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Reiseberichte der deutschen Bark „Triton“,
denselben zugehalten. Die Wassertiefe nahm bei Annäherung an die Küste
allmählich ab; ca ’!/a Sm querab von der Barre wurde auf 13m Wasser geankert.
Vor der Mündung des Flusses brandete es stark; unmittelbar südlich davon
wurde — entgegen den Angaben des „Afrika Pilot“ --— die beste Landungs-
stelle gefunden, die allerdings nur von Brandungsbooten passirt werden konnte.
Die Mündung bildete einen 20—25m breiten Durchbruch durch den sandigen
Strand, mehrere Meter tief und mit so starkem Strom, dafs das Wasser bis zur
See fast gar keine brackige Beimischung hatte. Unmittelbar hinter dem Strande
erweiterte sich das Flußbett zu einer Lagune von augenscheinlich sehr vor-
änderlichem Umfange. Der Sand ringsum war so vom Flufswasser durchtränkt,
dafs er beim Betreten auf weite Strecken hin sich bewegte wie die dünne Decke
eines Moors. Etwa eine halbe Stunde landeinwärts lief der Flufls schon in
einem felsigen Bett. Die Vegetation in dieser Einöde war spärlich, doch fand
sich im Schutze einiger Sanddünen Schilf und sogar ein verkrüppelter Akazien-
Baum vor. An Thieren wurden Antilopen — davon 5 sehr grofse langgehörnte
Gemsbockantilopen —, viele Wasservögel und ein grofses Krokodil gesehen.
Die Beobachtungen S. M. Kr. „Möwe“ in der Walfisch-Bai stimmen mit
den in den Annalen 1884, Seite 651, gemachten Angaben überein.
Aus den Reiseberichten des Kapt. G. Reinicke, Führer der
deutschen Bark „Triton“.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
I. Kapstadt.
Bei der Annäherung an die afrikanische Küste am 30, September 1883
holte der Wind von SW auf SE und wurde flau. Wir liefen, beim Winde
steuernd, ca 2 Sm nördlich von Green Point und ebenso weit südlich von
Whalerock in die Tafelbai ein. Während unter dem hohen Lande draufsen der
Wind nur flau oder ganz still war, so dafs ich veranlalst wurde, wieder etwas
quer vom Lande abzuhalten, fanden wir in der Bai einen steifen SE-Wind.
In dem ruhigen Wasser kreuzten wir aber ohne Schwierigkeit mit kleinen Segeln
nach einem guten Ankerplatz an der Westseite der Bai, welcher durch den
Wellenbrecher gegen die NW-See geschützt ist. Mit uns zugleich kamen noch
fünf andere Schiffe binnen, die alle lange vor uns von Cardiff abgegangen
waren. Um 5% p. m. liefsen wir den Anker fallen, Von 6* bis 10* p. m. wehte
es hart aus SE, und wir hatten Gelegenheit, das berühmte Tischtuch des Tafel-
berges -— eine Wolkenmasse, die sich bekanntlich bei stürmischen SE- Winden
über den Tafelberg ausbreitet — ganz in der Nähe zu besehen. Da es stetig
wehte und nicht in Stöfsen, so lagen wir bequem. Viele Schiffe lagen hinter
beiden Ankern, Während unseres Aufenthalts in Kapstadt war das Wetter bis
zum 7. Oktober schön bei leichten westlichen und frischen südöstlichen Winden.
Aus letzterer Richtung war der Wind entschieden in den Nachmittagsstunden
vorherrschend. Die Nächte waren fast still und wundervoll angenehm. Am
Tage war es warm, aber nicht so, dafs es lästig wurde, nur erhob sich häufig
ein arger Staub. Vom 7. bis 12. Oktober herrschte Regenwetter mit Winden
zwischen N und WNW, welche zuweilen stark auftraten. Die Schiffe auf der
Rhede lagen hinter beiden Ankern, aber vom Wellenbrecher geschützt in einer
sicheren Lage. KEine Bark, welche zu weit nach draufsen lag, benutzte ein
Abflauen des Windes, um sich weiter hinter den Wellenbrecher schleppen zu
lassen. „Triton“ lag im sogenannten Outer Basin und wurde öfters durch die
hohe Dünung in unangenehmer Weise gegen das Bollwerk gestofsen. Am
Abend des 12, Oktober klarte das Wetter bei flauem Westwinde ab, Mit 445
sogenannten Kolonial-Tons Ballast im Raum legten wir das Schiff auf die Rhede.
Am 13. und 14. Oktober war das Wetter gut, Zu Zeiten, wenn in den Docks
an der Westseite der Bai mäfsige W- oder NW -Briese wehte, habe ich