108 Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Oktober 1884.
ihr gebotene Gelegenheit, durch den Zehn Grad-Kanal zu segeln, benutzt, oder
hätte sie auch nur bei dem am 11. und 12. Mai wehenden kräftigen SSE-Winde
rine möglichst grofse Distanz nach Westen hin gut gemacht, so würde ihre
Reise zur Linie sicher bedeutend kürzer ausgefallen sein. Zu dieser in Frage
stehenden Jahreszeit, in welcher das Einsetzen des SW-Monsuns jeden Tag zu
erwarten ist, jedenfalls aber auf das Antreffen westlicher Winde nördlich vom
Aequator zu rechnen ist, sollten weiter nach Norden hin auftretende östliche
Winde immer benutzt werden, um möglichst bald wenigstens 90° O-Lg
anzusegeln.
In südlicher Breite konnte „Alma“ bei der dort zunächst auch noch
angetroffenen sehr schwachen Mallung nur in langsamer Weise nach Süden hin
vorrücken. Kapt. Alberts machte hier am 14. Juni in seinem Journale die
Bemerkung, dafs die in den letzten zwei Wochen beobachtete Windstärke nur
während 70 Stunden grofs genug gewesen sei, um bei derselben das Schiff
steuern zu können. Die in südlicher Breite beobachtete Strömung war eine
westliche. Nachdem „Alma“ bis zum 17. Juni nach 3,6° S-Br in 91,7° O-Lg
vorgerückt war, wurde dort der SE-Passat angetroffen, bei dem sich zum ersten
Male seit der Abreise ein längere Zeit anhaltender rascher Fortgang erzielen
liefs. Der Mitsegler „Erwin Kickmers“ war zu der in 4,8° S-Br und 91° O-Lg
liegenden äaquatorialen Passatgrenze am 14, Juni gelangt. Der bei „Alma“ bis
uach 20° S-Br hin sehr kräftig wehende SE-Passat endete, nachdem er das
Schiff bis zum 2. Juli nach 24,8° S-Br in 53° O-Lg geführt hatte. „Erwin
Rickmers“ hatte die polare Passatgrenze am 29. Juni in 25° S-Br und 53° O-Lg
angetroffen. Der Passat hörte bei „Alma“ auf, indem sich der kräftige Wind
bei auf 767,5 mm gestiegenem Barometerstande nach NE und bald darauf durch
N nach W veränderte, Es erfolgte dann später zwar ein Rundlauf des Windes
nach links, doch hielt sich derselbe während desselben nur für verhältnilsmäfsig
kurze Zeit im östlichen Halbkreise, Westliche und südliche Winde waren viel-
mehr nach dieser Zeit vorherrschend, so dafs die Bark infolge dessen nur in
langsamer Weise nach Westen hin vorrücken konnte. Am 17. Juli gelangte
„Alma“ in Sicht des Feuers von Natal. Am 23. und 24. Juli überstand die in
35,5° S-Br und 25,5° O-Lg stehende Bark einen sehr heftigen Woststurm, bei
dem das Barometer bis auf 753,2 mm sank. Dieser Sturm trat gleichzeitig auch
bei dem sich in 35,5° S-Br und 23° O-Lg befindenden „Erwin Rickmers“ auf.
Am 31. Juli führte ein kräftiger SE-Wind „Alma“ in Sicht des Tafelberges,
and nachdem der günstige Wind im Atlantischen Ocean ein Ende genommen
hatte, segelte man bei dem auf ihn folgenden mäfsigen Westwinde bis zum
3. August zu dem in 14,2° O-Lg überschrittenen Parallel von 30° S. Es waren
bis dahin 17 Tage verflossen, seit man dieselbe Breite im Indischen Ocean ver-
Jassen hatte. Während der Fahrt über dieses Meer war: 10° S-Br in 85,5°
O-Lg am 20. Juni, 20° S-Br in 65,5° O-Lg am 26. Juni, 30° S-Br in 31,2° O-Lg
am 17. Juli, 90° O-Lg in 5,6° S-Br am 18. Juni, 60° O-Lg in 22,1° S-Br am
29. Juni und 30° O-Lg in 31,5° S-Br am 18. Juli gekreuzt worden. Der Mit-
segler „Erwin Rickmers“, welcher sich am 30. Juli in Sicht des Feuers vom
Kap Agulhas befand, gelangte nach 30° S-Br in 12,8° O-Lg am 5. August.
Am Mittage des 28, Juli hatte sich „Alma“ in 34,7° S-Br und 22,2° O-Lg, und
„Erwin Rickmers“ in 34,6° S-Br und 22,1° O-Lg befunden. Die beiden Mit-
segler müssen sich also damals in Sicht von einander befunden haben. Von den
während der nächsten Tage herrschenden schwachen umlaufenden, von Stillen
unterbrochenen Winden wurde „Alma“ dann anscheinend mehr begünstigt als
der Mitsegler.
Der westliche Wind, bei dem „Alma“ wieder nördlich von 30° S-Br ge-
langte, veränderte sich zwar bald durch S nach SE, doch scheint beständiger
Passat erst am 12. August in etwa 18,2° S-Br und 2,5° W-Lg angetroffen
worden zu seip. Bei dem erst nördlich von 12° S-Br in einigermalfsen befrie-
digender Stärke wehenden Passate segelte „Alma“ bis zum 25. August zu dem
in 22° W-Lg überschrittenen Aequator, Um zu demselben von 30° S-Br zu
gelangen, waren 22 Tage erforderlich gewesen. 20° S-Br hatte man in 0,4°
W-Lg am 10. August und 10° S-Br in 124° W-Lg am 19. August gekreuzt.
Der Mitsegler „Erwin Rickmers“ erreichte die Linie in 23,8° W-Lg am 27. August.
Der von „Alma“ in nördlicher Breite am kräftigsten angetroffene SE- Passat