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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Gewitter- und Hagelbildung, 
Aufserdem wird durch diese Fahrt der Beweis geführt, dafs such über der 
Tiefebene die Hagelbildung in grofser Höhe vor sich geht (in 3300m Höhe 
kam der Hagel noch von oben) oder vor sich gehen kann. So hat man in den 
Alpen auf den höchsten Spitzen der Berge Hagelkörner gefunden. Der Ent- 
stehungsort der Hagelbildung kann also nicht in den untersten Schichten der 
Atmosphäre (etwa bis zu 1000m) gesucht werden, wie man dies schon öfter 
gethan hat. 
Vergleicht man diese lange Reihe direkter Beobachtungen über die 
Wirbelnatur der Gewitter- und Hagelstürme (die mir bei Abfassung meiner 
Abhandlung über Gewitter- und Hagelbildung noch alle unbekannt waren) 
mit den in jener Abhandlung aufgestellten Sätzen, so wird man die fast voll- 
ständige Bestätigung derselben durch diese Beobachtungen nicht leugnen können.*) 
Ich will nun noch einige Betrachtungen an dieselben knüpfen. 
Die Beobachtungen von Lecoc auf dem Puy-de-Dome, die von Rozet, 
Sewertzow, Securius beweisen, dafs im Allgemeinen die eigentliche Wirbel- 
bewegung in ziemlich grofser Höhe vor sich geht. Dies schliefst natürlich nicht 
aus, dafs dieselbe unter besonderen begünstigenden Umständen sich tiefer nach 
unten fortpflanzen kann. Es ist ferner leicht einzusehen, dafs der Bewohner 
der Tiefebene höchst selten Gelegenheit hat, die Wirbelbewegung direkt zu 
sehen. Denn aus den oben angeführten und allen anderen Beobachtungen geht 
hervor, daß wir es bei der Gewitterbildung immer mit zwei Wolkenschichten 
(zuweilen auch dreien) zu thun haben, zwischen denen die Gewitterwirbel auf- 
treten. Die untere Cumulusschicht, die sich eben zum gröfsten Theil infolge 
der Wirbel bildet, verdeckt natürlich diese, und nur in gewissen Ausnahme- 
fällen, wie z. B. bei dem grofsen Gewittersturm am 9. August 1881, treten diese 
Wirbel auch in den tieferen Schichten auf. Aus der von Dr. Köppen gegebenen 
ausführlichen Schilderung dieses Sturmes geht in zahlreichen, von ihm selbst 
angeführten Fällen auf das Evidenteste hervor, dafs die in den höheren Regionen 
stattfindende Wirbelbewegung sich häufig bis nahe an die Erdoberfläche fort- 
pflanzte.?) Man mufs nur die Wirbelbewegung richtig auffassen. So lange der 
Wirbel den Erdboden nicht direkt berührt (abgesehen von dem ersten Auf- 
treten des Wirbels nahe der Erdoberfläche, bei welchem er die Bodenluft unter 
sich auseinander treibt), bewegt sich die Luft an der Erde selbst in Spiralen 
nach einem Punkte hin, ohne dafs diese Spiralen immer eine geschlossane Kurve 
bilden. Die Luft macht oft nur einen einmaligen Umschwung. Die Bewegung 
des Windes am Boden läfst sich bei einem in der Höhe fortschreitenden Wirbel 
etwa so darstellen: 
vb b 
>57 0696) 
Bei der in unserem Falle sehr grofsen Fortpflanzungsgeschwindigkeit des 
ganzen Phänomens kommt die Wirbelbewegung auf der Erdoberfläche selten zu 
derjenigen vollen Ausbildung, wie bei einer Trombe, einem Tornado, wo die 
entfernte Wolken hätte sehen können, wäre es ihm möglich gewesen, die Bewegung des Ballons im 
Kreise oder um seine Axe zu erkennen. Auch Herr Tissandier hat wiederholte und energische 
Rotationsbewegungen seines Ballons beim Herabsteigen desselben aus einer NNE-Strömung in eine 
NW-Strömung beobachtet. Der Ballon drehte sich, schwankte und erzitterte, wie er es nie thut, 
wenn er innerhalb einer homogenen Luftströmung dahinfährt, 
1) Da besonders direkte Beobachtungen, wenn sie für eine aufgestellte Theorie sprechen, 
die beste Stütze dieser Theorie bilden, so hielt ich es für nothwendig, obige Reihe von Beobach- 
tungen noch nachträglich ausführlich mitzutheilen, und zwar um so mehr, als vielfach die gröfsten 
Vorurtheile in Betreff der Zulässigkeit der Wirbelbewegung herrschen. 
2) Der Verfasser dieser Arbeit über den Gewittersturm vom 9, August 1881 ist ersichtlicher 
Weise so sehr gegen die Wirbelbewegung eingenommen, dafs er fast überall, wo es sich um eine 
solche nach den bestimmten Aussagen der betreffenden Personen handelt, ein die Angaben in Frage 
stellendes „soll“ hinzufügt. Man weifs aber, dafs der Norddeutsche und speciell der Küstenbewohner 
zuverlässigen und kühlen Charakters ist, der ohne Voreingenommenheit durch irgend eine Theorie 
gerade Wind und Wetter sehr gut zu beurtheilen versteht. (Ich habe mich oft gewundert über die 
Sicherheit und Raschheit, womit diese Küstenbewohner die Richtung des Windes, der oberen 
Wolken ete. zu beurtheilen vermögen.)
	        
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