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Gewitter- und Hagelbildung,
Barometerfalles, auch diese zeigt keine Uebereinstimmung mit der Fläche der
stärksten Niederschläge, Das Barometer fällt ebenso stark auf der Südseite
der Alpen, wo gar keine oder nur wenige Niederschläge fallen, wie im Salz-
kammergut, wo die stärksten Regen herrschen (160 mm in vier Tagen), es fällt
überdies am stärksten aufserhalb der Zone der gröfsten Niederschläge.
Nachdem der Verfasser noch verschiedene andere Zeitperioden heftiger und
ausgedehnter Niederschläge uud die gleichzeitige Vertheilung des Luftdrucks
untersucht hat, kommt er zu dem Resultate, dafs auch in diesen Fällen diese
heftigen und andauernden Regenfälle nicht einmal ein sekundäres Minimum
zu erzeugen oder ein benachbartes Minimum anzuziehen resp. dessen
Fortpflanzungsrichtung zu bestimmen im Stande waren. Die heftigen
Regengüsse am 15.—18. August 1874 fielen sogar im Gebiete eines Barometer-
maximums (wenn auch nicht im Centrum desselben) und überall bei steigen-
dem Barometer.
Da die Bildung heftiger und ausgedehnter Niederschläge hauptsächlich
von der aufsteigenden Bewegung der Luft abhängt, so folgt aus dem Vorher-
gehenden auch unmittelbar, dafs der sogenannte aufsteigende Luftstrom nicht
die Entstehung der Cyklonen, die Richtung ihrer Bahnen, ihre Fortpflanzungs-
geschwindigkeit ete. erklären kann.
Ich frage nun weiter, welche andere Erklärung für die plötzliche und
grofse Ab- und Zunahme des Luftdrucks (diese Abnahme kann in kurzer Zeit
die enorme Gröfse von 50mm erreichen) kann man noch aufstellen? Mir ist
keine einzige bekannt, die im Entferntesten stichhaltig wäre, Wenn wir aber
sehen, dafs bei allen unzweifelhaft mit heftiger Wirbelbewegung verbundenen
Erscheinungen, wie z. B. bei den westindischen Orkanen, den Tornados und
Tromben, eine solche plötzliche Ab- und Zunahme des Luftdrucks stets auf-
Iritt und eng damit verknüpft ist, so ist, da bei heftigen Gewittern, Hagelfällen
and Böen dieselbe Erscheinung der raschen Ab- und Zunahme des Luftdrucks
ebenfalls stets auftritt, nur die Schlufsfolgerung logischer Weise berechtigt,
dafs diese Ab- und Zunahme auch bei Gewittern ihren Grund in der Wirbel-
bewegung habe.!) Wir wären also schon ohne jegliche direkte Beobachtung
von Wirbein bei Gewittern berechtigt, auf die Wirbelnatur derselben zu schliefsen,
Es ist auch schon an und für sich leicht einzusehen, dafs alle rein physikalischen
Vorgänge, wie Auflockerung der Luft durch anhaltende kräftige Insolation,
nicht zur Erklärung dieses plötzlichen Steigens und Fallens des Barometers
ausreichen; denn alle diese Vorgänge gehen bekanntlich viel zu langsam vor
sich, um solche Druckdifferenzen, die dazu noch auf eng begrenztem Raume
stattfinden, zu ermöglichen. Diese heftigen Schwankungen des Luftdrucks inner-
halb kurzer Zeit müssen also auf rein mechanische Vorgänge zurückgeführt
werden, und da bleibt, wie wir oben gesehen, nur die Wirbelbewegung übrig.
(Schluß folgt.)
Bemerkungen über einige Plätze an der WestKüste von Afrika
zwischen Loanda und Kapstadt.
St. Paul de Loanda, Benguela, Mossamedes, Grofse Fischbai, Cunene-Mündung.
/Nach dem Bericht S, M. Kr. „Möwe*, Korv.-Kapt. Hoffmann, zusammengestellt.)
St. Paul de Loanda.*) Das Ansteuern des Hafens bietet auch bei
Nacht keine Schwierigkeiten, jedoch sind hierzu die rothen Laternenfeuer auf
der Spitze /sabella nicht benutzbar, da sie von so geringer Lichtstärke sind,
dafs sie nicht einmal vom Ankerplatz aus wahrgenommen werden können. Nach
dem Passiren des Feuers von Loanda-Riff steuere man auf die Mitte der hell
1) Ein sehr interessantes Beispiel zur ferneren Bestätigung dieser Ansicht ist am Schlusse
dieser Abhandlung erwähnt. .
% „Afrika Pilot“, Part IX, 1884, S. 127. — Findlay’s „South Atlantic“, 1883, S. 755.