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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Neue Längenbestimmung für die australischen Sternwarten, 
Neue Längenbestimmung für die australischen Sternwarten, 
Herr Prof. Dr. A. Auwers hat in den „Astronomischen Nachrichten“, 
1884, Band 110, eine Abhandlung „Bestimmung eines fundamentalen Meridians 
für Australien durch absolute Methoden“ veröffentlicht, in welcher die Längen 
der australischen Sternwarten zu Sydney, Adelaide, Melbourne und Windsor 
bestimmt werden und etwas abweichende Resultate von den bisherigen An- 
nahmen ergeben. Zu dieser Arbeit gab Herrn Prof, Auwers die bei Bearbeitung 
der von der deutschen Venus-Kxpedition 1874 auf den Auckland-Inseln an- 
gestellten Beobachtungen gemachte Bemerkung Anlafs, dafs die damals an- 
genommene Länge von Sydney wahrscheinlich erheblich fehlerhaft wäre. Es 
erschien dies um so eher möglich, da dieselbe nach Beobachtungen von Mond- 
kulminationen eines einzelnen Beobachters, denen immer ein beträchtlicher 
persönlicher Fehler anhaften kann, festgelegt war. Da eine Aussicht auf Durch- 
führung eines telegraphischen Anschlusses australischer Meridiane an einen 
javanischen Meridian damals nicht vorhanden war, so wählte Herr Auwers 
für die Kontrole der australischen Längen und Festlegung eines fundamentalen 
Lokal-Meridians die zahlreichen von Herrn J. Tebbutt 1873—76 auf seiner 
Sternwarte in Windsor N. S.W. und einige auf der Melbourner Sternwarte von 
Oktober 1874 bis Januar 1875 beobachteten Sternbedeckungen. Da der gröfste 
Theil der beobachteten Sterne erst später identificirt werden konnte, so konnte 
die Arbeit auch erst nach längerer Zeit zum Abschlufs gebracht werden. Für 
das Endresultat verband Herr Auwers mit seiner aus den angeführten Beob- 
achtungen gewonnenen Bestimmung noch die aus einer Reihe von Mondkulmi- 
nationen, welche durch Scof$t in den Jahren 1859 und 1860, sowie von Russel 
1863 und 1871—1874 beobachtet wurden, ermittelten Längen von Sydney und 
die durch gleiche Observationen auf der Sternwarte von Williamstown 1860—1862 
und 1874—1875 erhaltene Länge von Melbourne. — Die auf der deutschen 
Venus-Station Betsy Cove beobachteten 15 Mondkulminationen und 3 Stern- 
bedeckungen ergaben nach vorläufiger Berechnung des Herrn Auwers für 
Sydney die Länge von 10* 4” 51,40°, welche Ermittelung .ihm über die Richtig- 
keit der früheren Annahme für Sydney Zweifel erregte. 
Von den durch Herrn Tebbutt in Windsor beobachteten Sternbedeckungen 
zog Herr Auwers 78 zur Berechnung heran und erhielt aus denselben für 
Windsor die Länge 10 3" 21,25°; zur Reducirung derselben auf Sydney ist 
die von Herrn Tebbutt angegebene sorgfältig bestimmte Längendifferenz beider 
Orte von 1” 28,83* benutzt, wodurch sich für Sydney die Länge 10% 4“ 50,08*° 
ergiebt. Aus 12 Sternbedeckungen in Melbourne ist die Länge von 9* 39” 53,12° 
für diesen Ort berechnet, zur Reducirung dieser Länge auf die von Sydney wird 
das Mittel aus zwei verschiedenen Angaben über die Längendifferenz beider 
Orte genommen; die eine, 24” 55,77°, ist das Resultat einer vor mehreren 
Jahren (1875?) ausgeführten Bestimmung, die von Herrn Russel als eine sehr 
sorgfältige bezeichnet wird; die andere, 24” 55,10°, ist das Ergebnifs der Ver- 
gleichung der neuerdings mitgetheilten, aus dem telegraphischen Unternehmen 
von 1883 hervorgegangenen Längen von Melbourne und Sydney. Da über beide 
Bestimmungen keine Details angegeben werden, so sind sie als gleichwerthig 
angenommen, und ihr Mittel, 24” 55,43°, auf die Länge von Melbourne angewandt, 
giebt für Sydney 10* 4” 48,55°, 
Unter Berücksichtigung der Gewichtsverhältnisse dieser beiden angegebenen 
Längenbestimmungen folgt aus beiden das Resultat 10* 4” 49,82°. 
Von den Scott’schen Mondkulminationen hat Herr Auwers 98 bearbeitet 
und aus denselben eine Länge von 10* 4” 45,81° für Sydney gefunden. 
Russel erhält aus seinen Observationen 10% 4” 50,81°, ohne jedoch die 
Gewichte der einzelnen Beobachtungen zu berücksichtigen; unter Hinzuziehung 
der letzteren erhält Herr Auwers 10* 4” 50,66°, 
Die in den Jahren 1860—62 auf der Sternwarte von Williamstown an-« 
gestellten Mondkulminations-Beobachtungen ergaben für die Melbourner Stern- 
warte die Länge 9* 39” 54,72°, diejenigen von 1874—75 9* 39” 54,55°, beide 
kombinirt 9 39" 54,68°, und durch Anwendung der eben erörterten Längen- 
differenz von 24” 55,43° für Sydney die Länge 10* 4” 50,11%
	        
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