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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Manövriren in Stürmen. 
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des Atlantischen Oceans biegen fast stets im Golf von. Mexico oder in dessen 
Nähe um und folgen der Nordamerikanischen Küste. — Die Cyklone in der 
Bai von Bengalen scheinen ihren Ursprung in der Nähe von den Andamanen, 
die des Golfs von Arabien nahe den Laccadiven zu nehmen, Ihre Bahn ist 
gewöhnlich eine westliche oder nordwestliche; erstere kreuzen bisweilen die 
Indische Halbinsel, bisweilen gehen sie an Bengalen vorüber und krümmt sich 
der Weg nach Osten zurück. — Die chinesischen Taifune haben gewöhnlich 
einen westlichen oder nordwestlichen Kurs. 
Die Geschwindigkeit, mit welcher die Cyklone während‘ eines Tages 
fortschreiten, kann, obwohl dieselbe variabel, in Westindien zu 300 Sm, in der 
Arabischen See, der Bai von Bengalen und in dem Chinesischen Meer zu 200 Sm 
angenommen werden; in dem südlichen Indischen Ocean variirt dieselbe von 50 
bis 200 Sn, 
Von allen Anzeichen, welche das Herannahen eines Wirbelsturms ver- 
künden, ist das beste und sicherste das Barometer, Stets treten sehr grofse 
barometrische Störungen ein: bei einigen Stürmen stand das Barometer im 
Centrum 50,8 mm (2 Zoll engl.) niedriger als au(serhalb des Sturmfeldes. Fällt 
daher das Barometer schnell oder wird auch nur die Regelmäfsigkeit der täg- 
lichen Schwankungen unterbrochen, so ist Gefahr zu besorgen. Ueber die 
Gröfsee der zu erwartenden Druckabnahme kann keine Regel gegeben werden. 
Zahlreiche Berichte liegen über Fälle vor, bei denen das Barometer unter 
711,2 mm (28 Z.) in Westindien fiel; über die Plötzlichkeit der Druckabnahme 
giebt ein authentischer Bericht dahin Aufschlufs, dafs die Abvahme des Baro- 
meterstandes in 1* 10” 43,18 mm (1,7 Z.) betrug; Meldrum sagt, dafs im 
Südindischen Ocean das Barometer gewöhnlich unter 711,2 mm (28 Z.) fällt; in 
der Bai von Bengalen soll ein Druck von 700,53 mm (27,58 Z.) beobachtet sein. 
Der ungefähre barometrische Gradient nahe dem Centrum der schwersten dieser 
Stürme soll otwas mehr als 25,4 mm (1 Z.) auf 50 Sm betragen. 
Je mehr sich das Sturmcentrum ‚nähert, um so schneller werden, sofern 
sich das Schiff nicht gerade in der Cyklonbahn befindet, die Aenderungen dos 
Windes vor sich gehen; während beim ersten Eintreten in das Sturmfeld der 
Wind. allmählich herumgeht, springt derselbe zuletzt plötzlich nach der entgegen- 
gesetzten Richtung. Vielfach wird berichtet, dafs die Windstärke im: Centrum 
plötzlich abnimmt, die Wolken für kurze Zeit sich zerstreuen, um dann den 
Sturm bald mit erneuter Gewalt hervorbrechen zu lassen. Es sollte das Centrum 
des Sturmfeldes um jeden Preis vermieden werden; 
Dio erste Aufgabe für den in einen Cyklon hineingerathenen Schiffsführer 
ist es, die Lage des Centrums festzustellen. Kehrt man das Gesicht dem Winde 
zu, so ist die ungefähre Peilung des Centrums in der nördlichen Hemisphäre 
8 Strich rechts, auf der südlichen Halbkugel 8 Strich links; bei NO-Wind liegt 
also das Centrum auf der nördlichen Hemisphäre ungefähr in SO und auf der 
südlichen Halbkugel bei NW-Wind in SW. 
In der Folge ist der Binfachheit halber die Windbewegung innerhalb des 
Cyklons als nahezu kreisförmig. angenommen worden, Letzteros. ist indefs in 
Wirklichkeit, genau genommen, nicht der Fall, sondern häußg ist die Richtung 
in einzelnen Theilen des Sturmfeldes mehr oder weniger nach innen gekehrt. 
In einer erheblichen Entfernung vom Centrum und ehe: das Barometer sehr 
unter seinen normalen Stand gefallen. ist, liegt das Centrum ungefähr 10 
oder 12 Strich von der Windrichtung; nach einem Barometerfall von 12,70 mm 
(0,5 Z.) oder 15,24 mm (0,6 Z.) bildet der. dann wehende Wind wahrscheinlich 
einen Theil des Sturmwirbels, und kann man das Centrum 8 Strich von der 
Windrichtung annehmen.. 
Nach Kenntnifs der ungefähren Lage des Cykloncentrums. ist festzustellen, 
auf welcher Seite der Cyklonbahn das Schiff sich befindet, und. in welcher 
Richtung der Wirbel fortschreitet. Befindet man sich auf der nördlichen Krd- 
hälfte im rechten Halbkreise eines nach W fortschreitenden Sturmes — Gesicht 
nach der Fortbewegungsrichtung des Cyklons gewendet.— so wird der Wind 
von NO nach O0, SO, S etc. oder mit dem Zeiger der Uhr sich ändern; in dem 
linken Halbkreise dagegen wird der Wind über N nach NW, W etc. oder gegen 
den Zeiger der Uhr umlaufen. Aehnlich geht bei einem nach W sich bewegen- 
den Wirbelsturm auf der südlichen Halbkugel im rechten Halhkreise der Wind
	        
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