonderen Fälle der genäherten Auflösung des Zweihöhen-
problems, wo zwei benachbarte Höhen beobachtet sind. Aelteste
genäherte Auflösung von Maupertuis für zwei benachbarte Höhen
am Horizonte. Die Borda’sche Tafel der Höhenänderung in der
Nähe des Meridians. Breitenbestimmung aus zwei Circummeridian-
höhen. Auflösung nach Chauvenet und Jeffers. Längenbestimmung
aus zwei Circummeridianhöhen. Methode von Littrow. Der unsichere
Fall zweier benachbarten Höhen in der Nähe eines beliebigen
anderen Vertikalkreises für die Breitenbestimmung. — Korrespon-
dirende und beinahe gleiche Höhen bei der Ortsveränderung des
Schiffes. Korrespondirende Circumzenithalhöhen. Gleiche Höhe
zweier Sterne in der Nähe des Meridians und auf verschiedenen
Seiten des Zeniths.
Das älteste Beispiel einer genäherten Auflösung in der nautischen Astro-
nomie‘ wird das von Maupertuis (Astronomie nautique, 2. Edit., Paris 1751,
pag. 33) gegebene sein, wo aus der beobachteten Dauer des Sonnen-Aufgangs
oder Untergangs die Breite bestimmt werden soll, wenn keine besseren Mittel
der Beobachtung vorhanden sind, Die Auflösung von Maupertuis lautet in
jetziger Bezeichnungsweise:
N Y ( 2 de)
sing = cos d— ar
wo dh den Sonnenhalbmesser und dt die beobachtete halbe verflossene Zeit
bezeichnet. Da hiernach sing = cos 0 V (1 — EP E): so wurde nachher
zur logarithmischen Berechnung:
dh Ts “nn U
Saar 5 in @ gesetzt, womit sing = coswcosd,
wie auch im Dietionnaire de Marine, Paris 1842, angegeben ist. Es bezeichnet
also w@ den Winkel, welchen der Deklinationsparallel mit dem Horizonte bildet.
Der Bogen dt des Aequators, reducirt auf den Deklinationsparallel, wird
cos d.dt, womit das kleine rechtwinklige geradlinige Dreieck den Werth sin ®
und das rechtwinklige sphärische Dreieck schließlich sin g ergiebt. Die Formel
ist also, ohne Rücksicht auf Refraktion, richtig, nur ist die Bemerkung von
Maupertuis nicht ganz korrekt, dafs dio Refraktion hier gar keinen Einflufs
Auf das Resultat habe; denn wenn auch der parallaktische Winkel sich nicht
merklich ändert, so erhält doch die Zenithdistanz eine Aenderung um den Be-
frag der Horizontalrefraktion, womit die schliefsliche Breitenbestimmung eine
verhältnifsmäfsige Aenderung erleidet. Nach einem Beispiel im Diet. de Marine
wurde am 15, August 1842 beobachtet, dafs die Sonne 3 Min. 4 Sek. Zeit ge-
brauchte, um unterzugehen. Die Deklination war 14° 3‘ N und der Sonnen-
halbmesser 15‘ 49”. Die Berechnung gab @ = 43° 10‘ N, welches auch nahe
mit einer ganz strengen Rechnung übereinstimmt, wenn die Refraktion nicht
berücksichtigt wird. Bei 33‘ 0“ Horizontalrefraktion dagegen ergiebt sich
9=43°0'N, also 10’ weniger, Aber die Ungenauigkeit der Breitenbestimmung
ist in diesem Falle so grofs, dafs ein Fehler von 4 Sek. in der Beobachtung
der verflossenen Zeit, z. B. 3” O0* statt 3” 4°, die Breite schon auf 41° 46‘ N
bringen, also um 1° 14‘ erniedrigen würde. Die Formel von Maupertuis giebt
dafür 41° 59‘ N oder 1° 11‘ weniger, als vorher berechnet wurde. Bei sa