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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Reiseberichte der deutschen Bark „Triton“. 
tiefe von 18m (10 Fad.) von der Küste zu entfernen hatten. Darauf wurde 
das Laden fortgesetzt. Die Eigenthümer der Leichter in Cheribon wollen gern, 
dafs die Schiffe den Ballast in ihre Leichter löschen, wofür sie 2'a Gulden 
pro Koyang berechnen, und stellen deshalb dem Kapitän die Schwierigkeit, 
nach der Rhede zurückzukommen, stets im grellsten Lichte dar, KEs ist indessen 
nicht schlimm, denn der Wind hat in der Nacht eine mehr oder weniger (etwa 
um 8 Strich) andere Richtung als am Tage, und man findet überall passende 
Tiefen von 6,3 bis 10,8 m (3'% bis 6 Fad.) zum Ankern. Wir haben wenigstens 
keine Schwierigkeiten gefunden, wieder nach der Rhede von Cheribon zurück- 
zugelangen. 
Für das Stauen des Zuckers hat das Schiff 8 d. die Tonne Brutto zu 
zahlen. Das Uebernehmen des Zuckers wird von der Schiffsbesatzung aus- 
geführt. Uebrigens verstehen die Arbeiter hier das Stauen des Zuckers lange 
nicht so gut als in Soerabaya, woselbst ich meine Ladung vervollständigte. 
Das Wetter war auf der Rhede von Cheribon vom 29. November bis 
zum 17. Dezember 1883 ziemlich gleichmäfsig, und zwar wie folgt: Am Morgen 
wehte eine leichte Landbriese von SW, bei angenehm kühler und so klarer 
durchsichtiger Luft, dafs fast jeder Baum auf dem 7jermai zu unterscheiden 
war. Gegen 9% bis 10* a. m. starb gewöhnlich die Landbriese ab, worauf bis 
Mittag Windstille mit grofser Hitze herrschte. Auf halber Höhe des Tjermai 
bildeten sich Cumuli, die allmählich nach oben stiegen. Die höchste Spitze 
ragte noch aus den Wolken hervor, schien aber in immer weitere Ferne zu 
rücken. Nun sprang leichte Seebriese auf aus NNE—-NNW, welche schnell an 
Stärke zunahm. Die Wolken hüllten jetzt den Zjermari vollständig ein und 
rollten und wälzten sich lebhaft um denselben herum. Um 3*p. m. war die 
Seebriese am stärksten. Zu gleicher Zeit begann es am Tjermai aus einem 
dunkler werdenden Gewölk zu gewittern, Der Wind nahm eine mehr nord- 
nordwestliche Richtung an, und über dem Lande entwickelte sich ein Gewitter 
mit Regen. Nach kurzer Zeit starb gewöhnlich die Seebriese ganz ab, dann 
folgte in der Regel eine Gewitterböe aus SW, oder der Wind holte allmählich 
ohne Unterbrechung durch NW und W nach SW. Die Böen erreichten die 
Rhede gewöhnlich kurz vor oder nach Sounenuntergang, selten später, und 
brachten nur wenig Regen. Die elektrischen Entladungen waren dabei manch- 
mal sehr stark und besonders deshalb so auffällig, weil man sich in ihrer 
nächsten Nähe befand. Es folgten Blitz und Donner Schlag auf Schlag. Die 
Oberfläche des Wassers leuchtete sehr stark während der Böen, und es hatte 
den Anschein, als ob das Schiff auf einem Feuermeer triebe. Um 8* oder 9% p. m. 
waren die Bergspitzen in der sternhellen, wunderbar abgekühlten Luft wieder 
klar zu sehen, während es nach der Richtung der See noch hier und da 
wetterleuchtete. Die Landbriese hörte zuweilen schon um Mitternacht auf und 
setzte eben vor Tagesanbruch aus einer hoch südlichen Richtung wieder ein, 
Gewöhnlich aber wehte während der ganzen Nacht ununterbrochen leichte Land- 
briese aus SW. 
3. Soerabaya und die Reise von dort durch die Bali-Strafse. 
Am 17. Dezember um 9* p. m. ‚verliefsen wir nach der Böe die Rhede 
von Cheribon, um nach Soerabaya zu segeln. Sehr loichte Winde aus NW 
bis SW, durch Windstillen und Gewitter unterbrochen, begleiteten uns bis 
Japara. Hier frischte am 19. Dezember der Wind bis zur Stärke 6 bis 7 auf 
and zugleich machte sich eine östliche Strömung von etwa 2 Kn Geschwindigkeit 
bemerkbar. Der Wind hielt aber nur bis 10 Uhr Abends des letztgenannten 
Tages an. Gleich darauf überfiel uns ein Gewitter, welches vom Lande kam. 
Es folgte zunächst Windstille und am folgenden Morgen, den 20. Dezember, 
leichte südliche Briese, welche bei fortschreitender Tageszeit durch W nach NW 
ärehte und aus letzterer Richtung auffrischte. Am Abend dieses Tages er- 
reichten wir aufserhalb der Bank vor dem Soerabaya-Kanal den Lotsenschoner, 
der hier, wenn Wind und Wetter es gestatten, stets vor Anker liegt. Etwas 
vor Dunkelwerden bekamen wir von diesem einen Lotsen. Da aber mittler- 
weile die Landbriese durchkam, mufsten wir vor der Bank ankern. Am 
21. Dezember segelten wir dann bei leichter nordwestlicher Briese nach 
Soerabaya hinauf.
	        
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