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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Manövriren in Stürmen. 
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in Betracht zu ziehen. Steht dasselbe bei einem sehr steilen Gradienten z. B. 
still, wie dies manchmal vorkommt, so wird der Wind äußerst heftig wehen, 
obwohl das Barometer zu fallen aufhört, sofern nicht die Depression zunimmt. 
Passirt andererseits eine Depression mit flachem Gradienten sehr schnell, so 
wird Ce das Barometer sehr schnell fallen, obwohl der Wind nicht sehr stark 
sein wird. 
Zu beachten ist ferner, wie schon oben. gesagt, Kurs und Fahrt des 
Schiffes im Vergleich zum Wege und der Geschwindigkeit des Depressions- 
gebietes, Zustand der See und andere Wahrnehmungen. 
Zur Erläuterung diene folgendes Beispiel: Ein nach Europa 'heimkehrendes 
Segelschiff erhalte in 45° N-Br und 30° W-Lg einen frischen S-Wind. Man 
weils alsdann, dafs im Westen ein Gebiet niedrigeren Druckes sich befindet, 
welches wahrscheinlich nach Osten fortschreitet. Da das Schiff ebenfalls nach 
Osten geht, so kann das Barometer gleich bleiben, oder sogar steigen, wenn 
das Schiff schneller läuft als die Depression. Erkennt man in solchem Falle 
aus dem Zustand der See und anderer Wetteranzeichen das Herannahen eines 
Weststurmes, und wird man wegen der Nähe des Landes oder aus andern Rück- 
sichten wahrscheinlich seine Fahrt mindern müssen, so thut man gut, sich für 
schlechteres Wetter vorzubereiten. Dreht man bei, so ist der stündliche Baro- 
meterfall ein guter, wenn auch nicht sicherer Führer; ein Fallen von 1,02 bis 
2,54 um (0,04—0,10 Zoll engl.) p. h. kann gewöhnlich als ernstes Anzeichen 
eines herannahenden Südsturmes angesehen werden, welcher bei event, folgendem 
gleich starken Steigen des Barometers von einem W- oder N W-Sturm begleitet ist. 
Bei südlichen Wind und fallendem Barometer mag es cinemn westwärts 
steuernden Schiffe möglich sein, dadurch zu gewinnen, dafs es nach N läuft in 
der Absicht, den Wind östlich sich drehen zu lassen; doch gleicht der Typus 
eines Sturmes, in welchem dies möglich ist, dem eines Cyklon, und stellt nicht 
die gewöhnlichen Stürme dieser Breiten dar, welche aus S beginnen und in W. 
oder NW. endigen. Ferner mag ein Schiff im Stande sein, mit dem ersten süd- 
lichen Winde, welcher auf der Ostseite des Depressionsgebietes weht, schwächere 
Winde durch Laufen nach N zu erlangen; da indefs die Breitenausdehnung: des 
Cyklonengebietes unbekannt ist, auch hierbei die Gewinnung besseren Wetters 
angewifs ist, so kann das Schiff mehr Schaden als Vortheil erlangen, 7 
Es erscheint demnach wahrscheinlich, dafs ein nach S oder W bestimmtes 
Schiff einem dieser Stürme beim Antreffen die Spitze halten mufs. Ein schwaches 
Fahrzeug, dem es weniger auf cine schuelle, als auf eine sichere Reise ankommt, 
sollte alsdann über B. B.-Bug beiliegen, da der Wind im allgemeinen von S 
nach SW, W und NW dreht. Dasselbe gilt ‚natürlich auch für jedes Schiff, 
welchem der Sturm zu schwer ist. Ein gutes, nach W bestimmtes Seeschiff 
indessen kann den St. B.-Bug beibehalten, bis der Wind bei steigendem Baro- 
meter nach W dreht, und dann SW-Kurs nehmen. Hierbei käme man allerdings 
in die schwere See und könnte leichter backe Segel bei der Windänderung be- 
kommen, doch wird angenommen, dafs der Führer auf diese Gefahren vor- 
bereitet ist. 
Hat der Wind nach NW gedreht, so führt der B. B.-Bug vom Centrum 
einer solchen atmosphärischen Störung weg; indefs ist es möglich, dafs man bald 
in den südlichen Wind der Ostseite eines neuen herankommenden Depressions- 
gebietes hineinsegelt, wie dies im Winter sehr häufig der Fall ist. 
e) Die Stürme der südlichen gemäfsigten Zone. 
Die vorherrschenden Stürme hoher südlicher Breiten gleichen denen des 
Nordens, und gilt für ihre Beschreibung das oben Gesagte, weun man für N 
stets S setzt. Die Stürme beginnen aus N oder NO und enden aus W oder SW. 
In der südlichen Hemisphäre liegt bei nördlichen Winden ein niedriger Druck 
im W; die Art, in welcher gewöhnlich der Wind ändert, beweist, dals auch 
hier die Gebiete niedrigen Druckes nach Osten ziehen. 
Das Verhalten einem schweren Sturm gegenüber, oder mit einem schwachen 
Schiff in einem gewöhnlichen Sturm ist umgekehrt als in Nordbreiten: der 
St. B.-Bug ist der günstige zum Seehalten, da der Wind gewöhnlich von N 
durch NW nach SW dreht und bei SW-Wind der St. B.-Bug das Schiff aus dem
	        
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