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Manövriren in Stürmen.
Die Wirbelstürme der gemäfsigten Zonen zeigen das Phänomen des stillen
Centrums mit zu beiden Seiten desselben nahezu aus entgegengesetzter Richtung
wehenden Winden nicht oft. Die Gefahr, backe Segel zu bekommen, ist daher
nicht so grofs, als bei den tropischen Orkanen; immerhin ist indessen für einen
Schiffsführer die Kenntnifs von Werth, über welchen Bug cr event. am sichersten
beiliegen würde. Es gelten hierfür dieselben Regeln als für die Cyklone der
entsprechenden Halbkugel,
Der gefährlichste plötzliche Windwechsel ist von SW nach NW in der
nördlichen und von NW nach SW in der südlichen Hemisphäre zu erwarten.
Derselbe ist gewöhnlich von schwerem Regen oder Hagel mit Donner und
Blitz begleitet, während die '"emperatur um einige Grade mit dem ersten Ein-
setzen des NW- bezw. SW-Windes fällt.
Bei dem Schlüssigwerden, wie unter diesen Umständen zu manövriren
ist, hat man die Aufmerksamkeit auf zwei Punkte zu richten, welche die aus
den Barometerablesungen zu ziehenden Folgerungen wesentlich beeinflussen.
Erstens hat, so lange die Luftdruckvertheilung dieselbe bleibt, über den
einen Bug segelnd, das Barometer die Neigung, zu steigen, auf dem andern Bug
zu fallen. Ersteres ist der B. B.-Bug in der nördlichen, der St. B.-Bug in der
südlichen Hemisphäre; auf ilnen bewegt sich das Schiff nach dem höheren
Barometerstand hin und vom Centrum weg. Diese Regel gilt streng genommen
nur so lange, als die Depression stille steht. So kann cs vorkommer, dafs ein
hoher Druck, dem das Schiff zusegelt, gröfsere Geschwindigkeit besitzt, als das
Schiff, ein Depressionsgebiet vom Heck aufkommt und das Schiff überholt; oder
es kann auch ein Depressionsgebiet, dem das Schiff zusegolt, eine gröfsere Ge-
schwindigkeit als das Schiff besitzen. Immerhin mufs sich indefs der Einflufs
des gewählten Kurses stets fühlbar machen, und kann im allgemeinen gesagt
werden, dafs allein ein steigendes Barometer auf B. B.-Bug in der nördlichen
emisphäre kein genügendes Anzeichen für Verbesserung des Wetters ist, und
dafs, um solche annehmen zu können, noch andere Anzeichen vorhanden sein
müssen. Stets ist auf der nördlichen Halbkugel ein steigendes Barometer auf
St. B.-Bug ein werthvolles Anzeichen für Verbesserung des Wetters, ein fallendes
Barometer über B, B.-Bug eine wichtige Warnung nach der anderen Richtung
hin. Umgekehrt ist es auf der südlichen Halbkugel,
Zweitens ist zu beachten das Verhältnifs von Kurs und Geschwindigkeit des
Schiffes zu der Zugrichtung und Fortbewegungsgeschwiudigkeit der Depressions-
gebiete und ihrer zugehörigen Windsysteme in den Meerestheilen, von welchen
die allgemeinen Zugstrafsen der Stürme bekannt sind. Letzteres ist z. B. der
Fall im Nordatlantischen Occan. Die Depressionen haben hier im allgemeinen
eine östliche Zugrichtung; es wird daher ein vom Kanal nach Westen steuerndes
Schiff schnelleres Fallen dos Barometers und Aendern der Windrichtung beob-
achten, als ein ostwärts steuerndes oder beigedreht liegendes Fahrzeug, da sich
in ersterem Falle die Annäherung an die Depression aus der eigenen Fort-
bewegungsgyeschwindig keit der letzteren und der des Schiffes summirt.
b) Die Stürme der nördlichen gemäfsigten Zone,
Dicselben beginnen aus SO oder S und enden in W oder NW. HErhält
ein Schiff in diesen Breiten einen frischen S- oder SE-Wind mit relativ hoher
Temperatur und fallendem Barometer, so befindet sich nach Buys-Ballot’s
Gesetz ein Gebiet niedrigen Druckes in W oder SW, das — wie schon gesagt
wahrscheinlich nach 0 oder NO zieht. Die Erfahrung lehrt, dafs, gleich-
gültig ob das Schiff beigedreht liegt oder nach W weitersegelt, das Barometer
fällt, bis der Wind nach W dreht (was in der Regel während eines schweren
Regenschauers mit gleichzeitigem plötzlichen Fallen der Temperatur eintritt),
worauf das Barometer wahrscheinlich ebenso schnell steigt als cs vorher fiel,
und ein starker NW-Wind einsetzt.
Die allgemeine Ansicht, dafs die Schnelligkeit des Barometerfalles ein
Mafsstab für die Stärke eines zu erwartenden S-Sturmos in diesen Breiten sei,
ist nicht allgemein gültig. Durch die Thatsache, dafs die Kraft des Windes
von der Größe des barometrischen Gradienten abhängt, wird diese Idee unter-
stützt; indefs ist auch die Fortbewegungsgeschwindigkeit des Depressionsgebietes