Auflösungen für das Zweihöhenproblem.
z
A
dafür unmittelbar gab, so dafs eine Tafel mit den Argumenten @ und t, die
andere mit d und t versehen ist, und indem dp — 1‘ gesetzt wurde, erhält
man dt aus den Tafeln als entsprechende Längenänderung. Kürzer hätte man
auch aus der auf einfachste Faktoren reducirten Differentialformel:
dh = cosp. dd — cos A, dp — cos wg sin A, dt
die Formel
dt = —cotg Asecop.dop
dazu gebrauchen können, wonach eine Tafel mit den Argumenten go und A
Ausgereicht haben würde, und das Azimuth A jetzt leicht genug aus den Tafeln
zu erhalten ist.
Mit solchen Hülfstafeln ist nun der Vortheil verbunden, dafs zu jeder
kleinen Aenderung von © schon der entsprechende Längenunterschied bekannt
wird,. und man sonach die Richtung der Sumner’schen Linien bequemer in der
Karte konstruiren kann, ohne erst eine genaue Winkelkonstruktion, wie bei dem
Azimuthe, vorzunehmen. Im Uebrigen ist dies Verfahren, wie das vorher-
gehende, eine Benutzung der Tangenten der Höhenkurven statt der Sumner-
schen Sehnen, und zu derselben Tangentenbestimmung gehört auch das
„Procede Pagel“, wie man in einigen französischen Schriften das Verfahren
des Kapt. Pagel genannt hat, um mittelst der Differenzen der benutzten
Logarithmen die zu kleinen Breitenänderungen gehörigen Längenänderungen
zu finden.
Auf. eine noch andere Form der Behandlung von Sumner’s Methode,
die auch von Villarceau®) gewählt wurde, kam der Kommandant Marcq-
Saint-Hilaire. Sie läßt sich beziehen auf die obige Formel:
dh = — cos A. do — cos vg sin A.. dt.
Berechnet man nämlich mit der geschätzten Breite und Länge die Höhe, so
giebt ihre Vergleichung mit der Beobachtung die Größe dh, welche Null sein
müfste, wenn und t richtig wären. Man erhält also damit eine Bedingungs-
gleichung, worin de und dt die gesuchten Gröfsen zur Verbesserung der ge-
schätzten Breite und Länge sind. Bei einer Höhenbeobachtung würde man
nur das Verhältnifs von de zu dt kennen lernen, also nur die Richtung einer
Sumner’schen Linie, welche nicht durch den geschätzten Ort E (point estime)
geht, sondern durch einen, in der Richtung der Sonne, um das Stück dh davon
entfernten Punkt, oder in der entgegengesetzten Richtung, wenn dh negativ ist.
Durch diesen Punkt wird nun die Sumner’sche Linie gezogen, worin sich das
Schiff irgendwo befinden muß. Ein Loth, von E auf dieselbe Linie gefällt,
giebt einen Punkt R, den man als rektificeirten Punkt bezeichnet hat (point
rapproche), obgleich jeder andere nicht allzuweit entfernte Punkt dieser Linie
als genäherter Schiffsort gelten kann. Sobald aber zwei Höhen vorhanden sind
und damit eine zweite Bedingungsgleichung
db‘ = — cos A‘. dpg — cos g sin A’. dt
vorliegt, ergiebt sich schon durch Konstruktion der Schnittpunkt O der beiden
Positionslinien als wahrer Schiffsort, welcher hier als observirter Punkt (point
observe) bezeichnet wird. Berechnet man noch aus den beiden Bedingungs-
gleichungen de und dt, so ist 9 -} de die Breite, und durch t-} dt wird die
Länge des Punktes O bestimmt. Es ist aber nicht nöthig, aus den Zahlen-
gleichungen de und dt durch Elimination zu finden, sondern die allgemeine
Elimination hat schon zu den bekannten Endgleichungen geführt:
sin A‘ sin A ,
dp = — a (Aa) az
nn cos A‘ — cosA ;
8 + pen Ep
Kommt indessen eine gleichberechtigte dritte Höhe hinzu, so erhält man
eine dritte Bedingungsgleichung, wodurch die Aufgabe schon mehr als bestimmt
50) ‚Nouvelle navigation astronomique. I, Theorie par M. Yvon Villarceau, Astronome
de l’Observatoire de Paris; II. Pratique par M. Aved de Magnac, Ltn. de vaisseau. Paris 1877,
IX. pag. 120.