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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Ann. d. Hydr. ete., XII. Jahrg, (1885), Heft II. 
19. 
ig 
Nachträge zu dem Artikel über Gewitter- und Hagelbildung. 
Von Dr. P, Andries, 
Seit dem Erscheinen meines Artikels über Gewitter- und Hagelbildung 
ist mir noch eine Reihe von Beobachtungen bekannt geworden, die theilweise 
schon früher, theilweise erst im Laufe des verflossenen Jahres gemacht wurden 
und die alle mehr oder minder zu Gunsten der dort aufgestellten Theorie der 
Wirbelbewegung bei Gewittern und Hagelwettern sprechen. Ich sehe mich 
umsomehr veranlafst, diese zum Theil interessanten Beobachtungen hier mit- 
zutheilen, als ich zugleich beabsichtige, auf die Quellen der Gewitter- und Luft- 
elektrieität noch etwas näher einzugehen. 
Schon im vorigen Jahrhundert (1783)?) beobachtete Spallanzani, ein 
sehr zuverlässiger Beobachter, beim Ueberschreiten der Apenninen, auf einem 
hohen Kamme derselben stehend, ein Gewitter zu seinen Füßen. Er drückt 
sich in Betreff der Bewegung der Wolken folgendermalsen aus: „Während in 
der Tiefe. ein heftiger SW-Wind herrschte, sah man die gekräuselten und 
wellenförmigen Wolken sich in entgegengesetzter Richtung bewegen; zu 
ihrer fortschreitenden gemeinschaftlichen Bewegung kamen aber noch besondere 
Bewegungen. hinzu und darunter eine deutlich erkennbare Rotations- 
bewegung, infolge deren sich hier und dort verschiedene Wirbel bildeten, 
die sich zuweilen gegenseitig zerstörten, ähnlich wie wir dies im Kleinen bei 
den Wirbeln in Kanälen und Flüssen beobachten.“ Wir haben also hier eine 
direkte Beobachtung der Wirbelbewegung über den unteren Gewitterwolken 
vor uns. 
In dem Annuaire für das Jahr 1877 führt Prof. Faye in seiner (mir erst 
vor Kurzem: zu Gesicht gekommenen) Abhandlung ®) über die Gewitter und die 
Bildung des Hagels eine höchst interessante Beobachtung von Lecoc an, die 
derselbe am 2. August 1835 auf der Spitze des Puy-de-Dome machte. „Der 
schon seit dem Morgen herrschende Westwind führte gegen Mittag einige 
niedrig ziehende Wolken herhei, die nur wenige Meter über meinem Kopfe 
vorbei passirten.‘ Ich sah hierauf andere Wolken sich vom Mont Dore trennen, 
die von.einem erst gegen 1* p. m. sich fühlbar machenden, ziemlich heftigen 
Südwind herbeigeführt wurden. So lange die beiden Wolkenschichten sich noch 
nicht kreuzten, war keine Andeutung von Hagelbildung bemerkbar. Aber die 
von Süd kommenden und niedriger ziehenden Wolken vereinigten sich zu kleinen 
Gruppen, welche sich auf. einander zu stürzen schienen, und bildeten grofse, 
schwere und dunkle Wolkenmassen, welche der Wind nur mit Mühe vorwärts 
bewegte. Sie bewegten sich indessen doch langsam nach Norden hin. Der 
untere Theil der Wolke verlängerte sich aber so, dals er eine 
ungeheuere Protuberanz bildete; hierauf entwichen aus dieser 
Hervorragung gewaltige Wassermassen, die ganz eng begrenzte 
Flächen überschwemmten. Die 80 erleichterte Wolke wurde vom Winde 
weiter getrieben und verschwand am Horizont. Diese Erscheinung wiederholte 
sich mehrere Male im Verlauf einer Stunde. Inzwischen hatte der Westwind 
eine grofse. Wolkenmasse angehäuft, welche eine ausgedehnte Wolkenschicht 
5. Annalen 1884 S. 1. u. 65. 
Comptes Rendus 18. Febr, 1884. 
Sur les orages et sur la formation de 1a gröele.
	        
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