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Gewitter- und Hagelbildung,
bildete. Der Südwind trieb unterhalb dieser Schicht mit Geschwindigkeit neue
weifse Wolken herbei. Der Wind wurde heftig und sehr kalt auf der Spitze
des Puy-de-Dome. Die untere Wolkenschicht war nicht so gleichförmig be-
schaffen, wie die obere, sondern aus ungeheuern, gefärbten Wolkenhaufen
zusammengesetzt, welche in derselben Richtung, aber mit verschiedener Ge-
schwindigkeit, sich fortbewegten. Sehr lebhafte Blitze erleuchteten sie von
Zeit zu Zeit und der Blitzstrahl sprang unter der Gestalt von Lichtfurchen
von einem Wolkenhaufen zum andern über. Zuweilen schien ein verlängerter
Blitz im selben Augenblick die ganze Strecke zwischen dem Puy-de-Dome und
dem Mont Dore zu durcheilen. Alle diese Erscheinungen gingen in der unteren
Wolkenschicht vor sich; ich sah nie den Blitz die Luftschicht durchschneiden,
welche die beiden Wolkenschichten von einander trennte. In der Ferne sah
ich aus den unteren Wolken Hagel hervorstürzen und auf die Erde fallen. Ich
sah ihn deutlich auf 50m Entfernung von der Spitze des Puy-de-Dome hervor-
brechen. Die Ränder der betreffenden Wolke waren zerrissen, und zeigte sich
an eben diesen Rändern eine Wirbelbewegung, welche schwierig zu be-
schreiben ist. Es schien, als ob jedes Hagelkorn von einer elektrisehen
Repulsion getrieben würde; die einen Hagelkörner entwichen unten aus der
Wolke, die anderen oben, bis sie schliefslich in allen Richtungen herausstürzten.
Sie würden unvermeidlich in allen diesen Richtungen auf dem Erdboden an-
gelangt sein, wenn nicht der unter dem Westwind herrschende Südwind sie
nach Norden getrieben hätte. Nach 5 bis 6 Minuten dieser aufsergewöhnlichen
Bewegung, an welcher nur der vordere Rand der Wolke Theil zu nehmen
schien, stellte sich die Ordnung wieder her, und die Hagelwolke, welche fort-
während sehr schnell fortgeschritten war, setzte ihren Lauf nach Norden fort,
indem sie in der Ferne noch einige Regenstreifen fallen liefs, welche kaum bis
zum Boden gelangten, vielmehr in den untersten Schichten der Atmosphäre auf-
gelöst zu werden schienen.“ (Lecoc verliefs nun, infolge eines gewaltigen
Blitzes erschreckt, den Gipfel des Puy-de-Dome, erstieg gegen 2* p. m. den
Puy-de-Come und hierauf (gegen 3* p. m.) den kaum eine Meile entfernten
Puy-de-Goule.) „Der Himmel befand sich zu dieser Zeit beinahe in demselben
Zustande, wie früher, die beiden Wolkenschichten bestanden noch und der sehr
kalte Südwind wehte mit Kraft an den Seiten des Berges. Er führte eine neue
schwer geladene Hagelwolke herbei, die mich 5 Minuten lang einhüllte. Die
Hagelkörner waren zahlreich, die gröfsten erreichten kaum den Umfang einer
Haselnuß; sie bestanden aus mehr oder weniger durchsichtigen, koncentrischen
Schichten, dabei waren sie abgerundet oder schwach oval und bewegten sich
alle mit einer grofsen Geschwindigkeit in horizontaler Richtung. Der gröfsere
Theil der Wolke ging über meinen Kopf hinweg und ich hörte deutlich das
Pfeifen der Hagelkörner oder vielmehr ein verworrenes Geräusch. Die über
meinen Kopf hinweg eilende Wolke, in welcher der Hagel vollständig aus-
gebildet war, liefs diesen erst in einer Entfernung von !/z Meile von dem Orte,
wo ich mich befand, fallen. Alle diese Hagelkörner besaflsen eine sehr rasche
Rotationsbewegung von verschiedenem Drehungssinn, soweit ich dies be-
urtheilen konnte, indem ich ihnen meinen Hut in möglichst horizontaler Lage
entgegenhielt. Mehrere andere Hagelwolken zogen noch von Süd herauf und
so hagelte es ohne Unterbrechung von 1* p. m. bis 4* p. m. auf der ganzen
Gebirgskette, vom Mont Dore bis jenseits Rıom und Volvic. Zwischen 4" p. m.
und 5* p. m. hörte der Hagel auf und die Wolken bildeten nur mehr eine
Schicht; aber sie gruppirten sich noch oft zusammen und ergossen unter Blitzen
ungeheure Wassermengen. Der Südwind hörte auf und der Westwind verjagte
die Tromben.“
Ein russischer Reisender Sewertzow (s. Faye Seite 550), auf einem
Gebirgsrücken (70km von Taschkent entfernt und 1500m über dem Meeres-
spiegel) stehend, sah die Wolken herabsteigen. Sobald sie den Kamm des
Gebirges einhüllten, begann der Regen. ... Der Wind wirbelte; umsonst
drehte sich Sewertzow nach allen Richtungen hin, er hatte den Wind immer
im Gesicht; er sah ganz deutlich, dafs der Regen und Hagel die Flanken seines
Pferdes in schräger Richtung trafen. Er konnte mit den Augen den durch die
wirbelnde Bewegung verminderten Anprall beobachten, denn die Kraft des
Stofses, obgleich merkbar, war doch kleiner als die Gröfse der Hagelkörner