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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gewitter. und Hagelbildung, 
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der Atmosphäre aufbaut, da in solcher Tiefe nicht die dirigirenden geradlinigen 
Luftströme auftreten, die zur Erklärung dieses Parallelismus nothwendig sind. 
Die Kurven der Barographen ergaben, dafs bei allen heftigen Gewittern 
ein rasches und plötzliches Fallen und ein noch rascheres Steigen des Baro- 
meters statthat. In.noch stärkerem Mafse tritt diese rasche Ab- und Zunahme 
des Luftdrucks bei den Tornados stets auf; Nun weils man, und es ist all- 
gemein anerkannt, dafs diese Tornados auf einer heftigen Wirbelbewegung be- 
ruhen, dafs ferner gleichzeitig und mit ihnen eng verknüpft gewitterartige 
Erscheinungen, Hagelfälle und mehr oder weniger heftige Regengüsse Sstatt- 
finden. (Wo Letzteres nicht der Fall ist, fehlt es an der nöthigen Feuchtigkeit 
in den unteren Schichten; das Vorkommen solcher Fälle ist aber wieder ein 
Beweis, dafs nicht der aufsteigende Luftstrom die Ursache der Wirbelbewegung 
sein kann.) Dann ist es aber eine durchaus berechtigte Schlufsfolgerung, wenn 
man auch bei Gewittern und Hagelfällen, die ja beide meistens gleichzeitig 
auftreten, eine Wirbelbewegung annimmt; denn wir beobachten bei ihnen, ebenso 
wie bei den Tornados, ein rasches Fallen und Steigen des Barometers, eine 
wenn auch minder scharf ausgesprochene Drehung des Windes (Kämtz führt 
Bd, IT, Seite 519, an, dafs bei vielen Hagelschauern sich die Windfahnen mit 
anglaublicher Schnelligkeit drehen), das Auftreten von parallelen Hagel- 
streifen gleichzeitig mit den Tornados, eine grofse Aehnlichkeit der Wolken- 
formation, desgleichen auch eine grofse Aehnlichkeit in den, dem Ausbruch der 
betreffenden Phänomene vorausgehenden atmosphärischen Zuständen, Findet 
also bei den Tornados Wirbelbewegung statt, so mufs sie auch bei Gewittern 
stattfinden. Beide Erscheinungen sind im Grunde nur graduell verschieden, im 
Uebrigen identisch.‘ Diese Ansicht wird durchaus bestätigt durch eine jüngst 
erschienene Arbeit von Herrn H. A. Hazen über Tornados, Er hebt als 
wichtigsten Punkt seiner Untersuchung von 41 Tornados aus den Jahren 1872—79 
das Vorhandensein ausgedehnter Hagel- und Gewitterstürme in der 
Nähe der Tornados und die innige Beziehung dieser beiden Phäno- 
mene hervor. Er kommt ferner zu dem Resultat, dafs 1. in der Umgegend 
der Tornados kein aufwärts gerichteter Strom existirt, wie er im Centrum 
des Minimums angenommen wird; dafs 2. die Winde gleichförmig sind und sich 
also keine kalten Nordwinde mit warmen Südwinden treffen (dies kann aber 
sehr wohl in der Höhe der Atmosphäre der Fall sein, denn dort ist der 
Entstehungsherd der Tornados zu suchen); dafs 3. keine grofsen Temperatur- 
gegensätze vorhanden sind, da die Abnahme von 10° F. auf 259 Meilen nicht 
mehr ist, als man von dem Einflufs der Breite erwarten kann. | 
. Es ist ein höchst wichtiger Fundamentalsatz, dafs die Natur immer und 
überall mit den einfachsten Mitteln arbeitet und ihre Zwecke erreicht, und 
dal, wenn irgend ein Phänomen auf bekannte Ursache zurückgeführt werden 
kann, ein eng verwandtes Phänomen auf dieselben Ursachen zurückzuführen 
ist. ‚Jeder Versuch mufs daher verworfen werden, der eine solche eng ver- 
wandte Erscheinung mit Hülfe ganz neuer Principien erklären will. Auf welche 
andere Ursache kann. man nun eine solche plötzliche Ab- und Zunahme des 
Luftdrucks zurückführen als auf die Wirbelbewegung, etwa auf heftige Nieder- 
schläge oder den aufsteigenden Luftstrom? Nun, Prof. Hann hat in einer 
amfangreichen Abhandlung: „Die Vertheilung des Regenfalles über Oesterreich 
in der Periode vom 11.—15, August 1880 und deren Beziehung zur Vertheilung 
des Luftdrucks“!) nachgewiesen, dafs eine Beziehung zwischen Barometer- 
änderung und Regenfall sich nicht konstatiren läfst, der Barometer- 
fall hängt nicht in erster Linie vom Regenfall ab und wird überhaupt 
nicht merklich von letzterem beeinflufst. Daraus folgt num zugleich 
(nach Prof, Hann) die Unabhängigkeit starker und ausgedehnter 
Niederschläge von einem Barometerminimum, das Nichtvorhanden- 
sein einer Minima erzeugenden Kraft der Niederschläge im Gegen- 
satze zu noch herrschenden Annahmen, ferner die Unfähigkeit selbst 
so starker und ausgedehnter Niederschläge wie des 13. August, ein in der 
Nähe befindliches Minimum anzuziehen. Nichts von alle dem zeigt ‚sich 
in dem betreffenden Falle. Der Verfasser ermittelt dann die Fläche stärksten 
') Siehe auch „Oesterreichische Zeitschrift für Meteorologie“, Bd. XVI Seite 312-315. 
Ann. 4. Hvar efe.. 1885. Heft 1.
	        
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