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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Gewitter- und Hagelbildung, 
Art von Aequator, bei dem ein Durchmesser länger war, als der andere, 
Eine rotirende Bewegung gleichzeitig mit einem abwechselnden Wachsthum 
durch Begegnung mit Tropfen, die noch im Falle nicht so sehr beschlemnigt 
waren, reicht zur Erklärung hin. 
Hierauf beschreibt Haidinger eine andere Gestalt eines Hagelkorns 
und sagt darüber: „Diese Gestalt beruht augenscheinlich auf einer um die 
Axe rotirenden Bewegung der Kugel (Rotationsbewegung der Kugel um 
ihre Axe), die früher unter gänzlich veränderten Verhältnissen erstarrt war.“ 
Wer die eben gegebene Erklärung mit dem vergleicht, was ich in meinem 
früheren Artikel, Seite 15—17, über die Entstehung des Hagels gesagt habe, 
wird die große Uebereinstimmung beider Erklärungsversuche zugeben müssen. 
Haidinger hat seine Erklärung aus dem Bau der betreffenden Hagel- 
körner durch Schlufsfolgerung abgeleitet, ich habe die meinige hauptsächlich 
auf das Seite 2 angeführte Experiment basirt. 
Im Folgenden will ich noch einige interessante Beobachtungen in aller 
Kürze anführen, die ebenfalls zu Gunsten der Wirbelbewegung bei Gewittern 
sprechen. Prof. Ragona führt folgende Beobachtung!) einer Trombe bei einem 
Gewitter in Modena (13, Mai 1881) an. „Nachdem seit Mittag der Himmel 
immer dunkler geworden und der Wind immer stärker, erschien um 3% 45“ p. m. 
in beträchtlicher Höhe über dem Horizont ein ungeheurer Kegel, der rasch 
um seine Axe rotirte; die äulsere Oberfläche des Kegels erschien grünlich, 
seine Basis grau, In Wahrheit waren es zwei Kegel, einer innerhalb des andern. 
Die Basis des inneren senkte sich etwas tiefer, als die des äufseren. Der Kegel 
schritt gegen SSE vor, die Wolken kamen von WSW und wurden von der 
Trombe mitgerissen. Auf der Rückseite der Trombe fuhren Blitze im Zickzack 
nach unten. Vom Anfang der Erscheinung an hörte man ferne Donner und 
ein dumpfes Brauseu. Dem Hagelschlag aus dem Kegel ging Regen voraus 
und folgte ihm nach. Die Hagelkörner waren von sehr verschiedener Größe, 
von einigen Millimetern bis zu 2—3 cm Durchmesser. Die Erscheinung verlor 
sich im SSE. Um 4* 38” schien die Sonne wieder.“ 
Ferner hat Herr Ernest Rothe in Sarajewo am 12, Juni 1884?) folgende 
interessante Beobachtung gemacht: „Den 12. Juni 1884, 5% 40" p.m., hatte 
ich Gelegenheit, das interessante Phänomen einer Wettersäule zu beobachten, 
und zwar eines aus schweren Geowitterwolken sich herabsenkenden, 
rotirenden Dunstkegels.“ 
Aus den beigefügten Zeichnungen geht auch deutlich hervor, dal inner- 
halb der Trombe ein aufsteigender Luftstrom stattfand. ; 
Auch ein höchst merkwürdiger, zu Rıbnitz (Mecklenbürg) am 30. Juli 1884 
beobachteter Blitzschlag gehört hierher. Professor Weber aus Breslau theilt 
darüber ®) Folgendes mit: „Gestern Morgen 5%4 Uhr wurde während eines 
heftigen Gewitters mit Hagelschlag (Körner bis zur Wallnufsgröfse) im ersten 
Stock eines Hauses gegenüber der Stadtkirche plötzlich die unterste Scheibe 
eines Fensters eingeschlagen, und hinein stürzte sich ein Wasserstrahl, von 
unten kommend, gegen die Decke und rifß dort ein großes Stück Putz ab, 
das mit dem Wasser einen darunter stehenden Cigarrentisch entzweischlug. 
Die Stube war überschwemmt und es sollen ca 3 Eimer Wasser aufgewaschen 
sein. Dafür, dafs gleichzeitig ein Blitz eingeschlagen habe, spricht: a) das Loch 
im Fenster, das den Eindruck macht, als sei in der Mitte eine Flintenkugel 
hindurch gegangen, da sich von dort Risse radial nach allen Seiten erstrecken; 
die untere Hälfte der Scheibe ist dann vom Wasser eingedrückt; es ist nicht 
glaublich, dafs ein Wasserstrahl allein derartige Risse hervorbringen kann; 
b) dafs einige Cigarren, die in einem Becher auf dem erwähnten Cigarrentisch 
gestanden haben, angebrannt sind, und zwar auf der Seite, die man in den 
Mund nimmt; c) die Behauptung der Einwohner des Hauses, in dem Augenblick 
vor dem Eindringen des Wasserstrahls Blitz und. Donner gleichzeitig wahr- 
yenommen zu haben.“ 
) 
) 
3) 
Siehe „Oesterreichische Zeitschrift für Meteorologie“, Bd. XVI, 1881, Seite 398, 
Dieselbe Zeitschrift, November-Heft 1884, 
„Meteorologische Zeitschrift“, Oktober-Heft 1884.
	        
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