Wetter-Telegraphie und Wetter in Japan 1883—84.
Weitere Beobachtungen für das Jahr 1883 sind in dem Heft „Monthly
Summaries and Monthly means for the year 1883“ durch das Meteorologische
Observatorium veröffentlicht worden. Es sind hieraus die nachstehenden Tabellen
II—V zusammengestellt, in welchen die Maxima und Minima der Beobachtungen
von den einzelnen Stationen während des Jahres fett gedruckt, die gröfsten und
kleinsten Werthe aller Stationen innerhalb ein und desselben Monats durch *
bezeichnet sind. .
935
Einem Vortrage, welchen Herr Knipping vor der Seismological Society
in Tokio über die meteorologischen Verhältnisse in Japan während des Jahres
1883 gehalten hat, entnehmen wir Nachstehendes:;
Die mittlere Temperatur für das Jahr 1883 variirte von 16,7° C. in
Kagoshima und 6,5° C. in Sapporo. Die Abnahme mit der Breite betrug etwa
0,9° C. für jeden Grad der Breite. Es ist dies einer der gröfsten bekannten
Werthe; in Europa wird derselbe nur auf dem Meridian des Azowschen Meeres,
wo er 1° beträgt, übertroffen; in Central-Europa und Grofsbritannien beträgt
er nur 0,4° C. Nobiru auf 38° Breite hat dieselbe mittlere Temperatur als
Cork und Valencia in 52° Breite, Der kälteste Monat war in Miyasaki auf
Kiushu der Dezember, an den übrigen Plätzen dieser Insel, sowie auf Shikoku,
der Binnenland-See und dem Lande um die Owari-Bai der Januar, in dem
übrigen Nippon und Yezo der Februar. Der heifseste Monat war der August.
Die Differenz zwischen den gröfsten und kleinsten mittleren Monatstemperaturen
nahm mit der Breite und Entfernung von der See zu: sie beitrug in Miyasakı
19°, an der Südküste 20° und in Sapporo 28°; für Shanghai ist der entsprechende
Betrag 25°, für Peking 31°, dagegen für die Shetlands I. 8°, für Glasgow 11°,
für Camden 14°C. Die jährliche Variation ist demnach mehr als doppelt so
grofs wie in Grofsbritannien. Die höchste 1883 beobachtete Temperatur betrug
36,6° C. in Wakayama, die niedrigste — 22,2° C. in Sapporo. Die Differenz
zwischen der höchsten und niedrigsten Temperatur ein und derselben Station
war in Kocht 36°, in Sapporo 56° C. Aenderungen von 14 und 15°C. an einem
Orte in 24 Stunden sind im Frühling und Herbst nicht ungewöhnlich. Alle
Stationen zeigen für den Januar eine in Hinblick auf die Breite bedeutend zu
niedrige Temperatur; am wenigsten ist dies bei Numazu (4—17°) der Fall; für
den Juli 1883 ergiebt sich für die meisten Stationen ein geringer Ueberschufe,
für Wakayama 2°; Miyasaki, die Ostküste und die Tsuruga-Strafse zeigten auch
im Juli eine zu geringe Temperatur, bei Miyako und Hakodate in Höhe von 2°.
Die Unterschiede im Luftdruck waren während des Winters in Japan
aufserordentlich grofs, von SW nach NO abnehmend; sie betrugen für je 60 Sm
ca 0,9 mm, einer der gröfßfsten Beträge, welche man kennt. Dementsprechend
sind im Winter gewöhnlich starke Westwinde, viel Schnee und bewölkter
Himmel auf der Wetterseite, der NW- und W-Küste, vorherrschend; klares
Wetter und wenig Schnee findet man an der Loeseite, der Süd- und Ostküste,
Im Sommer zeigte der Luftdruck über Japan nur geringe Unterschiede in Höhe
von 1 bis 3mm, nach W zu abnehmend, mit meist leichten südlichen und
östlichen Winden.
, Regen fiel 1883 in Yezo, in Aomori, Nobiru und der Binnenland-See
am wenigsten, weniger als 1m, am meisten in Kanazawa (2,4 m), sowie in
Kiushu und Shikoku. Im Januar, Februar, November und Dezember zeigen die
NW- und W-Küste den gröfsten Regenfall; im März ist die Vertheilung mehr
gleichmäfsig. Im April, Mai und Juni ist die Regenmenge in Kivshu und
Shikoku am gröfsten; Juli und August waren trocken, von schweren Niederfällen
während der Taifune abgesehen (171 mm am 18. August in Nagasaki und 162mm
am 20. August in Kochi). September und Oktober zeigten eine mehr gleich-
mäßige Vertheilung über alle Stationen. Eine graphische Darstellung der
Regenvertheilung über Japan während des Jahres 1883 zeigt Tafel 2.
Tafel 3 und 4 veranschaulichen die Bahnen der barometrischen Minima
und Maxima für die Zeit vom März bis Dezember 1883. Nachstehende Tabelle V
giebt eine Uebersicht über die Zahl der aufgetretenen Minima und Maxima,
der gemachten Sturmmeldungen — eingeklammert diejenigen von schweren
Stürmen — sowie der Tage mit starken Regenfällen.