Vergleichende Uebersicht ete,, November 1884.
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Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats November 1884
in Nordamerika und Centraleuropa.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington
and der von der Deutschen Seewarte ausgearbeiteten Uebersicht der Witterung
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats
November 1884 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber.
Nordamerika.
1. Annähernd normales Verhalten
der barometrischen Depressionen und
der barometrischen Maxima nach ihrer
Anzahl und ihren Bahnen. Von ge-
fährlichen Stürmen begleitet waren
die Depressionen III und VI, deren
erstere vom Indianer-Territorium, die
zweite von Manitoba, nach Unter-
Canada sich bewegten. Ein Gebiet
höheren Luftdrucks lagerte andauernd
über den westlichen Plateaus, wovon
sich mehrfach kleinere Anticyklonen
ablösten und ostwärts schritten.
2. Das im Osten sowohl als an
der Westküste um 1—3mm zu niedrige,
in der Umgebung des Felsengebirges
etwas zu hohe Monatsmittel des Luft-
drucks. Die Monatsschwankung des
Barometers betrug zwischen ca 30mm
in Neu-England und den oberen Seen
und 5—8 mm in Florida und Cali-
fornien.
3. Das Vorwalten westlicher Winde
vom oberen Missouri bis Neu-Eng-
land und nordöstlicher von der Chesa-
peake-Bai bis Südtexas, sowie die ge-
ringe Zahl von Lokalstürmen.
4. Die fast überall im Gebiet zu
geringe Niederschlagsmenge; am
gröfsten war die Regenarmuth im
mittleren und südlichen Theil der
Pacifischen Küste und in Tennessee
and dem Ohio-Thal, wo durchschnitt-
lich nur etwa !/s der gewöhnlichen
Menge fel; einen erheblichen Ueber-
schufs-. wies nur Florida auf.
Centraleuropa.
1. Mäfsige Anzahl und durch-
schnittlich nicht bedeutende Tiefe der
Depressionen, welche in der ersten
Dekade von den britischen Inseln
aach Lappland, in der zweiten vor-
wiegend von der Balkan-Halbinsel
nach NNW, in der letzten von Nor-
wegen aus nach Süd und Südost ver-
liefen.!) Ferner die Häufigkeit baro-
metrischer Maxima, welche in der
ersten Dekade über Südosteuropa, in
der zweiten meist über Central- und
Nordeuropa, in der dritten über West-
europa lagerten.
2. Das hohe Monatsmittel des
Luftdrucks, welches den Normalwerth
um 2—7mm übertraf, Die Monats-
schwankung des Barometers erreichte
im Süden mit ca 19mm nahezu, im
Norden mit 30—35mm ganz den
normalen Betrag.
3. Das schwache Hervortreten
vorherrschender Windrichtungen nach
den Hänufigkeitszahlen des ganzen
Monats — eine Folge der mehrfachen
intensiven Wechsel des Witterungs-
oharakters. Stürmische Winde traten
in allen Theilen des Monats, jedoch
nur sporadisch auf,
4. Die Geringfügigkeit der Nieder-
schläge, welche im nördlichen Central-
europa nur etwa 80 %/o, im Süden aber
nur 50°%o der normalen Menge er-
gaben.
1) Besonders bemerkenswerth war die Bahn des Minimums No. IX, welches am 19.—20. auf
dem norwegischen Meere erschien, nach Italien fortschritt, wo es am 22, fast verschwand, um darauf
mit wieder zunehmender Intensität durch die Donauländer und Russland nordwärts zu wandern, ganz
analog dem merkwürdigen Minimum No. IV des Monats Januar 1878.
Ann Ad. Hvar. ete.. 1895. Heft 11.