Gewitter. und Hagelbildung,
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der Atmosphäre aufbaut, da in solcher Tiefe nicht die dirigirenden geradlinigen
Luftströme auftreten, die zur Erklärung dieses Parallelismus nothwendig sind.
Die Kurven der Barographen ergaben, dafs bei allen heftigen Gewittern
ein rasches und plötzliches Fallen und ein noch rascheres Steigen des Baro-
meters statthat. In.noch stärkerem Mafse tritt diese rasche Ab- und Zunahme
des Luftdrucks bei den Tornados stets auf; Nun weils man, und es ist all-
gemein anerkannt, dafs diese Tornados auf einer heftigen Wirbelbewegung be-
ruhen, dafs ferner gleichzeitig und mit ihnen eng verknüpft gewitterartige
Erscheinungen, Hagelfälle und mehr oder weniger heftige Regengüsse Sstatt-
finden. (Wo Letzteres nicht der Fall ist, fehlt es an der nöthigen Feuchtigkeit
in den unteren Schichten; das Vorkommen solcher Fälle ist aber wieder ein
Beweis, dafs nicht der aufsteigende Luftstrom die Ursache der Wirbelbewegung
sein kann.) Dann ist es aber eine durchaus berechtigte Schlufsfolgerung, wenn
man auch bei Gewittern und Hagelfällen, die ja beide meistens gleichzeitig
auftreten, eine Wirbelbewegung annimmt; denn wir beobachten bei ihnen, ebenso
wie bei den Tornados, ein rasches Fallen und Steigen des Barometers, eine
wenn auch minder scharf ausgesprochene Drehung des Windes (Kämtz führt
Bd, IT, Seite 519, an, dafs bei vielen Hagelschauern sich die Windfahnen mit
anglaublicher Schnelligkeit drehen), das Auftreten von parallelen Hagel-
streifen gleichzeitig mit den Tornados, eine grofse Aehnlichkeit der Wolken-
formation, desgleichen auch eine grofse Aehnlichkeit in den, dem Ausbruch der
betreffenden Phänomene vorausgehenden atmosphärischen Zuständen, Findet
also bei den Tornados Wirbelbewegung statt, so mufs sie auch bei Gewittern
stattfinden. Beide Erscheinungen sind im Grunde nur graduell verschieden, im
Uebrigen identisch.‘ Diese Ansicht wird durchaus bestätigt durch eine jüngst
erschienene Arbeit von Herrn H. A. Hazen über Tornados, Er hebt als
wichtigsten Punkt seiner Untersuchung von 41 Tornados aus den Jahren 1872—79
das Vorhandensein ausgedehnter Hagel- und Gewitterstürme in der
Nähe der Tornados und die innige Beziehung dieser beiden Phäno-
mene hervor. Er kommt ferner zu dem Resultat, dafs 1. in der Umgegend
der Tornados kein aufwärts gerichteter Strom existirt, wie er im Centrum
des Minimums angenommen wird; dafs 2. die Winde gleichförmig sind und sich
also keine kalten Nordwinde mit warmen Südwinden treffen (dies kann aber
sehr wohl in der Höhe der Atmosphäre der Fall sein, denn dort ist der
Entstehungsherd der Tornados zu suchen); dafs 3. keine grofsen Temperatur-
gegensätze vorhanden sind, da die Abnahme von 10° F. auf 259 Meilen nicht
mehr ist, als man von dem Einflufs der Breite erwarten kann. |
. Es ist ein höchst wichtiger Fundamentalsatz, dafs die Natur immer und
überall mit den einfachsten Mitteln arbeitet und ihre Zwecke erreicht, und
dal, wenn irgend ein Phänomen auf bekannte Ursache zurückgeführt werden
kann, ein eng verwandtes Phänomen auf dieselben Ursachen zurückzuführen
ist. ‚Jeder Versuch mufs daher verworfen werden, der eine solche eng ver-
wandte Erscheinung mit Hülfe ganz neuer Principien erklären will. Auf welche
andere Ursache kann. man nun eine solche plötzliche Ab- und Zunahme des
Luftdrucks zurückführen als auf die Wirbelbewegung, etwa auf heftige Nieder-
schläge oder den aufsteigenden Luftstrom? Nun, Prof. Hann hat in einer
amfangreichen Abhandlung: „Die Vertheilung des Regenfalles über Oesterreich
in der Periode vom 11.—15, August 1880 und deren Beziehung zur Vertheilung
des Luftdrucks“!) nachgewiesen, dafs eine Beziehung zwischen Barometer-
änderung und Regenfall sich nicht konstatiren läfst, der Barometer-
fall hängt nicht in erster Linie vom Regenfall ab und wird überhaupt
nicht merklich von letzterem beeinflufst. Daraus folgt num zugleich
(nach Prof, Hann) die Unabhängigkeit starker und ausgedehnter
Niederschläge von einem Barometerminimum, das Nichtvorhanden-
sein einer Minima erzeugenden Kraft der Niederschläge im Gegen-
satze zu noch herrschenden Annahmen, ferner die Unfähigkeit selbst
so starker und ausgedehnter Niederschläge wie des 13. August, ein in der
Nähe befindliches Minimum anzuziehen. Nichts von alle dem zeigt ‚sich
in dem betreffenden Falle. Der Verfasser ermittelt dann die Fläche stärksten
') Siehe auch „Oesterreichische Zeitschrift für Meteorologie“, Bd. XVI Seite 312-315.
Ann. 4. Hvar efe.. 1885. Heft 1.