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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Zwei Taifune in Japan 1884. 
Das Barometer zeigte zwischen 2* und 9 p. m. nur geringe Veränderungen, es 
fiel nicht über 2mm, welchen gröfsten Betrag es nur in Miyasakt auf Kiushiw 
erreichte, während es in Numadew und dem äufsersten Norden sogar um 1mm 
stieg. Die Temperatur war in ganz Japan ziemlich hoch; an der Südküste 
zeigten sich Regenwolken und fiel leichter Regen, sonst war das Wetter klar. 
Neun Stunden später, um 6* Morgens den 15. September, fand bei der Halb- 
insel KK eine sehr tiefe Depression mit steilen Gradienten statt; in Wakayama, 
der dem Centrum zunächst, aber doch noch 50 Sm von demselben ab liegenden 
Station, war das Barometer um 14mm gefallen. Ein so plötzliches und starkes 
Fallen ohne vorherige Anzeichen ist seit der Veröffentlichung der Witterungs- 
berichte in Japan noch nicht beobachtet worden. Herr Knipping sucht die 
Erklärung hierfür darin, dafs der Sturm, nicht wie gewöhnlich, sich auf See 
roll entwickelt hatte, ehe er auf das Inselreich traf, sondern dafs er in unmittel- 
barer Nähe der Küste entstand. Die Schnelligkeit des Erscheinens und andere 
Umstände machen es sogar wahrscheinlich, dafs er sich zuerst in den höheren 
Schichten der Atmosphäre entwickelte und dann sich in die unteren Schichten 
senkte, Das Centrum befand sich um 6* a. m. den 15. September in der Nähe 
von ÖOshima, am Südende der Halbinsel Ki, bewegte sich mit 25 bis 30 Sm 
Geschwindigkeit nach NO, war um 2% p. m. westlich von Tokiyo, im Norden 
von Numadzu, und verschwand um 9* p. m. südlich von Nobiruw in den Stillen 
Ocean. Der Durchmesser des Sturmfeldes nahm bis Nachmittag zwischen 
3" und 5 zu und betrug mehr als 250 Sm; am Morgen war er bedeutend 
kleiner. Die Gröfse der Depression erhellt aus folgenden Barometerablesungen: 
Der Dampfer „Suminoye Maru“, Kapt. P. Frahm, beobachtete bei Zchiyemisaki, 
anweit Öshıma’s, als niedrigsten Stand um 6* a. m. 734mm bei NW-Sturm, beim 
Leuchtthurm Kashinosaki hatte man um 7* a. m. 731mm, auf der Bark „Hans“, 
Kapt. A. Thomson, in 33,5° N-Br und 137° O-Lg 717—720mm um 8:45" a, m., 
auf dem Dampfer „Suruga Maru“, Kapt. Pender, in der Nähe von Hamamatsu 
708mm, auf der Station Hamamatsu 717mm um 11* 30" a, m., in Numadzu 
{31mm um 1* 30° p. m., in Tokio 732mm um 3* p. m. und in Nobiruw um 
8" p. m. 743mm. 
Diese auf einander folgenden Stände 734, 731, 717, 708, 717, 731, 732 
und 743 zeigen deutlich das schnelle Fallen und Steigen des Barometers in der 
Nähe des Centrums, Der stärkste Barometerfall wurde an Bord des „Suruga 
Maru“ beobachtet, nämlich von 8b a. m. bis Mittag 33mm, von 12% bis 12% 30" 
12mm, also 45mm in 4'% Stunden und 12mm in einer halben Stunde. Die 
Gradienten betrugen für Gifu-Hamamatsu 22, für Numadzu-Hamamatsu 27, das 
Siebenfache eines gewöhnlichen Sturmes. Das radiale Einströmen des Windes 
dem Centrum zu zeigte sich bei diesem Sturm nicht nur, wie es bei früheren 
schnell fortschreitenden Stürmen in Japan wohl auch schon beobachtet war, an 
der Rückseite des Sturmfeldes, sondern zum ersten Male auch auf der Front- 
seite. Für das Manövriren der Schiffe ist dies selhstverständlich von hervor- 
ragender Wichtigkeit. So glaubte z. B. der „Suruga Maru“ um 6* a. m. den 15., 
da er nördlichen Wind hatte; dafs sich das Centrum ungefähr in SO befände, 
während es in Wirklichkeit in SW lag. Da bei Wirbelwinden von kleinem 
Durchmesser und grofser Höhe öfters ein solches Einströmen der Luft bemerkt 
worden ist, so läfst dieser Umstand vielleicht auch auf eine grofse Höhe dieses 
Cyklons schließen. Die in Tokio registrirte Geschwindigkeit des Windes betrug 
30m und in den Böen über 40m. 
Nach diesem Sturm blieb der Lufidruck im Westen ziemlich niedrig, die 
Temperatur im Süden hoch, und schon in der Nacht vom 16. auf den 17, Sep- 
tember entwickelte sich in der Nähe des westlichen Kiushiu ein zweiter Sturm. 
Das Centrum desselben befand sich um 10* 45” a. m. den 17. in der Nähe von 
Nagasaki, um 2° p. m. im nördlichen Kiushiu, um 7" p. m. bei Hiroshima, ging 
an der nördlichen Küste der Inlandssee entlang, passirte um 2° a. m. den 18. 
Osaka, um 4% Gifu und 9° Tokio, von wo es mit östlichem Kurse den Stillen 
Ocean aufsuchte. Die Geschwindigkeit der Vorwärtsbewegung betrug bis 
2" p. m. ca 20 Sm p. h, dann bis 9* p. m. 17 Sm und später 30 Sm. Der 
Dampfer „City of Tokio“ traf auf seiner Reise von San Francisco nach Yokohama 
am 27. September 1400 Sm östlich von Tokio in 35,4° N-Br und 170,4° O-Lg 
einen starken Sturm, der von Süden durch Osten auf Nord ging, bei einem 
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