Reiseberichte der deutschen Bark „'Criton“,
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Während unseres Aufenthalts in Soerabaya vom 21. Dezember 1883 bis
2. Januar 1884 war das Wetter recht unbeständig. Nordöstliche Winde waren
fast ebenso häufig als westliche, und Regenböen, bald von der Java-Seite, bald
von der Madura-Seite herüber kommend, traten zu jeder Tageszeit auf. Am
Lande’ regnete es manchmal stark, während an Bord, auf der Rhede, das Wetter
schön war. Oft war auch das Umgekehrte der Fall. Am 31. Dezember war
„Triton“ segelfertig, mit einer Ladung Zucker nach dem Kanal für Order
bestimmt. Als wir am 1.Januar 1884 im Begriff standen, die Reise anzutreten,
um zunächst mit dem Strom ostwärts zu treiben, seizte ein so kräftiger Ost-
wind ein, dafs wir liegen bleiben mufsten. Erst am 2, Januar konnten wir bei
leichtem NE-Winde unter Segel gehen. Wegen bald eintretender Windstille
mufsten wir aber wieder ankern. Ein von Nord aufkommendes Gewitter
brachte uns später bis zu dem Lotsenhulk vor dem westlichen Eingange zur
Soerabaya-Strafse, woselbst wir wegen eintretender Windstille abermals ankern
mufsten, bis‘ um 3*.p. m. eine Böe von Nord aufkam. Diese brachte uns in-
dessen nur 5 Sm weit. In der folgenden Nacht und am nächsten Tage bis
4 Uhr Nachmittags war es vorherrschend windstill, und auch am folgenden
Tage trat keine Besserung ein. Zuweilen. erhob sich in der Nacht eine leichte
Landbriese, während am Nachmittage die Seebriese manchmal einen schwachen
Versuch machte, durchzudringen. Am Abend des 8. Januar erreichten wir eine
Stellung zwischen‘ Tauben- und Ziegen-Insel, woselbst wir einen Lotsen für die
Balı-Strafse erhielten. Gleichzeitig hatte die Seebriese aufgehört, und die auf-
kommende Landbriese wehte gerade aus der Strafse heraus. Da aber auch
eine günstige Strömung einsetzte, so konnten wir mit sechs kurzen Gängen
durch die Enge der Straße hindurchkreuzen. Nun„wurde der Wind flauer. Bei
leichtem südlichen Zuge lagen wir mit dem Kopfe nach der Java-Seite hinüber
und trieben im Strom schnell südwärts Banjoewangi vorbei. Um 12* p. m,
mufsten wir eben südlich von der südlichsten Boje auf 36 m (20 Fad.) ankern,
da wir nicht von einem dort liegenden Schiffe frei treiben konnten. Am
Morgen des folgenden Tages (9. Januar) gingen wir bei leichtem NW-Winde
und südlich setzender Strömung wieder unter Segel. Dieser Wind hörte zwar
bald wieder auf, doch brachte uns eine gleich nach Mittag von Bali herüber-
kommende Böe aufserhalb des Bereichs des stärksten nun wieder einsetzenden
Gegenstroms. Leichte Nord- bis NW-Landbriese half uns dann’ weiter, und am
10, Januar standen wir um 4* a. m. auf 8° 52‘ S-Br und 114° 45‘ O-Lg aufser-
halb der Balci-Strafse,
4. Strömung in der Bali-Strafse.!)
Nach Aussage meines Lotsen setzt der Strom in der Bali-Straßse von
der Zeit, dafs der Mond den Meridian passirt, bis zu seinem Untergange nach
Süden, dann bis zur untern Mondkulmination nach Norden, von dieser Zeit bis
zum Aufgange des Mondes wieder nach Süden und schliefslich bis zur oberen
Kulmination wieder nach Norden. Während der Mond seinen‘ Tagbogen
beschreibt, ist in der Balı-Strafse sowie auch in der Soerabaya-Strafse der
Gezeitenstrom stärker, als wenn der Mond sich unter dem Horizont befindet.
Demgemäfs läuft zur Zeit des Vollmondes der stärkste Gezeitenstrom während
der Nacht, zur Zeit des Neumondes aber am Tage. Zur Zeit der Mondviertel
ist die. Strömung am schwächsten. Stillwasser ist kaum bemerkbar, vielmehr
kentert der Strom plötzlich. Im NW-Monsun ist der nördliche, im SE-Monsun
der südliche Strom am stärksten. ‘ In der Enge der Strafse läuft der stärkere
Strom manchmal acht Stunden, während der schwächere Strom sich auf die Zeit
von nur vier Stunden beschränkt. WUebrigens sind Dauer und Stärke der
Strömung in der Bali-Strafßse ziemlich veränderlich und unregelmäfsig und vor-
nehmlich von dem aufserhalb der Strafßse herrschenden Winde abhängig. In
der Nacht, als wir die Strafse passirten, lief der südliche Strom, obgleich es
mitten in der Jahreszeit des Westmonsuns war, volle acht Stunden, von
81h p. m. bis 4’ a. m. Leider konnten wir denselben nicht vollständig aus-
nutzen; immerhin brachte er uns durch die engste und schlimmste Stelle der
Strafse rasch hindurch.
" & darüber. auch. diese Anhalen 1881 S. 441. 1882 S. 585 u. 586 und 1888 8.
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