104 Eingänge von meteorologischen Journalen etec., Oktober 1884.
Länge verlassen. Dieselbe hatte 50° N-Br in 8° W-Lg am 17. September und
die Linie in 28° W-Lg am 24. Oktober gekreuzt.
Um in seiner Nähe die erforderliche Länge zurückzulegen, wählte
„Border Chief“ den Parallel von 44° Süd. Die dort angetroffenen Winde kamen
vorherrschend aus westlicher oder nördlicher Richtung, während südliche Winde
selten waren. Durch Stürme wurde die Fahrt kaum erschwert, und ohne dafs
sich ferner Nennenswerthes ereignete, gelangte das Schiff bis zum 19. Dezember
zu einem in der Nähe des Bestimmungsplatzes gelegenen sicheren Ankerplatz.
Es waren bis dahin 91 Tage seit der Abreise von Sundsvall und 78 seit der
Abfahrt von 50° N-Br verflossen. Kapt. Schierloh bemerkt in seinem Jour-
nale, dafs diese Reise die zweit rascheste von jenem Hafen aus nach Adelaide
je vollendete Reise sei. In östlicher Länge war von dem Schiffe: 20° O-Lg in
43° S-Br am 23. November, 50° O-Lg in 43,8° S-Br am 29. November, 80° O-Lg
in 43,7° S-Br am 5. Dezember und die Länge des Kap Leeuwin in 42,5° S-Br
am 13. Dezember geschnitten worden, Die Bark „Melusine“ erreichte Port
Adelaide am 2, Januar 1884, und. vom „Willy Rickmers“ war 80° O-Lg in
39,2° S-Br am 10. Dezember überschritten worden.
Nachdem „Border Chief“ in Port Adelaide entlöscht worden war, ver-
segelte das Schiff nach dem nahe gelegenen Port Pirie, um dort eine aus
Weizen bestehende Ladung einzunehmen. Am 18, Februar wurde die Rückreise
nach einem englischen Örderhafen angetreten. Nachdem leichte ungünstige
Winde den Fortgang der Reise zunächst für längere Zeit sehr verzögert hatten,
gelangte man endlich am 28. Februar aus Sicht von Land. Der am letzteren
Tage wehende frische Nordwind veränderte sich bald nach W und gewährte
dem Schiffe dann für eine Woche eine recht günstige Gelegenheit zur Förderung
der Reise. Südlich von 46,8° S-Br in 158° O-Lg stellten sich am 5. März
wieder ungünstigere Verhältnisse ein. Der westliche Wind trat dort zunächst
für längere Zeit in unerwünscht geringer Stärke auf, und nachdem man am
13. März 49,5° S-Br in 176° W-Lg erreicht hatte, stellten sich anhaltende Ost-
winde ein, durch die das Schiff weit nach Norden hin zurückgedrängt wurde.
Am 23. März wurde unweit 43,5° S-Br in 153° W-Lg wieder westlicher Wind
angetroffen, der, nachdem er für mehrere Tage schwach und unbeständig geweht
hatte, am 27. März in der Nähe von 44° $S-Br und 142° W-Lg zum ungewöhn-
lich heftigen Sturme zunahm. Dieser Sturm begann aus nördlicher und endete,
nachdem sich der Wind bei einem niedrigsten Barometerstande von 731,0mm
nach SW verändert hatte, aus letzterer Richtung. Das Schiff, welches mehrere
seiner Hauptsegel wie Verschanzungen verlor, drehte in demselben unabsichtlich
bei. Dieser selbe Sturm wurde wahrscheinlich auch von dem eisernen Ham-
burger, am 22. Februar von Port Pirie abgegangenen Vollschiffe „Hermann“
überstanden. Doch beobachtete dieses Schiff ihn in 46,3° S-Br und 131,8° W-Lg
am 28, März, also einen Tag später als „Border Chief“. Die Art und Weiso
der Windveränderung war bei „Hermann“ dieselbe, wie die vorhin angegebene,
doch scheint die Windstärke bei diesem Schiffe, obgleich der Luftdruck bis auf
723,3 mm sank, eine geringere gewesen zu sein, als bei „Border Chief“.
„Hermann“, dessen Verdeck zwar auch stets von Seewasser überschwemmt war,
konnte doch leicht vor dem Sturme weglenzen. Berücksichtigt man den an-
genähert 19 Stunden grofsen Unterschied der Zeiten des Eintreffens niedrigsten
Luftdruckes bei beiden, etwa 170 Sm in Breite und 420 Sm in Länge von
einander entfernten Schiffen, so ergiebt sich eine Fortbewegung der wahrschein-
lich auf südöstlicher Bahn begriffenen Depression nach rein östlicher Richtung
von etwa 22 Sm in der Stunde. Nachdem der Sturm sich bei „Border Chief“
gemäfsigt hatte, blieb die Windrichtung für einige Zeit eine westliche. Man
segelte dann bis zum 2, April nach 44° S-Br in 121° W-Lg. Oestlich von
diesem Punkte waren wieder östliche Winde vorherrschend. Als dieselben ein-
setzten, betrug der Luftdruck mehr als 770 mm; derselbe sank später auf
755,0mm und stieg aufs Neue bis auf 770mm, ohne dafs der Wind den östlichen
Halbkreis verliel[s. Vom 6. bis zum 22, April hatte der Wind ununterbrochen
östliche Richtung. Westlicher Wind wurde erst wieder angetroffen, als das
Schiff sich am letzteren Tage in der Nähe von 57,5° S-Br und 87,5° W-Lg
befand. Derselbe führte den „Border Chief“ dann bis zum 28, April zur Länge
des Kap Horn. Der 28. April war der 71. seit der Abreise verflossene Tag.